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Südkurier 13.12.2011

Bonndorf – Mit dem Duo „Süß & Mix“ beendete der Folktreff Bonndorf seine diesjährige Veranstaltungsreihe im vollbesetzten Foyer der Stadthalle. Vor Programmbeginn erfolgte eine Bescherung der besonderen Art für zehn treue Folktreff-Besucher, die im vergangenen Jahr bei neun oder zehn Folktreff-Veranstaltungen zu Gast waren.Über je einen Folktreff-Eintrittsgutschein für zwei Personen dürfen sich Cornelia Andris, Henning Rathgen, Franz Rogg, Brigitte Weiler, Lothar Andris, Ursula Spradau, Sybille Strittmatter, Monika Rogg, Norbert Zöllner und Bettina Greitmann freuen.

Zusätzlich wurden Cornelia Andris und Henning Rathgen als Gewinner der begehrten Folktreff-Medienpakete ermittelt. Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer freute sich „dass es einen harten Kern, aber auch immer wieder andere Besucher beim Folktreff gebe“.

Auf Nachfrage der beiden Künstlerinnen kamen Besucher sowohl aus Erfurt als auch aus Stühlingen – „da stirbt man aus Langeweile!“. In der Empfangshalle zum Paradies stellten Engel Heike Mix und Teufelin (Birgit Süß) lapidar fest, dass Himmel und Hölle auch nicht mehr das seien, was sie einmal waren! „Ein Teil arbeitet Teilzeit, der Rest in der Pharmaindustrie!“ Auch als schreiende und lispelnde Unterschicht- und Yuppie-Babies Horst und Walburga, die zum erschreckenden Fazit gelangen „Mein Vater sieht so aus wie du“ waren die beiden Kabarettistinnen einfach nur zum Brüllen komisch. Ausgestattet mit Laptops, zeigten die Seniorinnen Berta und Lissi, wie unterschiedlich sie mit dem neuen Medium umzugehen wussten und attackierten die Lachmuskeln des Publikums ständig aufs Neue. Einig waren sich beide, dass sie „früher E-lan, heute nur noch W-lan hätten!“ Stilgerecht im Dirndl und weiß-blauer Flagge gab es einen kostenlosen „Bayrisch für Anfängerkurs“ mit Schwerpunkt Fluchen.

Beim Weihnachtsspecial im zweiten Teil ließen sich die beiden pfiffigen Verwandlungskünstlerinnen über den alljährlichen Weihnachtsstress aus. Hundesitting, Abholdienst, Plätzchen- und Torten backen – „aber dann wird sich erholt!“ Das klappt bei den beiden Powerfrauen erfahrungsgemäß erst am ersten Arbeitstag. Geschenke gibt es in diesem Jahr keine, gab das Duo im Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann, aber nur nach nebenan!“ bekannt. Völlig gefrustet beklagten sie sich als Schneeflöckchen, dass sie nur „pünktlich zum Heiligen Abend und am besten mit schriftlicher Ankündigung erwünscht seien“.

Zugabe für das begeisterte Publikum war ein Minikonzert der beiden vielseitig begabten Künstlerinnen. Als verruchte französische Chansonette stellte Birgit Süß unter Beweis, dass sie auch in diesem Genre klasse ist.

Kollegin Heike Mix, nicht minder überzeugend, lieferte die entsprechenden gesanglichen Übersetzungen in Deutsch. Den Folktreff-Besuchern bescherte das Duo Süß&Mix mit ihrem genialen Auftritt eine äußerst vergnügliche Auszeit im allgemeinen Vorweihnachtsrummel.

 

Badische Zeitung 13.12.2011

"Morgen Kinder wird’s nix geben"

Das Comedy-Duo "Süss & Mix" nimmt im Folktreff schonungslos die Schwächen beliebter Weihnachtsbräuche aufs Korn.

BONNDORF. Weihnachten komödiant-kabarettistisch aufs Korn zu nehmen ist – zumal im süddeutsch ländlichen Raum – ein gewagtes Unterfangen. Andererseits wäre es geradezu schade, würden Bühnentalente der Kleinkunstszene das "Fest der Feste" gänzlich aus ihren Programmen verbannen. Zweifelsohne exzellent ist dem Comedy-Duo "Süss & Mix" die "X-Mas Celebration" bei der jüngsten Folktreffveranstaltung gelungen. Ein rappelvoll besetztes Foyer legt überdies die Vermutung nahe, dass dieses Thema das Publikum zum Jahresende durchaus anspricht.

Spritzig, zynisch, zuweilen stutenbissig und derb, aber auch mit einer gehörigen Portion augenzwinkerndem Humor und ansteckender Fröhlichkeit legten eine deftig "fränkelnde" Birgit Süß und Ruhrpottgewächs Heike Mix schonungslos die Schwächen beliebter Weihnachtsbräuche offen. Denn, nachdem der Christstollen auf dem Friedhof eingegraben, Glühwein gsoffen und Plätzle gfressen, für die vegetarischen Nachbarn Ökoplätzchen und für den Besuch der Verwandten Torten backen san – aber dann wird sich erholt! Macht ja alles keine Arbeit! Muss ja sein! In einer furiosen schauspielerischen Glanzleistung setzt Heike Mix dem noch eins drauf, bekennt ihren ganz persönlichen Weihnachtsfrust: Ich bin nicht fröhlich! Die Überlegung, was sie wohl geschenkt bekommt, raubt ihr in dieser vorweihnachtlichen Zeit der Besinnungslosigkeit den Schlaf. All das selbst gebastelte Geraff geht ihr auf den Wecker und sie entscheidet: Morgen Kinder wird’s nix geben! Nicht minder genial gerät der Backexzess von Birgit Süß, wo im Puderzuckergestöber gekämpft wird, ein willenloser Teig zu Vanillekipferln gerät und diese in Reih und Glied auf dem Backblech angeordnet werden.

Derweil beschäftigen noch ganz andere Lebensbereiche die beiden Comedy-Talente. Da wäre die Begegnung von Engel und Teufel, die neuerdings nach dem Aussehen entscheiden, wer in den Himmel und wer in die Hölle kommt. Schließlich will auch der Teufel was fürs Auge haben und nur die CSU, die noch einen Stock höher als der Himmel angesiedelt ist, nimmt alles, was sie kriegt. Allein in den ersten drei Reihen der Zuschauer vermutet das Duo 23 Todsünden, spannt dabei feixend den Bogen von der Fleischeslust der Ergo-Vertreter bis zur "Geiz ist geil Mentalität" der Hypo Real Banker, die in der Hölle sofort in leitende Positionen kommen. Zum Brüllen komisch gerät der Erfahrungsaustausch von Walburga und Horst, die glücklicherweise nicht einem prominenten Beispiel folgend nach dem Ort ihrer Zeugung benannt sind. Sonst hieße Walburga womöglich Lausheim. Während Horst an den Kaugeräuschen seiner Mutter das exakte Stadium nachmittäglicher Gerichtssendungen festmacht, hat Walburga Ökowindeln und Babyjoga satt. Bei dem ganzen Ökozeugs wachsen ihr schon Sprossen zwischen den Zehen. Häkeldeckchen contra Bildschirmschoner ist angesagt, wenn sich die betagten Berta und Lissi Toni Marschall in "Jutube" anhören und bedauern, dass man jetzt zwar WLAN, dafür aber in früheren Zeiten noch weitaus mehr ELAN hatte. Beim Chatten tauschen die beiden Alten eine Bettpfanne gegen Sex, betrachten im Internet Schweinekram und träumen von Toni Marschall auf ihrer Bettkante, ehe sie die Hypo Real um ein hübsches Sümmchen via Schweiz und Cayman Inseln erleichtern.

In einer schonungslosen Charmeoffensive eroberte das Würzburger Comedyduo im Handumdrehen die Herzen der Zuschauer, packte jedoch trotz vordergründigem Nonsens bei genauem Zuhören so manche Zeit- und Gesellschaftskritik in ihr Programm. Dass Klaus-Martin vom Technikteam des Folktreff zuweilen zum Hauptdarsteller geriet, ist ein weiteres Indiz für die professionelle Spontaneität der Künstlerinnen, die ob dem technischen Durcheinander am Ende selbst Tränen lachen mussten, ehe sie in der Zugabe ihr herausragendes Gesangstalent als deutsch-französische Chansonetten unter Beweis stellten.

 

Südkurier 29.11.2011

Bonndorf – Sie kam nach Bonndorf und eroberte die Herzen der Fans des Liedguts aus dem frühen vergangenen Jahrhundert. Anna Janina Weis hatte eigens für den Folktreff ein Premierenprogramm ausgearbeitet.

„Ich bin von Kopf bis Fuß…Anna Janina Weis“ ist der Titel ihres neuen Programms, der freilich auf den berühmten Marlene-Dietrich-Hit verweist. Operngesang am Münchener Leopold-Mozart-Konservatorium hat die junge Sängerin mit der glockenklaren Stimme studiert und das hörte man deutlich.

„Die hat eine tolle Stimme“, schwärmte Norbert Zöllner, der treue Folktreff-Besucher, nach dem Konzert. Dass mit dem Programm weder Rockiges noch Comedy geboten wurde, störte ihn wenig. „Es ist die Abwechslung, die ich beim Folktreff so mag“, sagte Zöllner, „jedes Mal kommt etwas anderes und alles ist auf seine Weise gut“. Das Foyer der Stadthalle war gut gefüllt, trotz des terminreichen Bonndorfer Wochenendes. Freunde der Künstlerin aus München waren ebenso angereist, wie Verwandte aus Villingen und Musikbegeisterte aus Wehr und Karlsruhe, die aus der Zeitung von dem Programm erfahren hatten. Sie alle erlebten eine zuweilen mädchenhaft Sehnsuchtsvolle („Irgendwo auf der Welt“), eine bis zum Hauch verstummend, leidende Liebende („Bitte geh nicht fort“) und dann die erstaunlich temperamentvolle „Fesche Lola“, die das Publikum fast von den Stühlen riss. Schlicht hinreißend gesungen und gespielt war der einzig richtig neue Song des Programms, deshalb wohl als zweite Zugabe: „The Girl in 14 G“ von Jeanine Tesori. Die lispelnde graue Maus zieht in ein Appartmenthaus, will eigentlich nur ihre Ruhe und landet genau zwischen einer Opernsängerin und einer Jazzerin.

Anna-Janina Weis springt virtuos in die verschiedenen Rollen, stellt gekonnt und mit viel Witz die doch sehr unterschiedlichen Frauentypen dar und weiß selbstredend die akustischen Belästigungen, denen sie, die graue Maus, nun ausgesetzt ist, bestens zu interpretieren.

Hier bot sie, was man ihr speziell am Anfang des Programms zuweilen wünschte: Den Mut, vollends aus sich herauszugehen. Denn wenn sie es tut, können Fans dieser Musik kaum genug von Anna-Janina Weis bekommen.

Dietmar Helmrich war eigens aus Wehr angereist und sagte nach der Veranstaltung hellauf begeistert: „Das war einfach herrlich, solche Liederabende könnte man öfter machen, es muss doch nicht immer Kitsch sein.“ Das ist wohl wahr. Etwas erläuternde und das Publikum ansprechende Moderationen zwischen den Titeln hätten die Vorstellung dennoch abgerundet.

Badische Zeitung 04.07.2011

Graeme Lockhart beim Folktreff Bonndorf zu Gast / Eingehende Melodien mit gefühlvollen Texten zum Besten gegeben.

BONNDORF. Gefühlvoll, charismatisch, eingehend, rockig - Graeme Lockhart, der diesjährige Künstler beim Open Air des Folktreff Bonndorf, kann durchaus sehr vielseitig beschrieben werden. Rund 240 Musikliebhaberinnen und Musikliebhaber lockte der gebürtige Schotte trotz der kühlen Schwarzwaldluft in den Schlossgarten, wo es sich dank Glühwein und heißen Würstchen gut aushalten ließ.

Zusammen mit den Musikern von "The Curious Bullets Band" gab der Sänger und Songwriter seine eingehenden Melodien zum Besten. Die Themen, die in den Songs musikalisch bearbeitet werden, sind sehr weitreichend. Mal werden individuelle Schicksale besungen, mal die Grausamkeiten des Krieges, mal das fröhliche Leben in verschiedenen Regionen auf der Welt und auch das häufig geschilderte Thema Liebe darf natürlich nicht fehlen. Neben Eigenkompositionen wie "San Francisco Stopover", oder "Walk on" erklang in den Ohren der Zuschauerschar auch die eine oder andere bekannte Melodie. Bei der musikalischen Mischung aus Folk, Folk Rock und Rock wurden in die besinnlich ruhigen Momente immer wieder schottisch-fröhliche und anders flippige Gesangseinlagen untergemischt.

Nicht nur in der Auswahl der begleitenden Musikinstrumente zeigt Graeme Lockhart Facettenreichtum. Neben dem Drumset und der elektrischen Bassgitarre erklingen abwechselnd die Töne einer Violine, eines Keyboards, eines Akkordeons und nicht zuletzt der Gitarre Lockharts selbst, wobei jeder der Musiker einwandfreies Können auf dem jeweiligen Instrument vorzeigen kann. Graeme Lockhart tritt mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz auf, die den Funken der Musik schnell auf das Publikum überspringen lässt. Sein "Scottish Soul", wie er seinen Musikstil selbst nennt, lässt die Fantasien der Zuhörerinnen und Zuhörer schweifen und gedanklich die endlosen Weiten der Schottischen Hügellandschaften, bedeckt von den lila Blüten der Erika, zahlreichen kleinen Seen und riesigen Schafherden wandern, bevor man sich im Trubel einer Großstadt wie San Francisco wiederfindet. Im Großen und Ganzen laden die zarte Stimme des Künstlers und das musikalisch hohe Niveau zum Träumen und Vergessen der Zeit ein. Aufgewachsen ist Graeme Lockhart in der schottischen Hauptstadt Edingburgh. Schon früh nahm er seine erste CD zusammen mit seiner Band "Shibboleth" auf. Nachdem er eine Weile in London gelebt hatte, zog er 1998 nach München und lebt seither in Deutschland. Für sein Album "Listen like Trees", welches er 2006 aufnahm, erhielt Lockhart zahlreiche nationale und internationale positive Bewertungen.

Heute tritt der schottische Soulsänger in England, Frankreich, Deutschland und sogar den USA auf. Wenn Graeme Lockhart mit einer seiner vielen Gitarren auf der Bühne steht und in der Abenddämmerung mit geschlossenen Augen harmonische Melodien mit gefühlvollen Texten zum Besten gibt, sind die Sorgen des Alltags für einen Abend lang vergessen. Und dass diese Musik unter die Haut geht, wäre damit auch geklärt.

Badische Zeitung 10.05.2011

Da musste das Publikum einfach mit

Die drei Jungs von "acoustic revolution" sorgten im Folktreff für Begeisterungsstürme / Spielfreude und Leidenschaft steckten an.

BONNDORF. Woran liegt es, dass das Publikum beim Gastspiel von "acoustic revolution" auf der Folktreffbühne vom ersten Ton weg nahezu ausflippt? Ganz einfach: An der exzellenten Bühnenperformance dieser drei Musiker, die Spielfreude und Leidenschaft ungekünstelt rüberbringen und sich für jeden einzelnen ihrer Songs begeistern können. Außerdem liegt es daran, dass alle drei ihr "Handwerk" aufs Beste verstehen. "Es wird anstrengend für euch!", warnt Germar – und behält damit recht, denn einfach zurücklehnen geht bei dieser mitreißenden Musik wahrlich nicht.

Beinahe urig wirken Germar und Dennis in Schottenröcken und derbem Schuhwerk, Tom wirkt zwischen ihnen fast wie ein ruhender Pol. Was die musikalische Qualität anbelangt, sind jedoch alle drei auf gleicher Höhe. Germar überzeugt an Akustikgitarre, Banjo oder Mandolino, Tom ebenfalls an der Gitarre und Dennis –"der noch in der Lehre sein soll" – holt das Optimale aus dem Kontrabass heraus. Ihr Zusammenspiel ist grandios. Gleichgültig ob Covers oder Songs aus eigener Feder, acoustic revolution verpassen jedem Lied ihren unverwechselbaren, eigenen Stempel. Irish Folk, Classic Rock, Pop, Country, Blue Grass und fetzige Polka finden sich im bunt gemixten Repertoire der Band, die auch auf der neuesten CD "The Abyss of Greed" perfekt aufeinander abgestimmt sind. Titel wie "I was always free", "Alone" oder "Curious moon" folgen in spontaner Reihenfolge nahtlos aufeinander und werden frenetisch beklatscht. Melancholische Kontrabassklänge wechseln sich mit quirligem Banjospiel, derweil Germar lapidar feststellt: "Mein Banjo ist heute wieder sehr aufgelegt!"

Coverhits wie "Highway to Hell" erklingen durch die eigenwilligen Interpretationen von "acoustic revolution" in Bestform und mit Eric Claptons "Lay down Sally", dem Country-Klassiker "Rolling, rolling, rolling", sowie Popsongs wie "Those were the days" oder "Boat on the river" lösen Germar, Tom und Dennis Begeisterungsstürme aus.

Immer mehr Zuhörer hält es nicht länger auf ihren Sitzen. Allseits gern gehörte Ohrwürmer wie "Ring of Fire", "Sweet home Alabama" oder "Rama, Rama ding dong" runden die eigenen Songs von "acoustic revolution" ab, die das Publikum oft und gerne in ihr Programm einbeziehen. Langer Aufforderungen hierzu bedarf es nicht – die Zuhörer brennen förmlich darauf, die ihnen auferlegten "Lalala"-Prüfungen in Bestform zu bestehen. Bei so viel Spiellaune und Begeisterung ist es am Ende nicht verwunderlich, dass beim CD-Verkauf der Band dichtes Gedränge herrscht.

Badische Zeitung 19.04.2011

Operndiva und Komödiantin

Mit ihrem Programm "Oper rette sich, wer kann" begeistert Annette Postel im Folktreff.

BONNDORF. Kleinkunst ist ein Genre, das sich nicht in jedem Fall präzise definieren lässt. Dass mit Annette Postel jemand auf die Idee kommt, just dafür "große" Kunst wie die der Opern zu parodieren, ist eine herausragende Bereicherung des breiten Feldes der Kleinkunst. Zumal wenn diese Parodie, Comedy oder wie immer man es nennen mag, von einem exzellenten Pianisten wie Klaus Webel begleitet wird. Annette Postel indes überzeugt ihr Publikum mit hervorragend sopranistischer Gesangskunst, gepaart mit frappanter Mimik, rasantem Wortschwall, ausgezeichnet komödiantischer Schauspielkunst und natürlichem Charme.

Im Jahresprogramm des Folktreff ist das Engagement von Annette Postel eine wunderbare Bereicherung und steht für die bewährte Vielfalt der Programmauswahl. Freunde der Kleinkunst sind jedoch nicht per se Opernfans. Daran mag es gelegen haben, dass so mancher treue Anhänger der Kleinkunstinitiative offensichtlich zauderte, ob denn Operngesang tatsächlich "folktrefffähig" sein kann. Annette Postel bewies als skurrile Operndiva, dass Klassik und Kleinkunst gespickt mit Witz, Theatralik und schrillen Übertreibungen durchaus einen gemeinsamen Nenner haben können. Und klärte das Publikum an den Großmeister der Oper, nämlich Verdi, erinnernd auf, dass Opern absolut nicht langweilig sind, sondern jede Menge "Sex and Crime" bergen. Über Soubretten-Schlampen, die weder Hirn noch Rückgrat haben, plauderte sie brisantes Insiderwissen aus. Schon im nächsten Moment schwärmte die Diva in höchsten Tönen von Bratwurst und Ochsenmaulsalat oder "schawachen" Herzen, um sodann wieder das Geheimnis zu lüften, dass Opernsänger mit Koloraturen richtig reich werden können – sofern sie nach der Anzahl der gesungenen Töne honoriert werden.

Annette Postel zeigte sich erstaunlich vielseitig, egal ob im Stehen, Sitzen, Liegen oder gebückter Haltung: mal als Pfälzer Hausfrau, dann wieder als Chanteuse, die mit osteuropäischem Akzent überlegt, was wäre, "Wenn ich ein Tenor wär'...", oder originalgetreu Chansonstar Milva imitiert. Unübertrefflich geriet Postels näselnde Schelllackplatten-Interpretation der "Donna Clara", die mal zu schnell, mal zu langsam "lief" und bei der sogar die Kratzer unüberhörbar waren.

Weiterer Höhepunkt war zweifelsohne ihre Darstellung der Carmen, die als hässlich mannstoller Vamp urkomisch geriet, oder auch ihr konsequent gelispelter Auszug aus "Dido und Aeneas". Und so wie Pianist Klaus Webel bei "I will survive" zu Höchstform auflief, so steigerte sich auch die Begeisterung des Publikums, als Annette Postel diese Ohrwürmer der Opernmusik gemischt mit moderner Literatur parodierte. Die eher schwer verdaulichen, tragischen Arien gerieten so in den Hintergrund. Gudrun Deinzer hat mit der Verpflichtung von Annette Postel Mut bewiesen, der am Ende belohnt wurde. Die Vorsitzende der Kleinkunstinitiative überraschte das Publikum aber auch mit einer Programmänderung: Der Folktreff wird künftig nicht mehr im Schloss präsent sein. Bereits in diesem Jahr wird das Konzert mit Anna-Janina im Foyer der Stadthalle aufgeführt, und zwar eine Woche später als ursprünglich geplant, am 25. November. In der Aula des Schlosses habe der Folktreff "den Rahmen gesprengt". Eine kleine Scharte am Flügel nach der vorjährigen Novemberveranstaltung habe "im besten Einvernehmen" zu dieser Entscheidung geführt. Dankenswerterweise habe die Stadt die Kosten für den Schaden übernommen.

Die Leihgebühr für den Flügel der Freitagsveranstaltung sponserte übrigens die Sparkasse.

Badische Zeitung 25.03.2011

Beim Tango wallen die Gefühle

León und Aldo Martinez begeistern Folktreff-Publikum mit leidenschaftlichen Rhythmen.

BONNDORF. Er war begleitet von einem Hauch von Urlaub, der jüngste Folktreff in der Stadthalle Bonndorf. León (Gesang) und Aldo Martinez (Piano) wussten ihr Publikum nicht nur in den Bann zu ziehen, sondern verbreiteten südländisches Flair mit einem Hauch von Leidenschaft.

Sänger León Martinez entführte seine Zuhörer in die Welt des hochmusikalischen Alltags Argentiniens. Stimmgewaltige Gefühle kamen dabei genauso zum Ausdruck, wie zärtliche kleine Wogen, untermalt mit einer unglaublich authentischen Gestik und Mimik.

Bereits mit dem ersten Stück aus dem Jahre 1917 zog er das Publikum in seinen Bann und ließ dieses bis zum Ende der Veranstaltung nicht mehr los. Der deutsch-spanische Sänger mit seiner kraftvollen Stimme hauchte mit einer großen Variabilität Gefühle sowohl in seinen Gesang als auch in seine Ausführungen, was die Bedeutung der einzelnen Lieder anbelangte. Mal lustig, mal melancholisch, mal sinnlich, aber vor allem immer ehrlich! So präsentierte Martinez seine Stücke, deren Inhalt mehrheitlich von der Liebe und der Klage des verlassenen Mannes an seine Verflossene – eines der Hauptthemen des Tangos – handelte. Aber auch eigene Kompositionen verdeutlichten den jungenhaften Charme des charismatischen Sängers. So handelte eines der Lieder von "Deinen Küssen", entstanden in einer durchzechten Nacht, in der Aldo dem Salsa frönte und León eine schöne Unbekannte näher kennenlernte. Wusste León Martinez durch seinen Gesang zu verzaubern, so berauschte Aldo Martinez durch seine leidenschaftliche Spielfreude am Piano. Dass sich darunter auch schon mal ein wilder Dreivierteltakt finden ließ, damit hätte wohl keiner der Anwesenden gerechnet. In der "Ballade für einen Verrückten" brachte León Martinez sein gesamtes Repertoire zum Ausdruck, rhythmisch, gefühlvoll, stimmgewaltig und leidenschaftlich, so präsentierte sich das dargebotene Stück – tosender Applaus war der Dank dafür!

Einblick in das leidenschaftliche Argentinien

Doch Martinez bewies auch durchaus Zeitgeist. So handelte eines seiner selbst komponierten Stücke davon, dass Frauen von der Venus den Tango erfunden hätten. Kein Wunder also, dass man sich seitens des weiblichen Publikums das Grinsen nicht verkneifen konnte, beschlich einen doch der Verdacht, dass León Martinez unlängst zu einem Frauenratgeber gegriffen hatte.

Summa summarum hätte dieses Konzert eindrucksvoller nicht sein können. Neben dem hörbaren Genuss war es vor allem das südamerikanische Flair, das die eigenen Gedanken auf Reisen schickte und somit ein Eintauchen in die Welt der beiden Künstler León und Aldo Martinez ermöglichte.

Badische Zeitung 21.02.2011

Mal derb, mal charmant, mal sexy

Die Band "Vivid Curls" zeigt im Folktreff ganz unterschiedliche Gesichter / Exzellente Musiker, die zu ihrer Herkunft stehen.

BONNDORF. "Vivid Curls" stehen zu ihrer Herkunft und damit auch zu ihrem Allgäuer Dialekt. Entsprechend musste sich das Publikum bei der jüngsten Folktreffveranstaltung anstrengen, um all die tief gehenden Texte der beiden Ausnahmemusikerinnen zu verstehen, wenn sie nicht gerade englisch, spanisch oder österreichisch sangen. Doch auch ohne Textverständnis war das Konzert mit Inka Kuchler und Irene Schindele einzigartig, treffen doch bei "Vivid Curls" neben zwei begnadeten Sängerinnen drei weitere exzellente Musiker zusammen.

Matt Schaffer prägt an der Akustikgitarre eindrucksvolle Melodien, Peter Wachter sorgt am Bass für den richtigen Groove und Markus Wohner gibt an Cajòn und Kongas den Rhythmus vor. Allen fünf gemeinsam ist überschwappende Spielfreude, überzeugende Authentizität und der zuweilen etwas derb sympathische, typische Allgäuer Charme, dem man sich nicht entziehen kann. Derb deshalb, weil man diesen beiden zarten Frauen nicht zutraut, dass sie in ihren Liedtexten gnadenlos mit Kindesmisshandlung, Umweltzerstörung, Hochstaplern oder Gotteskriegern abrechnen. Im Dialekt kommen diese zeit- und gesellschaftskritischen Töne deutlich forscher daher als in hochdeutscher Sprache, aber genau das ist es, was den unverwechselbar eigenen Stil der Band ausmacht. Man könnte zwar bemäkeln, dass Musikstil und Sprache nicht bei allen Liedern synchron wirken, andererseits ist genau die selbstbewusste Entscheidung für den Dialekt Markenzeichen der beiden Allgäuerinnen, die erfrischend anders sind. "Vivid Curls" können so gesehen gut auf populäre Coverhits verzichten, obwohl sie auch hier mit wenigen ausgesuchten Stücken ihren hohen künstlerischen Anspruch unter Beweis stellten und etwa bei Amy McDonalds "This is the life" Beststimmung beim Publikum auslösten.

So überzeugend in Liedern wie dem Schurkenstück "Gloifl", das dem "sakraverlogenen Siech" gewidmet ist, der die beiden Sängerinnen maßlos über den Tisch gezogen haben muss, oder "Geiz isch geil", die Wut der beiden Texterinnen und Sängerinnen daher kommt, so zart und emotional sind ihre Liebeslieder. Während "D’Aufstand" apokalyptische Umweltbedingungen thematisiert, drücken sich in "I ka fliaga" Selbstzweifel, Rastlosigkeit und der eiserne Wille, sich nicht verbiegen zu lassen aus. "Obwohl i di liab" ist ein trauriges Lied über unerwiderte Liebe und auch die Hommage an Hubert von Goisern mit "Weit, weit weg" ist äußerst gelungen. Allerdings fühlte sich ein Teil des Publikums in Anbetracht solch trauriger Lieder in entsprechende Melancholie versetzt und vermisste hier oder da mal einen Stimmungsaufheller.

Dass Kinder im Leben der Bandmitglieder eine wichtige Rolle spielen, zeigt sich nicht allein darin, dass – wie Inka Kuchler behauptet – "Vivid Curls" wohl die kinderreichste Band ist. In nachdenklichen Liedern, wie "G’stutzte Fliegl" oder "Sternenkind" setzen sich die beiden Frauen vielmehr mit dem Seelenheil ihrer Kinder auseinander und geben dabei viel persönliches von sich preis.

Sämtliche Botschaften präsentieren "Vivid Curls" in einzigartiger Rhythmik, mal Pop oder Folk, mal Jazz oder eher Blues oder auch schon mal in kernigem Rock.

Und freilich enthielten sie dem Publikum auch ihren Song, mit dem sie jüngst als beste Popgesangsgruppe den Deutschen Rock- und Poppreis gewannen, nicht vor. Der war allerdings nicht im allgäuer Dialekt, obwohl dieser durchaus "sexy" ist, eben so, wie diese beiden Frauen, die ihr spontanes Programm mit einem traditionellen Allgäuer "Emanzenkracher" abrundeten.

Badische Zeitung 25.01.2011

Sieber nimmt kein Blatt vor den Mund

Der Kleinkünstler macht sich im Folktreff seine ganz eigenen Gedanken über Promis, Politiker und andere Zeitgenossen.

BONNDORF. Ist er nun Kabarettist, Comedian oder am Ende gar Philosoph? Egal wie – Christoph Sieber ist einer, der was zu sagen hat, der seine Zeitgenossen mit all ihren Schwächen offensichtlich sehr genau beobachtet und der profanem Klamauk die besten Pointen entlockt. Vor allem ist er einer, der sein Handwerk aus dem "Effeff" beherrscht.

Dem aus Niedereschach stammenden Künstler eilte ein guter Ruf voraus. Entsprechend dicht drängte sich ein bestens aufgelegtes Publikum beim jüngsten Folktreff nach dem obligatorischen Neujahrssekt in das Foyer der Stadthalle – und wurde nicht enttäuscht. Denn schon nach wenigen Worten wusste man: Christoph Sieber wird den Vorschusslorbeeren mehr als gerecht.
Mit exzellentem Sprachwitz, skurriler Sprachkunst und gekonnter Pantomime, die ihresgleichen sucht, streift er alle nur denkbaren Themen. Bei seiner unvergleichlichen Boris-Becker-Parodie brüllt das Publikum vor Begeisterung und ahnt, welch grandiose Körperbeherrschung diese Schaueinlage abverlangt. Doch nicht allein Boris, auch unsere Formel 1 Elite wird kritisch beäugt. Allerdings befindet Sieber Männer, die zugucken, wie andere im Ring herum fahren, noch schlimmer als die Schumis und Vettels selbst.

Sport ist freilich ein Thema für Jedermann. Erinnerungen an missglückte Bocksprünge aus der Turnstunde, an Ausflüge auf quietschenden Rollschuhen und an Nordic-Walker, die mit Helm unterwegs sind, werden wach. "Wie sehr müssen die sich selbst misstrauen", sinniert der charmante Kabarettist, der schon zu Zeiten Maikäfer aß, als man vom Dschungelcamp noch gar nichts wusste, und er ahnt schon die nächste Welle: Nordic cycling, aber bitte mit Handbremse, denn Sicherheit geht vor.
Um die Jugend sorgt sich Sieber besonders, denn die muss Lösungsmittel schnüffeln, um überhaupt noch irgendwelche Matheaufgaben lösen zu können. Den aufrechten Gang schafft ein Jugendlicher allenfalls noch zum nächsten Zigarettenautomaten und wo man früher Erkältungen fürchtete, muss der rundum gepiercte Nachwuchs heute eher aufpassen, dass er nicht rostet. Also verwundert es nicht, dass der Lehreralltag heute schlimmer als ein Afghanistaneinsatz bei der Bundeswehr ist.
Doch Christoph Sieber spannt den Bogen der Skurrilitäten noch weiter: Der Fahrplan der Bahn richtet sich als Folge von Stuttgart 21 nach der Brunftzeit des Juchtenkäfers, den eine nackte Claudia Roth im Chiffonschal gleich einem ekstatischen Eichhörnchen im Schlosspark einsammelt. Deutscher Gründlichkeit verdanken wir Klarheit darüber, dass eine Dienstreise als beendet gilt, wenn der Dienstreisende stirbt. Als genialer Sprachparodist erweist sich Sieber bei Talkmeisterin Anne Will, wo Gerhard Schröder den Don Testosteron der SPD gibt und die Problemlösung am Ende im allseits bekannten, unverständlichen Kauderwelsch endet.
Derweil scheint die Republik Angela Merkel nicht mehr los zu werden. "Die ist wie ein One-Night-Stand, den man nicht rechtzeitig rausschmeißt!" Als perfekter "Gefühlsdienstleister" lässt Christoph Sieber die aufgestaute Wut des Publikums raus und beweist damit seine Spontaneität und Aktualität.
Gleichgültig, ob mit intelligentem Witz, platter Stammtischideologie oder philosophischen Attitüden – Sieber überzeugt ein rundum begeistertes Publikum von seinen vielseitigen Talenten und lässt aufhorchen, wenn er in aller Bescheidenheit am Ende Berthold Brecht zitiert: Die schönste und größte aller Künste, ist die Kunst, zu leben.

 

Südkurier 25.01.2011

Kabarettist mit spitzer Zunge

Christoph Sieber kennt bei Politikern kein Pardon. 180 Besucher beim Folktreff begeistert

Bonndorf – Der Gewinner des Baden-Württembergischen Kleinkunstpreises 2010, Christoph Sieber, hat 180 Besucher beim Folktreff Bonndorf begeistert. Die Vorschusslorbeeren auf den in Niedereschach aufgewachsenen Kabarettisten waren nicht ungerechtfertigt, wie er mit seinem Programm „Das gönn‘ ich euch“ beim Folktreff Bonndorf eindrücklich unter Beweis stellte. Die Besucher, nach dem traditionellen Neujahrsumtrunk in bester Stimmung, wurden geradezu mit unerwarteten Pointen, eine scharfzüngiger als die andere, bombardiert.

Bei Allround-Talent Christoph Sieber blieb nichts und niemand verschont. Die anfangs zurückhaltenden Folktreff-Besucher brüskierte er mit der sarkastischen Feststellung, dass Bonndorf ein humoristischer Hexenkessel sei, dessen Stimmung er allenfalls aus seiner schwäbischen Heimat kenne. Auch Politiker waren seine bevorzugten „Opfer“. Angela Merkel verglich er gar mit einem alten Gebrauchtwagen, der es trotz aller unterlassenen Inspektionen alle vier Jahre wieder durch den TÜV schafft. Endlager für Merkels verbrauchte Politiker sei übrigens in Brüssel, weiß Christoph Sieber. Grünen-Vorsitzende Claudia Roth musste dem Vergleich „eines Eichhörnchens auf Extasy“ standhalten, die nackt im Stuttgarter Schlosspark umher rennt und Juchtenkäfer aufsammelt, nach deren Brunftzeit sich der DB-Fahrplan künftig richten wird. Und überhaupt: „Wer will schon 20 Minuten früher in Ulm sein?“ stellt Sieber das Projekt „Stuttgart 21“ in Frage.

Dass er vom deutschen „Bildungsfernsehen“ nicht allzu viel hält, zeigte der spitzzüngige Bühnenkünstler mit seiner grandiosen Persiflage auf die Talkshow „Anne Will“. Gekonnt imitierte er Ex-Bundeskanzler „Don Testosteron“ Gerhard Schröder, der beweist, dass man aus Gas Kohle machen kann, den schwäbischen Müsli-Magnaten Seitenbacher oder auch den stets verzückten und weinseligen Fernsehkoch Alfred Biolek. Im zweiten Programmteil sinnierte der Kabarettist über seine ganz persönliche Vision vom Paradies und warf dabei Fragen in den Raum, wie: „Darf im Himmel geraucht werden?“ oder „Gehört Fallobst vom Baum der Erkenntnis in den Biomüll?“ Philosophisch wurde Christoph Sieber beim Zitieren von Friedrich Hölderlin, der die Zerrissenheit der Deutschen damals (1798) schon kannte. Als „Glück“ bezeichnete er, „wenn man dem Elend anderer zusehen kann“, war aber nicht sicher, ob diese Definition von Sokrates oder Otto Waalkes stammt. Pantomimisches Talent bewies Christoph Sieber beim Imitieren von Boris Beckers Tennisspiel in Zeitlupe. Für seinen authentisch inszenierten Wutanfall und die brillante Gesamtvorstellung erntete er viel Beifall vom begeisterten Publikum.

 

Badische Zeitung 12.12.2010

Frech, bissig und dennoch charmant

Guido Westerwelle scheint eine Reizfigur für Jens Neutag zu sein. Doch nicht nur der FDP-Chef, auch viele andere Politiker, Spießbürger, Wähler, Konsumenten, Freizeitsportler und Leute wie Sie und ich bekamen beim Kabarett des Folktreffs ihr Fett ab.

BONNDORF. Guido Westerwelle scheint eine Reizfigur für Jens Neutag zu sein. Hat er nun Junggesellenabschied gefeiert oder nicht, ehe er den Bund fürs Leben einging? Forderte der Standesbeamte ihn womöglich auf: "Sie dürfen den Braut jetzt küssen!"? Doch nicht nur der FDP-Chef, auch viele andere Politiker, Spießbürger, Wähler, Konsumenten, Freizeitsportler und Leute wie Sie und ich bekamen beim Kabarett des Folktreffs ihr Fett ab.

Die Rezeptur des Jens Neutag ist dabei durchaus abgewogen: Bissiger Spott und Häme gleicht er mit augenzwinkerndem Charme aus, so dass die Zuhörer der vordersten Reihe nicht ernsthaft böse sein können, dass sie auf den Kabarettisten "sarglastig" wirken. Schonungslose Aufklärung und knallharte Fakten enden in witzigen Übertreibungen bis Angela Merkel zur Lady Gaga der Uckermark und Friedrich Merz zum Hells Angels Rocker im Körper eines Versicherungsfachverkäufers geraten. Die Vorstellung, dass Roland Pofalla und Dirk Niebel sich in Merkels Magen begegnen, erklärt Neutag dergestalt: Merkel hat Niebel gefressen. Pofalla gelangte aus der anderen Richtung in das Verdauungsorgan der Kanzlerin. CSU-Politiker dagegen taugen bestens zum Spargelstechen, weil sie – ohne Rückgrat – davon keine Rückenschmerzen kriegen können. Jürgen Trittin ist das Mensch gewordene Dosenpfand, derweil Christian Wulf in einem weißrussischen Boxstall als Sandsack herhalten muss und Claudia Roths Beinbehaarung apokalyptische Vorstellungen weckt.

Menschliche Unzulänglichkeiten deckt Jens Neutag rücksichtslos auf, so dass vermutlich manch ein Zuhörer beim Vorschlag des Kabarettisten, den ehelichen Beischlaf auf die Betriebsweihnachtsfeier outzusourcen nachdenklich wird. Auch der kleine Spießbürger von nebenan wird bedient, ist es für den doch schon pure Anarchie, wenn er das Altpapier unter den Hausmüll mischt. Urkomisch zeigt sich Jens Neutag im Outfit und überzeugendem Slang eines Che Guevera, der sich darüber ereifert, sein Konterfei auf der Vorderseite von String Tangas bei H&M zu entdecken. Aus Fiedel wird da mal eben Schniedel Castro. Auch Körnerfresser und Baumumarmer kommen nicht ungeschoren davon, denn wer allen Ernstes in Tütensuppen frischen Spargel vermutet ("ist der etwa zum Aufblasen?"), der kauft sicher auch guten Gewissens nikotinfreien Apfelkorn. Die Antibiotikadosis zweier Hühnchenbrüste empfiehlt Jens Neutag gegen Grippe und topmodische Lidl-Kollektionen für die Altkleidersammlung in Usbekistan. Doku-Soaps geißelt er als Heuschreckenplage des Medienzeitalters.

Jens Neutag versteht sein Handwerk. Der Themenmix seines gesellschaftskritischen und politischen Kabaretts ist ebenso genial wie seine Bühnenpräsenz. Anspruchsvolle Gedankengänge enden in schlichten, witzigen Quintessenzen. Jens Neutag bringt neue Überlegungen ins Spiel. Der Mann hat es nicht nötig, sich althergebrachter Dauerthemen des politischen Kabaretts zu bedienen. Vielmehr präsentiert er sprachlich brillant eine frische, freche Version dieses Genres.

Da lässt er auch schon mal eine Straßenschlacht in Mannheim als Stadtverschönerungsaktion durchgehen und bewertet Eva Hermann im Vergleich mit Oskar Lafontaines Ehefrau Christa Müller als linksradikale Kampflesbe. Überhaupt scheint Oskar schon so weit links zu sein, dass er am rechten Ende des politischen Spektrums rausguckt. Sicher weiß auch er, dass sich auf hohlen Köpfen besonders gut trommeln lässt.

Dem Folktreff gelang mit Jens Neutag ein hochkarätiger Jahresabschluss, der für einige treue Besucher darüber hinaus mit einer angenehmen Überraschung endete. Ursula Spradau, Sibylle Strittmatter und Norbert Zöllner wurden für ihre Treue mit Eintrittsgutscheinen belohnt. Dorothea Olböter und Hans-Peter Hofgärtner gewannen bei der Verlosung Medienpakete der Folktreffkünstler 2010

 
Südkurier 23.11.2011

Pointen in Ass-Dur

Bonndorf – Sie sind Asse, Benedikt Zeitner und Dominik Wagner.

Der eine studiert Operngesang, der andere Opernregie, beide zusammen heißen Ass-Dur und sie waren im Bonndorfer Schloss mit ihrem Programm „1. Satz – Pesto“. Hochmusikalisch und herzerfrischend komisch nahm dieses Duo allerlei Hochgestochenes aus dem Studium aufs Korn. Während Benedikt Zeitner doziert, schläft der Studi Bededikt Wagner schier ein, beschäftigt sich ausgiebig mit seiner Nase oder fällt durch jugendliche Albernheiten auf. Zum Beispiel durch mitten in den Vortrag gestreute Kalauer vom Kaliber: „Was ist Blau und steht am Straßenrand? – Die Frostituierte!“. Die verschärfte Rüge des professoralen Konterparts bleibt nicht aus und das wiederholt dahin gemurmelte: „Ich fand's lustig“, gerät zum „running Gag“.

Seinen grotesken Fachvortrag über die „fabelhafte Bühnenfiguren im philosophisch theatralischen Wandel unter Expression der vokalen Geste in der mittleren Spätphase des frühen neokitschigen Retroamerikanismus“, garniert der Opernsänger Zeitner mit ebenso virtuosem wie schmalzigem Liebesgesang, den er eine Zuschauerin anschnauzend unterbricht mit „würden Sie mich gefälligst ankucken, wenn ich Sie verliebt ansinge!“, um sofort wieder emphatisch zu tirilieren. Auch dem Publikum gegenüber geriert sich der Musikwissenschaftler als Professor: „Ruhe, sonst schreiben Sie mir 100 Mal: ‚Hysterische Heiterkeit führt zu psychogener Impotenz'.“

Die Pointen des zauberhaft „neben der Kappe“ wirkenden Studenten (Dominik Wagner), der überdies auch zaubert, tun ihr Übriges. Vor dem Finanzamt hat er nun endgültig Ruhe, meint er, denn kürzlich sei „die letzte Mahnung“ gekommen. Erstaunt war er darüber, dass der Papst seine E-MailAdresse der ganzen Welt mitgeteilt hat: „urbi et orbi“. Freilich hat er auf seine Mail keine Antwort bekommen, „wahrscheinlich“ sinniert er, „ist sie im Spamfilter gelandet“. Überhaupt hat er so seine liebe Not mit den richtigen Verbindungen. Bei den Weightwatchers hat niemand abgenommen und als er bei Spiderman anrief, hatte der kein Netz. Wenn dieser Mann aber in die Tasten greift und das einfache „Happy Birthday“ von Beethoven, Mozart oder Tschaikowsky spielt, stimmt alles. Das große Finale: ein Medley aus allen im Programm gespielten Stücken. Zwei bis vierhändig spielen die beiden an Flügel und Kleidung bis sie sich vor den Augen aller, vom Professor-Studenten-Outfit in die Montur normaler Mitmenschen umgezogen haben.

 

Badische Zeitung 23.11.2011

 

ZWEI KÜNSTLER MIT VIELEN TALENTEN

"Ass-Dur": Genialität mit trockenem Humor

Benedikt S. Zeitner und Dominik Wagner boten mit "Ass-Dur: 1. Satz – Pesto" grandiose Unterhaltung, die sowohl für das Training der Lachmuskeln sorgte als auch in geradezu akrobatisch dargebotener Musik schwelgen ließ.

BONNDORF. Wer kennt sie nicht, die geschniegelten Weißclowns und die dummen Auguste dieser Welt, die zusammen ein einzigartiges Paar ergeben. Das begeisterte Publikum des Folktreffs konnte ein solches Paar im ausverkauften Bonndorfer Schloss bewundern. Benedikt S. Zeitner und Dominik Wagner boten mit "Ass-Dur: 1. Satz – Pesto" grandiose Unterhaltung, die sowohl für das Training der Lachmuskeln sorgte als auch in geradezu akrobatisch dargebotener Musik schwelgen ließ.

Die Rollen werden gleich zu Beginn eindeutig verteilt, wenn Zeitner die Ansage seines Partners ins Englische "übersetzt", dabei keine Möglichkeit auslassend, sich über den des Englischen nicht Mächtigen despektierlich auszulassen. Das Publikum – an diesem Abend muss speziell die in der ersten Reihe sitzende Astrid herhalten – wird gleich in die Performance mit einbezogen, und das nicht nur bei den Zaubertricks. Auch die in Musik gesetzte Geschichte der Rettung einer Katze, bei der die Zuhörer leitmotivisch eingesetzt werden, ist ein großartiger Wurf.

Herrlich kurios sind die Programmpunkte, in denen Zeitner in gestelztem Fachchinesisch Vorträge hält, während sein Partner, in Wartestellung am Klavier sitzend, sich augenscheinlich mit dem Inhalt seiner Nase beschäftigt, die Augen chamäleonhaft in alle Richtungen verdreht oder den Einwurf eines eigenen schlüpfrigen Witzes ("Was ist blau und steht am Straßenrand? – Eine Frostituierte") mit dem wiederkehrenden lakonischen Kommentar "Ich fand’s lustig" versieht. In seinem musikwissenschaftlichen Vortrag über "Es tanzt ein Biba Butzemann" als Meisterwerk frühen Minnesangs etwa, muss Zeitner ob des über die Grimassen seines Partners feixenden Publikums mit einem Strafmantra drohen, den Anwesenden gar den mit zwei ausgestreckten und drei spitz zusammengefügten Fingern dargestellten Schweigefuchs ("Mund zu, Ohren auf") zeigen. Ganz nebenbei begleitet Dominik Wagner sein Gegenüber tatsächlich kongenial am Klavier, und Zeitner demonstriert hinreißend überzogene Gesangskultur.

 

Apropos Gesangskultur: Die Musik, die diese beiden Unterhaltungskünstler bieten, ist wirklich grandios. Aus der schrägen Darstellung eines nicht über die ersten Töne hinwegkommenden, "Für Elise" übenden Klavierschülers macht der durch das Hören traumatisierte Wagner im Zuge einer Therapie einen Tango, einen Boogie und – gemeinsam mit Zeitner an der Blockflöte, einen Salsa. "Happy Birthday" wird in Form der Beethovenschen Mondscheinsonate, als pfiffiger Mozart und als schwermütiger Tschaikowsky mit dem unverwechselbaren Beginn des ersten Klavierkonzertes interpretiert, kommt aber auch als James Bond und im Kleid von Star Wars daher. Ein besonderer Leckerbissen ist auch der à la Victor Borge handgreiflich am Klavier ausgetragene Streit darüber, wer von beiden Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 2 vorspielen darf, nur noch getoppt durch die Schlussnummer, ein Medley der Musik des Abends, kombiniert mit dem Umkleiden auf offener Bühne. Womit die Beiden endgültig bewiesen haben, dass sie in allen Lebenslagen pausenlos eine gute Figur machen. 

 

Südkurier 21.09.2010

Zwischen Vamp und Mauerblümchen

Bonndorf – In den Genuss eines echten Leckerbissens kamen die Kleinkunstliebhaber beim Auftritt der Kölner Kabarettistin Nessi Tausendschön, den man sicher als einen der Höhepunkte in der Veranstaltungsreihe des Folktreffs bezeichnen kann. Auch bei dieser Vorstellung war das Foyer der Bonndorfer Stadthalle wieder voll besetzt, was zeigt, dass die Verantwortlichen mit ihrem anspruchsvollen Programm den Geschmack des Publikums treffen.Vielen Besuchern war die Kabarettistin schon aus zahlreichen TV-Auftritten bekannt, aber auch den anderen wurde bald klar, dass sie für ein „paar lumpige Euro“ in den Genuss einer echten „Konifere“ des anspruchsvollen Kabaretts kamen.

Für ein Vorher-Nachher-Foto wurde das Publikum gebeten, doch bitte hübsche Gesichter zu machen. Genau drei Witze wollte sie in ihr Programm einbauen, tatsächlich folgte jedoch ein Gag dem anderen. Nessi Tausendschön, klärte auf, dass „praktizierter Frustschutz ein Abhärten gegen Sorgen, Seelennässe und depressives Dahindämmern ist. Das ist Lachen, wenn es nichts zu lachen gibt“ und führt als Beispiel die Italiener an, denen das Lachen trotz Berlusconi noch immer nicht vergangen ist.

Ihren Bühnenpartner, den kanadischen Gitarristen und Komiker William Mc Kenzie, hat Nessie Tausendschön angeblich erst auf dem Weg nach Bonndorf („eine kleine Stadt neben Ewattingen“) aufgegabelt. In Wahrheit ist es ihr Lebenspartner und die beiden ergänzen sich auf der Bühne optimal. Sie verstehen es, Musik und Kabarett genial zu vereinen, wobei Nessis variantenreiche Stimme durch diverse Instrumente, wie Gitarren, Theremin, Glockenspiel und eine singende Säge noch stärker betont wird. Bevorzugte Tonarten sind jedenfalls „Biss-Dur“ und „Schiss-Moll“.

Obwohl es laut einer kanadischen Studie keine Frühlingsgefühle gibt, besingt die Künstlerin diese im Lied „Eisprung“. Der zuweilen frivole Liedtext wird von Stöhnen und lasziven Bewegungen begleitet. Scham gehört eindeutig nicht in ihr Repertoire und gerade deshalb scheint das Publikum begeistert. Aus ihrer Biographie „Es kann nur einen geben“ stülpt sie dem Publikum Lyrik auf, lässt es die Endungen erraten, die sich auf „-urzen“, „-iften“ und“-icken“ reimen, um dann lauthals „falsch“, oder „das war ja nun wirklich einfach“ ins Publikum zu brüllen.

Als Höhepunkt des verbalen Ausdrucks kann Nessi Tausendschöns Einlage als Sportmoderatorin bezeichnet werden, mit der sie bereits im TV bei „Oliver Pocher“ und „Harald Schmidt“ zu Gast war. Bei den „verschrumpelten Bonndorfern“ wollten die Lachsalven kaum abebben, als die Vollblut-Entertainerin unglaublich einfallsreich und eloquent über die „Deutsche Meisterschaft im Kunstvögeln“ berichtete. Nach der Pause kam dann sogar Besuch aus dem Himmel. Frau Tausendschöns leicht angetrunkener Schutzengel wusste Amüsantes von ihren Kollegen zu berichten. Der Schutzengel von Horst Seehofer beispielsweise sei zum zweiten Mal schwanger und der von Guido Westerwelle hätte ein Arschgeweih. Am schlimmsten hätte es jedoch den Schutzengel der SPD getroffen, denn dieser sei am linken Flügel amputiert. Als Zugabe gab es schließlich ein Lied „auf kyrillisch“, den versprochenen dritten Witz und jede Menge begeisterten Applaus für das geniale Bühnenspektakel.

 

Badische Zeitung 20.09.2010

Skurrile Wortschöpfungen mit Witz

Nessi Tausendschön und William Mackenzie begeisterten Publikum beim Folktreff in Bonndorf / Auftaktveranstaltung im Herbst.

BONNDORF. Nessi Tausendschön steht für Kleinkunst allererster Klasse – dies bewies die mit vielen namhaften Preisen dekorierte Künstlerin gemeinsam mit dem kanadischen Gitarristen William Mackenzie bei der Auftaktveranstaltung des Folktreffs zu einem abwechslungsreichen Herbstprogramm.

Die Frau ist wie ein Chamäleon, zündet sie doch in atemberaubendem Tempo ein Feuerwerk an Charakteren, Themen, Stimmungen, Mimik oder Gestik ab. Sie überzeugt sowohl als Schauspielerin, Sängerin wie auch als Tänzerin. Ihr scheinbar spielerischer Umgang mit der Sprache ist mit intelligentem Witz gespickt und zeigt auf, wie gut sie sich auf ihr Handwerk versteht. Sie bombardiert das Publikum förmlich mit ständig neuen, skurrilen Wortschöpfungen über Dauer-, Nacht- oder Beckenbodenfrust, füllt es mit lyrisch autobiografischem Poem ab, um sodann die Lachsorten der Zuschauer zu bewerten.

Als Konifere des Ausdruckstanzes tanzt sie Missgunst und Löschblatt besonders gut. Dem Publikum rät sie: "Werden Sie wie die Italiener. Die haben Berlusconi und lachen immer noch!" Schon im nächsten Augenblick brüllt sie in verblüffender Spontaneität wie ein Löwe und weist vorlaute Zuhörer unmissverständlich auf die mittig und erhöht stehende Priorität im hautengen roten Kleid hin, das übrigens ruckzuck als Haarband anderweitige Verwendung findet. Mit ihrer Kompetenz auf dem Gebiet des depressiven Trauergesangs bekennt Nessi Tausendschön, schon ganze Landstriche verwüstet zu haben, wobei es die fein- und ebenso hintersinnigen Texte ihrer Chansons ganz schön in sich haben, egal ob diese in Engelstonart C-Dur, Schiss-Moll oder Biss-Dur daherkommen.

In einer wortgewaltigen Sportreportage berichtet das Multitalent von nicht ganz jugendfreien olympischen Disziplinen mit fein gezwirbelten Hüftzangen oder eingegrätschtem Schenkelkippen. "Hat die Frau so was nötig", fragt man sich da. "Nein, aber es macht ihr Freude!" Da fügt es sich doch prächtig, dass Menschen mit Charakterproblemen einen Schutzengel brauchen, wobei Horst Seehofers Schutzengel schon zum zweiten Mal schwanger ist und der von Guido Westerwelle ein Arschgeweih trägt - raten Sie mal wo.

Nessi Tausendschön greift als Engel gern zur Flasche und macht mit ihrer Betroffenheitslyrik einem kindlichen Trotzkopf alle Ehre, ehe sie nach ihrem Motivationskurs selbstsicheres Auftreten bei totaler Unzulänglichkeit an den Tag legt. "Ich bin aus Siegersamen entstanden" – ja, das glaubt man diesem Tausendsassa mit gelebter Stutenbissigkeit auf der Suche nach einem potentiellen Heiratskandidaten ohne weiteres. Sie will Freude in die verschrumpelten Herzen der Bonndorfer bringen, aber doch wieder nicht so viel, dass diese nicht mehr in ihre Wohnungen oder Erdlöcher zurückkehren wollen.

Unumwunden fragt sie: "Was hatten Sie sich denn vorgestellt für Ihre lumpigen zwölf Euro?", um dann mit weiteren wunderschönen Liedern auf deutsch, englisch, russisch oder in eigenwilligem Sprachen-Mix zu überzeugen, untermalt von der singenden Säge oder dem Theremin, einem Instrument, das ohne Berührung Töne erzeugt.

Mit umwerfendem Charme vereinnahmte Nessi Tausendschön ein begeistertes Publikum, ohne wenn und aber. William Mackenzie ergänzte die exzellente Bühnenshow mit brillantem Gitarrenspiel. Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer hatte für die Besucher ein weiteres Bonbon: das druckfrische Jahresprogramm für 2011.
  

 
Badische Zeitung 10.05.2010

Italo-Schwabe haut auf den Putz

"Im Auftrag des Paten" gelang es dem Comedian Roberto Capitoni im Handumdrehen, die Zuschauer im Folktreff zu begeistern.

BONNDORF. Gute Comedy zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass allein mittels professionellen Minenspiels, sprachlicher Raffinesse und guter Bühnenperformance selbst alt bekannte Kalauer und gängige Klischees ein Publikum zu begeistern vermögen. Just auf diese Weise gelang es Roberto Capitoni bei der jüngsten Folktreffveranstaltung im Handumdrehen, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und eins ums andere Mal Lachsalven auszulösen.

Der schwäbisch-italienische Comedian aus Isny im Allgäu wob seine Pointen um den spannungsgeladenen Transport eines Teppichs mit ominösem Inhalt vom Allgäu nach Palermo. Allgegenwärtig bei dieser Tour im altersschwachen Fiat Cinquecento: Onkel Luigi, die latente Bedrohung, Betonschuhe verpasst zu bekommen und der Tipp: "Lass es wie ein Unfall aussehen!" Dieser rote Faden bot Capitoni reichlich Gelegenheit, manifestierte Vorurteile gegen italienisches Improvisationsvermögen zu untermauern. Wobei genau hierzu Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer gleich eingangs eine köstliche Begebenheit aus ihrer eigenen Italienzeit zum Besten gab. Derweil sinnierte Roberto darüber, weshalb in Deutschland Routenplaner meist gesuchter Begriff bei Google ist, in Italien hingegen Sex. Was den Italienern der Gruppensex, ist den Deutschen also der Kreisverkehr – so die konsequente Schlussfolgerung. Dass zwei fehlende Finger beim Italiener eine Sprachbehinderung bedeuten, erklärt Capitoni damit, dass dieser nur zu 50 Prozent mit dem Mund spricht. Die anderen 50 Prozent werden mittels lebhaften Einsatzes beider Hände erledigt. Auf alle Fälle macht er in jeder Situation "bella figura", immer schön locker aus der Hüfte heraus.

Und schon war das nächste Stichwort gegeben, nämlich die Figur der italienischen Mamas, die neben den im Durchschnitt 1,94 Meter großen deutschen Frauen selbst auf High Heels mit kaum mehr als 1,12 Meter wie Pygmäen daher kommen. Nachvollziehbar schilderte der Comedian, weshalb italienische Männer in derart hohen Tonlagen sprechen, worauf hier jedoch nicht im Detail eingegangen wird, um schon im nächsten Moment über traumatisierende Kindheitserlebnisse wie seine Angst vor Isny (Iss-nie) oder die Fahrt im völlig überfüllten Auto als Wackeldackel auf der Hutablage zu kommentieren. Urkomisch geriet Capitonis Demonstration über das zeitweilige Aussetzen des Sprachzentrums angesichts hübscher Frauen sowie seine Erklärung, warum Frauenfilme für Männer langweilig sind. Witziges Sprachtalent bewies der Halbitaliener nicht nur im allgegenwärtigen Italo-Deutsch, sondern auch bei der Imitation sächsischer Italientouristen, wenn diese "Dschiabadda" oder "Knödschies mit Görgönzölasösö" ordern.

Frei von intellektuellen Ansprüchen vermag diese Blödelei das Publikum durchaus zu begeistern, geraten bei Roberto Capitoni doch selbst einfältige Witze mittels frappierender Mimik, Charme und professioneller Sprachkunst zum Clou, so wie auch sein bedrohlich wirkendes Augenrollen ziemlich einmalig sein dürfte. Dass das Foyer erneut voll besetzt war zeigt, dass Comedy im breit aufgestellten Programm der Kleinkunstinitiative einen berechtigten Platz hat.

 

Südkurier 28.04.2010

Drei Bayern rocken Bonndorf

Bonndorf – Ausgelassene Stimmung und beste Feierlaune verströmte die Band „acoustic revolution“ jüngst im Gasthaus Schnitzer, wobei die Wirtsleute Tom und Diana Bauer ihre Pforten an diesem Abend nur für Folktreffmitglieder öffneten. Die drei Jungs aus dem Bayerischen heizten von Anfang an mit ihrem rockigen Celtic-Folk sage und schreibe 84 Mitgliedern des Folktreff kräftig ein, was für einen Verein mit etwas mehr als 100 Mitgliedern durchaus bemerkenswert ist.Statt eines Vereinsausflugs hat der Folktreff seinen Mitgliedern diese Sonderveranstaltung beschert, was ihm glatt zehn neue Mitglieder einbrachte.

Die Band hatte nämlich sogar ihre nagelneue CD „Ramle & Roam“ mit im Gepäck und die Bonndorfer Konzertbesucher waren damit exklusiv die ersten, die sie erwerben konnten. Aber auch viele Lieder ihrer ersten CD bereicherten den Abend.

Der Funke sprang schon bei den ersten Klängen des Songs „The Abyss of Greed“ über, was sowohl an der mitreißenden Art der Vollblutmusiker lag, als auch an der räumlichen Nähe zum Publikum. Dennis Hornung begeisterte mit einer Stimme, die Volumen in hohen als auch in tiefen Stimmlagen bewies. Germar Thiele hatte trotz beachtlichen Volumens die kleine Mandoline voll im Griff und Tom Logan spielte den Kontrabass wie wohl sonst kaum einer. Die Folktreffmitglieder feierten, klatschten und tanzten begeistert.

Nach zweieinhalb Stunden bester Unterhaltung forderte das Publikum Zugaben, die Tom, Germar und Dennis bereitwillig spielten, denn es war zu spüren, dass den Musikern der Abend genauso viel Spaß machte wie den Zuhörern. Gegen Mitternacht endete das Konzert schließlich, die Party jedoch noch lange nicht.

 

Südkurier 20.04.2010

Dresdner Medlz rocken Bonndorf

A-Cappella Band mit tollem Konzert. Folktreff-Veranstaltung in Bonndorf ausverkauft

Bonndorf – Lange Schlangen am Eingang der Stadthalle zeugten vom übergroßen Interesse am Konzert der Dresdener A-capella-Band „Medlz“. Glücklich war, wer eine Eintrittskarte im Vorverkauf erworben oder wenigstens reserviert hatte. Petra Kaiser von der Touristinformation Bonndorf, die den Vorverkauf regelte, bestätigte: „Wir hätten die Karten für jeden Preis verkaufen können.“

230 zahlende Konzertbesucher ließen das Foyer schließlich fast aus allen Nähten platzen. Die frechen, selbstbewussten Texte der „Medlz“ stammen überwiegend aus eigener Feder. Sie sind mitten aus dem Leben gegriffen und es lauern keine tiefsinnigen Botschaften dahinter. „Sag' mal, gibt's dich auch in Schön? Sag' mal, gibt's dich auch in Nett? Sag' mal, gibt's dich auch in Klug? Ich hab' echt von dir genug!“, lauten sie etwa. Fast alle Konzerttitel wie: „Entspann dich“, „Sex am Telefon“, „Unser Jahr“ stammen aus der aktuellen CD „Aufgetaucht“.

Aber auch mit Pop-Klassikern wie „Toxic“ oder einem Medley aus „We will rock you“ (Queen), „They don't are about us“ (Michael Jackson) und „Rock me Amadeus“ (Falco) punkteten die stimmgewaltigen Sängerinnen. Die „Medlz“ – Bine, Lydia, Mary, Nelly und Silli sangen bereits im Kindesalter im philharmonischen Kinderchor Dresden. Durch ihre „jahrzehntelang“ Zusammenarbeit, die sich auf eine klassische Gesangsausbildung stützt, gelingt dem Quintett ein perfektes stimmliches Zusammenspiel.

Trotzdem bleibt jeder Sängerin genügend Freiraum, eigene Stärke zu betonen. Mit Ausnahme eines Cajuns verzichten die „Medlz“ auf Instrumentalbegleitung – selbst der Bass ist mundgemacht. Doch nicht nur akustisch, auch optisch sind die fünf charmanten Dresdenerinnen äußerst attraktiv. Kein Wunder also, dass es solche eingefleischten Fans wie Jürgen Goy aus der Nähe von Aachen in Nordrhein-Westfalen gibt. In Bonndorf besuchte er sein 45. „Medlz“-Konzert. Als wahrer Kenner der Band meinte er: „Es war ein ganz besonderes Publikum und eine einzigartige Stimmung bei diesem Konzert.“

 

Badische Zeitung 15.04.2010

Medlz haben den Bogen raus

Vollkommen ausverkauft war die Folktreffveranstaltung am Freitagabend im Foyer der Stadthalle. Mit viel Witz und Charme rissen die fünf jungen Dresdnerinnen der à-cappella-Popband "Medlz" ihr Publikum mit.

BONNDORF. Vollkommen ausverkauft war die Folktreffveranstaltung am Freitagabend im Foyer der Stadthalle. Mit viel Witz und Charme rissen die fünf jungen Dresdnerinnen der à-cappella-Popband "Medlz" ihr Publikum mit. Egal ob jung, ob alt; hier war für Jeden etwas dabei.

"Hallo Bonndorf!" lautete ihr Begrüßungsruf, der sofort von einigen "Medlz-Kennern" mit "Hallo Medlz!" erwidert wurde. Auf diese Art und Weise wurde das Publikum zwischendurch immer mal wieder in das Programm mit einbezogen. Kurzerhand teilten die Künstlerinnen ihre Gäste in drei Gruppen ein, von denen jede einen extra Teil zu singen bekam und voller Begeisterung den vorgegebenen Text zum Besten gab. Die Medlz waren sich sofort einig: Bonndorf ist ein super Publikum, die bekommen das schon ganz ohne Bine, Nelly, Mary, Silli und Lydia hin. Doch die Bonndorfer ließen die Sängerinnen natürlich nicht gehen, was es auf gar keinen Fall zu bereuen galt. Sowohl eigene Kompositionen als auch gecoverte Songs bekannter Interpreten wurden von den fünf flotten Damen zum Besten gegeben. Unter anderem gab es hier "We will rock you” von Queen, Britney Spears’ "Toxic” und "Mercy” von Duffy zu hören. Auch ihre eigenen Titel, wie "Mein Hund ist schwul", "Unser Jahr" und "aufgetaucht", kamen beim Publikum bestens an. In ihren eigenen Songs beschäftigen sich die Medlz überwiegend mit Liebe im allgemeinen, mit heimlichen Beziehungen und Sex. Mal bekommen die Lieder eine humorvolle Note, mal eine besinnliche, mal bringen sie richtigen Schwung in die Bude.

Hin und wieder griffen die Medlz zu einem Keyboard oder einem Cajòn (Schlagzeug) als Begleitung, größtenteils wurden sie aber ihrem Anspruch als à-cappella-Popband gerecht. Und ganz ehrlich: Auf Instrumente können die fünf ausgebildeten Sängerinnen gut verzichten. Guter Sound, Melodie und Rhythmus – all das meistern die Medlz allein mit ihren Stimmen. Hinzu kommt eine hervorragende Bühnenperformance, wobei die fünf Medlz auch immer wieder mit ihrem Publikum flirten.

Mittlerweile nehmen die Künstlerinnen ihre CDs in ihrem eigenen Tonstudio in Dresden auf. Im letzten Jahr gründeten sie ihr eigenes Label und brachten gleich zwei Alben raus. Auf ihrem aktuellen Album "aufgetaucht" befinden sich nur eigene Kompositionen und auch jetzt sind die Medlz wieder dabei, ein neues Album zu produzieren. Wer sich Autogramme der Künstlerinnen ergattern, oder ein eigenes Foto mit ihnen schießen wollte, der hatte am Freitagabend die Gelegenheit dazu.

Einen runden Abschluss bekam das Konzert, indem es mit dem gleichen Lied beendet wurde, mit dem es auch begonnen hatte. Doch selbst nach zwei Zugaben wollte das Publikum die Stars des Abends noch nicht gehen lassen und mit Standing Ovations gelang es ihm, die Medlz zu einem weitern Stück zu "überreden". Hier wurde nun noch die eigene Interpretation von Beethovens "Ode an die Freude" zum Besten gegeben, womit die Medlz wieder auf ihr Zusammenfinden im Philharmonischen Kinderchor Dresden im Jahre 1996 Bezug nahmen. Das Gastspiel der Medlz im Folktreff dürfte vielen noch lange als echter Höhepunkt in Erinnerung bleiben.

Wer mehr über die Band, die Medlz selbst und ihre bevorstehende Weihnachtstour am Ende des Jahres durch Deutschland erfahren möchte, kann sich unter
http://www.medlz.de informieren.

Südkurier 22.03.2010

Dieser Blues lässt keinen kalt

Bonndorf – Stimmungsvolle Blues-Akkorde und einfühlsame Gospelsongs ertönten beim Auftritt des schwäbisch-pfälzischen Duos „Making Blues“ im Foyer der Stadthalle. Albert Koch und Ignaz Netzer zogen die Bonndorfer Blues-Liebhaber auf Anhieb in ihren Bann.

Die Musik ging direkt ins Blut, so dass das Publikum den ganzen Abend begeistert mitklatschte, mit den Fingern schnipste und mitsang.

Bei „Making Blues“ ist der Name Programm. Es wurde Blues in vielen Variationen geboten, wobei die Texte immer von „Liebeskummer, Pleiten oder beidem zusammen handeln“, wie Albert Koch ironisch anmerkte. Die mitreißende Darbietung der beiden charismatischen Musiker lebte auch von lockeren Sprüchen und Anekdoten.

Mit neu arrangierten Coversongs, darunter „Summertime“ und „Bobby McGee“, begeisterte das Duo genau so wie mit Eigenkompositionen. Nachhaltig beeindruckte das sozialkritische Stück „Brown Monkeys“, zu dessen Entstehung Ignaz Netzer durch drei Neonazis mit dem „IQ einer Bachforelle“ inspiriert wurde. Ignaz Netzer ist mit einer Stimme gesegnet, die kaum „schwärzer“ und bluesiger klingen könnte. Auch auf der Gitarre und der Mundharmonika ist er ein Meister. Doch Band-Kollege Albert Koch steht seinem Partner in nichts nach und erzeugt auf seiner Mundharmonika Klänge, die manchmal unglaublich sanft, dann aber wieder voluminös wie ein Orchester anmuten.

Während bei tiefsinnigen Balladen aufmerksame Stille herrschte, war das Publikum bei den typischen Blues-Rhythmen nicht zu halten. Bereits 1998 schlossen sich Albert Koch und Ignaz Netzer zu „Making Blues“ zusammen. Durch die lange gemeinsame Erfahrung gelingt ihnen ein perfektes Zusammenspiel. Trotzdem lässt jeder dem anderen genügend Spielraum, um die eigenen Stärken zu demonstrieren. Auch als Solokünstler oder in anderen Bands sind die beiden erfolgreich. Bei ihrem Auftritt im Folktreff überzeugten das Duo dermaßen, dass man sich manchmal eher auf einem Baumwollfeld im Süden der USA als in der Bonndorfer Stadthalle wähnte.

 

Badische Zeitung  21.03.2010

Eine Stimme, zwei Instrumente

Ignaz Netzer und Albert Koch starteten in den jüngsten Folktreff, und zwar unter der Devise "Making Blues". Dem Publikum ging es angesichts dieser beiden herausragenden Musiker mehr als gut, bekommt man doch nicht oft derart gute Musik zu hören.

"Bonndorf, tell me – how are you?" Mit dieser freundlichen Aufforderung starteten Ignaz Netzer und Albert Koch in den jüngsten Folktreff, und zwar unter der Devise "Making Blues". Bonndorf ging es angesichts dieser beiden herausragenden Musiker in der Tat mehr als gut, bekommt man doch nicht oft derart gute Musik zu hören.

Blues hört sich vordergründig schlicht an, reichen doch Gitarre, Mundharmonika und Gesang für die Ur-Besetzung. Auch die Botschaften der Songs scheinen thematisch eng begrenzt, fängt der klassische Blues doch mit "I woke up this morning" an, um sich sodann im Wesentlichen drei Themen zu widmen: dem Verlassenwerden, dem Verlustes sämtlicher monetärer Mittel, oder – als "worst case scenario" – dem gleichzeitigen Verlust von Weib, Auto und Geld bei leerem Kühl- und Kleiderschrank. Eine solch desaströse Situation kann nur noch im Blues Ausdruck finden.

Was indes Ignaz Netzer und Albert Koch aus diesem scheinbar schlichten Grundmix zuwege bringen, sucht seinesgleichen. Zum einen ist das Gitarrenspiel von Ignaz Netzer kaum zu überbieten, sei es hinsichtlich der Präzision, des Ausdrucks, der Rhythmik oder der Klangfülle. Albert Koch an der Mundharmonika, besser gesagt an 22 unterschiedlichen Harmonikas und zeitweilig sogar zweien gleichzeitig, steht dem in rein gar nichts nach. Die Intensität, mit der beide Musiker ihre Instrumente beherrschen – oder sollte man eher sagen liebkosen? – dürfte nahezu unübertroffen sein. Professionell wechselt das Duo die Programmfolge und nimmt das hingerissene Publikum eins ums andere mal mit auf eine abenteuerliche musikalische Reise in die Neue Welt. Die Gesangsqualität des Duos steht der herausragenden Performance an den Instrumenten in nichts nach, vor allem Ignaz Netzer entführt mit seinem rauchigen Timbre in die Saloons des mittleren Westens. Herausragend interpretiert das Duo "Summertime" aus George Gershwins Porgy and Bess oder auch die legendäre Janis Joplin mit "Me and Bobby Mcgee". Die beiden schaffen unplugged mehr Soundeffekt als manch große Band und begeistern mit ihren exzellenten Improvisationen. Jeder Song bekommt hier seine individuelle Note.

Großen Raum nehmen eigene Lieder ein, die zuweilen einer politischen Aussage nicht entbehren, etwa "Brown Monkeys". In "Corinna", "Walk on", "Harp Boogie", "Walking Blues" oder "Hey Baby" treten die vielfältigen Facetten des Blues zutage. Bei "Talk to me baby" lassen sich die Zuhörer nicht zweimal zum Mitsingen auffordern, wie diese überhaupt viele Songs unvermittelt mitschnipsen, -klatschen oder -singen.

Nur höchst ungern entlassen sie die beiden Musiker nach einem packenden Konzert. Dass das Stadthallenfoyer bei dieser herausragenden Musik nicht ganz so voll besetzt ist, wie bei anderen Folktreffveranstaltungen, tut der Stimmung absolut keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Atmosphäre ist fast schon intim, es hat beinahe etwas Elitäres, dabei sein zu dürfen.

 

Südkurier 02.03.2010

Heiße Rhythmen animieren zum Tanzen

Lebenslust, Freude und sonnige Gefühle, trotz noch winterlicher Temperaturen draußen, zauberten die Reggae-Musiker von Nyabinghia am Freitagabend auf Einladung des Folktreffs ins Foyer der Stadthalle. Die Veranstalter unterstützten mit passendem Cuba Libre an der Bar und so gelang es der Gruppe auf Anhieb, sich mit ihrer authentischen Reggae-Musik direkt in die Herzen der Gäste zu spielen.

Von Anfang an wippten und tanzten sie mit, ganz dem Bandmotto entsprechend, „vergesst eure Sorgen und tanzt“.

Der in Togo geborenen Sänger und Gitarristen Senah Gbessaya alias „Iron Leo“ gründete Nyabinghia 2004. Mit dabei sind Kay Wegner (Keyboard, Gesang), Andreas Jessat (Bass) und am Schlagzeug der Brasilianer Tito Araújo.

Die vier sind absolut souveräne Vollblutmusiker und „Showman“ Leo spielte seine E-Gitarre zeitweise sogar mit den Zähnen. Coversongs des Band-Idols Bob Marley wie „Exodus“, „No woman, no cry“, „I shot the Sheriff“ gehörten genauso zum Repertoire wie eingängige Eigenkompositionen. Die Songs handeln von den typischen Rastafari-Themen wie Freiheit, Unabhängigkeit, Toleranz und Frieden. Viele der eigenen Lieder stammen aus der aktuellen CD „Dreams Reloaded“ und beweisen, dass Reggae keine Sprachgrenzen hat, das funktioniert in afrikanischer, englischer, französischer und deutscher Sprache. Als Reggae klingt selbst ein Titel wie „Regentropfen“ nach Sonne. Einige Lieder, wie „Rebel in Zion“ oder „Torpido“ sind unverkennbar vom Ska Rhythmus geprägt, der seinen Ursprung übrigens nicht in England sondern in Jamaika hat. Die Jungs von „Nyabinghia“ wirkten keine Minute müde, hüpften, tanzten, strahlten unentwegt und zum Abschluss überraschten sie noch mit ihrer ganz eigenen Interpretation des Jimi-Hendrix-Klassikers „Hey Joe“. Als Zugabe zelebrierte die Band „Are you ready“ und bezog das Publikum ein. Mit ihrem Konzert ist es der Band gelungen für zweieinhalb Stunden Lebensfreude nach Bonndorf zu holen.

 

Badische Zeitung 01.03.2010

Nicht nur Musik, auch Lebensgefühl

Reggaeband "Nyabinghia" heizt im Folktreff kräftig ein / Spielfreude der Musiker schwappt schnell aufs Publikum über.

"Vergesst eure Sorgen und tanzt." Mit diesen Worten kündigte sich die Reggaeband "Nyabinghia" beim Bonndorfer Folktreff an. In der Tat konnte man beim mitreißenden Sound der vier Musiker die Sorgen vergessen und mit ihnen auch die anhaltende Winterkälte im Schwarzwald. "Nyabinghia" heizten dem Publikum nämlich mächtig ein, mit Reggae, Rock, Funk, Ska oder auch Hip-Hop.Die meisten Songs sind Eigenkreationen und finden sich auf der neuesten CD der Band wieder, aber natürlich fehlte auch Reggae-Idol Bob Marley nicht im Repertoire. Dieser hätte seine wahre Freude gehabt an der Art, wie die vier Jungs aus Rostock seine Welthits "No woman no cry" oder "I shot the Sheriff" interpretierten – die Reaktionen des Publikums jedenfalls waren eindeutig nicht zu toppen.
Begeisternd war auch die Spielfreude von Frontmann Iron Leo, Bassist Andreas Jessat, Schlagzeuger Tito Aranjo und Pianist Kay Wegner, die um die Wette zu strahlen schienen, hüpften, tanzten, wippten und damit eben nicht nur Musik machten, sondern von der Bühne aus ein neues Lebensgefühl rüberbrachten. Anders formuliert: Die Jungs zeigten einfach eine geniale Bühnenpräsenz. Der Funke ins Publikum sprang gleich über, schon nach wenigen Liedern hielt es viele nicht mehr auf den Plätzen – sofern sie überhaupt einen hatten –, Tanzbeine wurden geschwungen und der Aufforderung zum Mitsingen nur allzu gerne gefolgt. Iron Leo und seine Band nahmen das Publikum mit auf einen Trip in ihre Philosophie, die ebenso Toleranz wie Zivilcourage oder das Eingestehen begangener Fehler fordert. Allerdings hört die Toleranz beim Terrorismus auf, wenn im Namen der Religion getötet wird, stellte Leo klar. "Change your life", "Man no run", "Get up", "Babylon” oder "Rebel in Zion" sprechen allein schon vom Titel her für sich. "Regentropfen" dürfte so ziemlich der einzige deutschsprachige Reggae sein und wer die Hautfarbe von Frontmann Leo oder Schlagzeuger Tito berücksichtigt, den verwundert es nicht, dass der Titel so lautet.

 
Südkurier  26.01.2010

Auf der Suche nach Entschleunigung

Am Freitagabend begab sich beim Bonndorfer Folktreff der österreichische Kabarettist Werner Brix als gestresster Manager auf die Suche nach Entschleunigung. „Allein im Megaplexx“ heißt sein Soloprogramm, das er im vollbesetzten Foyer der Stadthalle aufführte und für welches er 2005 mit dem Salzburger Radio-Kabarett-Preis „Salzburger Stier“ ausgezeichnet wurde. Zahlreiche weitere Kleinkunst-Preise und Fernsehproduktionen („Kommissar Rex“ und „Stockinger“) machten den Künstler bekannt.

Ganz allein agierte der Künstler auf der Bühne und vermittelte trotzdem die Illusion, als hielte er Zwiesprache mit einem unsichtbaren Therapeuten, dessen Rolle das Publikum einnahm. Sein Programm ist die grandiose Abrechnung mit dem schnellen und oberflächlichen Zeitgeist. Als hyperaktiver Manager wird er quasi zum Patienten wider Willen, der ständig behauptet, dass mit ihm alles in bester Ordnung sei. Ja, dass Stress sein Lebenselixier, erwiesenermaßen sogar gesund sei und sich konstruktiv auf ihn auswirke. Keine ruhige Minute gibt es für den Workaholic, es sei denn, der Akku gibt seinen Geist auf.

Und so klingelt auch während seiner Therapiestunde ständig das Handy. Völlig entnervt wimmelt er seine Mutter ab, gibt seinem Angestellten Instruktionen bei Computerproblemen oder rezitiert für seine intelligente sechsjährige Tochter skurrile Dada-Gedichte zum Einschlafen.

Der Tagesablauf des ständig unter Druck stehenden, erfolgreichen Managers ist natürlich minutiös geplant und lässt ihm rein rechnerisch gerade einmal 1,24 Pinkelpausen pro Tag. Da kann auch schon mal was danebengehen, wenn die Toilette zu weit entfernt war. Glücklicherweise kennt er zahlreiche Methoden, um Zeit einzusparen. Dafür hat der pfiffige Manager eine Software namens „Pinkel-Spy“ erfunden, die nach Lücken im Organizer sucht.

Auch beim Kochen und Essen spart er wichtige Zeit, indem er auf Instant-Fertiggerichte mit den wertvollen „Vitaminen“ E621 und E637 zugreift. Mit dem Strohhalm „gegessen“, bleiben die Hände frei zum Arbeiten. Schnelligkeit ist für ihn eine Frage des Images und ein Urtrieb. Er ist froh, dass die heutige Jugend multitasking-fähig ist und beim Schreiben von SMS-Nachrichten keine wertvolle Zeit verliert. Die frustrierten Franzosen hingegen verschwenden beispielsweise für ein einziges „O“ ganze 4 Buchstaben wie er anhand des Wortes „Bordeaux“ verdeutlichte.

Zuweilen schnell, wie aus einem Maschinengewehr kommen die Pointen des großartigen Kabarettisten, die scheinbar nie enden und das Publikum nonstop zum Lachen bringen. Eine vom Therapeuten verordnete fünfminütige Sprechpause wird für Brix zur reinsten Tortur und er gerät völlig aus der Fassung. Der eigentlich coole Yuppie schlägt um sich, zuckt, kratzt und rauft sich die Haare. Überhaupt lebt Werner Brix Auftritt von seiner genialen Schauspielkunst, die er gekonnt mischt mit einzigartiger Mimik und Gestik. Ein Übriges tut der liebenswerte Original Wiener „Schmäh“ Dialekt.

Der Zusammenbruch ist vorprogrammiert und ausgerechnet in der Drehtür des Einkaufszentrums „Megaplexx“ muss er eine Vollbremsung machen und sich von allen seinen Idealen verabschieden. „Bisher habe ich nur an die Kraft von Geschirrspülertabs geglaubt“, verrät der Zeitfreak. Doch auf einmal sieht er sich Gott gegenüber und sinniert über ein Leben in Anarchie. Nach seiner Erleuchtung ist „Entschleunigung“ das neue Lebensmotto. Plötzlich ist er relaxt, wie ausgewechselt und legt auch dem Publikum dringend „Entschleunigung“ ans Herz.

Mit verblüffender Authentizität, einer gehörigen Portion Schalk und seinem unglaublich komödiantischen Talent machte Werner Brix den Auftritt beim Folktreff zu einem echten Highlight.

 

Badische Zeitung 26.01.2010

Publikum wird zum Psychiater

BONNDORF. Am Freitagabend begab sich beim Bonndorfer Folktreff der österreichische Kabarettist Werner Brix als gestresster Manager auf die Suche nach Entschleunigung. "Allein im Megaplexx" heißt sein Soloprogramm, das er im voll besetzten Foyer der Stadthalle aufführte und für das er 2005 mit dem Salzburger Radio-Kabarett-Preis "Salzburger Stier" ausgezeichnet wurde. Zahlreiche weitere Kleinkunst-Preise und Fernsehproduktionen ("Kommissar Rex" und "Stockinger") machten den Künstler bekannt.

Ganz allein agierte der Künstler auf der Bühne und vermittelte trotzdem die Illusion als hielte er Zwiesprache mit einem unsichtbaren Therapeuten, dessen Rolle das Publikum einnahm. Sein Programm ist die grandiose Abrechnung mit dem schnellen und oberflächlichen Zeitgeist. Als hyperaktiver Manager wird er quasi zum Patienten wider Willen, der ständig behauptet, dass mit ihm alles in bester Ordnung sei. Ja, dass Stress sein Lebenselixier, erwiesenermaßen sogar gesund sei und sich konstruktiv auf ihn auswirke. Keine ruhige Minute gibt es für den Workaholic, es sei denn, der Akku gibt seinen Geist auf. Und so klingelt auch während seiner Therapiestunde ständig das Handy. Völlig entnervt wimmelt er seine Mutter ab, gibt seinem Angestellten Instruktionen bei Computerproblemen oder rezitiert für seine intellektuelle sechsjährige Tochter skurrile Dada-Gedichte zum Einschlafen. Der Tagesablauf des ständig unter Druck stehenden, erfolgreichen Managers ist natürlich minutiös geplant und lässt ihm rein rechnerisch gerade einmal 1,24 Pinkelpausen pro Tag. Da kann auch schon mal was danebengehen, wenn die Toilette zu weit entfernt war.

Glücklicherweise kennt er zahlreiche Methoden, um Zeit einzusparen. Dafür hat der pfiffige Manager eine Software namens "Pinkel-Spy" erfunden, die nach Lücken im Organizer sucht. Auch beim Kochen und Essen spart er wichtige Zeit, indem er auf Instant-Fertiggerichte mit den wertvollen "Vitaminen" E621 und E637 zurück greift. Mit dem Strohhalm "gegessen", bleiben die Hände bleiben frei zum Arbeiten. Schnelligkeit ist für ihn eine Frage des Images und ein Urtrieb. Er ist froh, dass die heutige Jugend multitasking-fähig ist und beim Schreiben von SMS-Nachrichten keine wertvolle Zeit verliert. Die frustrierten Franzosen hingegen verschwenden beispielsweise für ein einziges "O" ganze 4 Buchstaben wie er anhand des Wortes "Bordeaux" verdeutlichte.

Zuweilen schnell wie aus einem Maschinengewehr kommen die Pointen des großartigen Kabarettisten, die scheinbar nie enden und das Publikum nonstop zum Lachen bringen. Eine vom Therapeuten verordnete fünfminütige Sprechpause wird für Brix zur reinsten Tortur und er gerät völlig aus der Fassung. Der eigentlich coole Yuppie schlägt um sich, zuckt, kratzt und rauft sich die Haare. Überhaupt lebt Werner Brix Auftritt von seiner genialen Schauspielkunst, die er gekonnt mischt mit einzigartiger Mimik und Gestik. Ein Übriges tut der liebenswerte Original Wiener "Schmäh" Dialekt.

Der Zusammenbruch ist vorprogrammiert und ausgerechnet in der Drehtür des Einkaufszentrums "Megaplexx" muss er eine Vollbremsung machen und sich von allen seinen Idealen verabschieden. "Bisher habe ich nur an die Kraft von Geschirrspülertabs geglaubt" verrät der Zeitfreak. Doch auf einmal sieht er sich Gott gegenüber und sinniert über ein Leben in Anarchie. Nach seiner Erleuchtung ist "Entschleunigung" das neue Lebensmotto. Plötzlich ist er relaxt, wie ausgewechselt und legt auch dem Publikum dringend "Entschleunigung" ans Herz.

Mit verblüffender Authentizität, einer gehörigen Portion Schalk und seinem unglaublich komödiantischen Talent machte Werner Brix den Auftritt beim Folktreff zu einem echten Highlight. Das begeisterte Bonndorfer Publikum bedankte sich bei ihm dafür mit kräftigem Applaus. 
 

 

Südkurier 15.12.2009

Nibelungensage als Spektakel

Wenn Bea von Malchus die Nibelungen spielt, reduziert sich das nicht nur auf Heldensage, Kultur und Theater. Denn was Bea von Malchus in diese Sage aller Sagen reinpackt, ist unübertroffen. Da ist zum einen ihre umwerfende Mimik, die sie von hässlicher Fratze zu allerliebstem Augenaufschlag in ebenso rasanter Abfolge verändert wie ihre Tonlage. In einem Augenblick zuckersüß säuselnd, brüllt sie schon im nächsten los, dass dem Zuschauer hören und sehen vergeht, sie rülpst, grunzt oder schnarcht, um in nicht minder raschem Wechsel sodann wieder zu distanziertem Erzählton zurück zu finden.

Ihre brillante Sprachkunst und Mimik ergänzt Bea von Malchus mit überzeugendem Schauspiel, so dass sie mit spärlichsten Requisiten hervorragende Bühnenperformance bietet. Unspektakulär geschminkt und kostümiert genügen der Künstlerin gerade mal eine Eisenbahnsitzbank und ein goldenes Köfferchen. Damit fesselt sie ihr Publikum derart intensiv, dass sich nach mehr als 90 Minuten Schauspiel einige richtiggehend erschlagen fühlen. Bea von Malchus schont die Zuhörer nicht. Sie fordert uneingeschränkte Aufmerksamkeit, trägt aber auch das ihre dazu bei, dass sich ihr niemand entziehen kann.

Mehr als 25 Personen spielt die Frau, überzeugt mit jeder einzelnen dieser vielen Rollen, vereint in ihrer Bühnenshow bravourös den klassischen Inhalt der Nibelungensage mit der aktuellen Situation und menschlichen Schwächen, lässt dabei dennoch Spielraum für die Fantasie der Zuhörer. Als Tante Hilde reist sie mit ihrem kleinen Neffen Siggi – der mit dem Überbiss – im Zugabteil von Dresden nach Passau, von original sächsischen Lautsprecherdurchsagen durchdrungen. Natürlich ergibt sich Kontakt zu den Mitreisenden, skrupellose rheinländische Finanzmakler, die im ständigen mobilen Telfonkontakt mit „Richie“ sind.

Tante Hilde erzählt ihrem kleinen Begleiter während der langen Reise die Heldensage aus dem finsteren Mittelalter und lässt die burgundische Königsfamilie mit Kriemhild, Gunter, Gernot, Giselher und Hagen ebenso wie Siegfried und Brunhild lebendig werden. Kriemhild gibt das anständige Edelfräulein, das sich in Gesellschaft von Kater Wagner nach Vorlage aus der Zeitschrift Brigitte im Kreuzstich übt, den man – wer weiß das schon? – irgendwann brauchen könnte. Der gesellige Gunter spricht nur allzu gerne Hochprozentigem zu und Giselher gibt den Schwulen, mutiert dabei gar zu Gisèle. Siegfried ist nicht nur schön und blond, der ADHS-geplagte Königssohn aus Xanten (ADHS: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) hat schon als Fünfjähriger im Spiel aus Versehen eine ausgewachsene Sau erdrückt. Im spannendsten Moment bekommt klein Siggi Lust auf „Ritter Sport“, Tante Hilde jedoch weist ihn zurecht: Ritter Sport hat man nicht, das macht man. Derweil stößt der edle Siegfried auf seiner Entdeckungsreise in einer badischen Schmiede auf Mobbing und Fremdenhass, sieht sich unversehens in der Situation, dass er einen Drachen erschlug, unverwundbar wurde, nach einem klassischen win-win-Deal im Besitz eines Schatzes und einer Tarnkappe und am Ende sogar eines Anlageberaters ist. Gunter, der an das Bier aus dem Schwarzwald erinnert, verlangt es nach Brunhild, Walküren werden zu Fremdenführerinnen, Alberich zu Albert Rich, Krim- und Brunhild zanken sich im klassischen Zickentheater. Dazwischen fragt klein Siggi doof: „Ist die Ehe eine Strafe?“, freut sich am Ende aber doch, dass bei dieser coolen Horrorgeschichte schließlich alle tot sind, sogar die Guten. Hagen zieht am Ende nach Bayern, baut einen Tempel für Wagner und Tante Hilde träumt mit klein Siggi von ihrem Häuschen auf Island…

Spätestens hier war den staunenden Besuchern klar, weshalb Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer, wie sie einleitend bekannte, beim ersten Kontakt mit Bea von Malchus bereits nach drei Minuten wusste, dass sie diese Ausnahmekünstlerin auf der Bonndorfer Bühne haben musste! Das abwechslungsreiche Jahresprogramm des Folktreffs wurde mit Bea von Malchus um eine beachtliche Facette reicher. Der Mut, ein solches Nischenprogramm auf die Bonndorfer Bühne zu holen, wurde belohnt, kamen doch nicht nur unerwartet viele Besucher ins Foyer der Stadthalle, sondern sogar Gäste aus Berlin und Frankfurt, die ob dieser anspruchsvollen Vorführung restlos begeistert waren.

 

Badische Zeitung 13.12.2009

Bea von Malchus begeistert im Folktreff

Multitalent schlüpft in 25 Rollen

Wenn Bea von Malchus die Nibelungen spielt, reduziert sich das nicht nur auf Heldensage, Kultur und Theater. Denn, was Bea von Malchus in diese Sage aller Sagen reinpackt, ist unübertroffen. Davon konnten sich die Besucher des Folktreffs am Freitagabend überzeugen.

BONNDORF. Wenn Bea von Malchus die Nibelungen spielt, reduziert sich das nicht nur auf Heldensage, Kultur und Theater. Denn, was Bea von Malchus in diese Sage aller Sagen reinpackt, ist unübertroffen. Davon konnten sich die Besucher des Folktreffs am Freitagabend im Foyer der Bonndorfer Stadthalle überzeugen.

Da ist zum einen ihre umwerfende Mimik, die sie von hässlicher Fratze zu allerliebstem Augenaufschlag in ebenso rasanter Abfolge verändert wie ihre Tonlage oder die Dialekte. In einem Augenblick zuckersüß säuselnd, brüllt sie schon im nächsten los, dass dem Zuschauer hören und sehen vergeht, rülpst, schnarcht und grunzt, um in nicht minder raschem Wechsel sodann wieder zu distanziertem Erzählton zurück zu finden. Ihre brillante Sprachkunst und Mimik ergänzt Bea von Malchus mit überzeugendem Schauspiel, so dass sie mit spärlichsten Requisiten hervorragende Bühnenperformance bietet. Unspektakulär geschminkt und kostümiert, genügt der Künstlerin gerade mal eine Eisenbahnsitzbank und ein goldenes Köfferchen. Damit fesselt sie ihr Publikum derart intensiv, dass sich nach mehr als 90 Minuten Schauspiel einige richtiggehend erschlagen fühlen. Bea von Malchus schont die Zuhörer nicht. Sie fordert uneingeschränkte Aufmerksamkeit, trägt aber auch das ihre dazu bei, dass ihr die tatsächlich zuteil wird.

Mehr als 25 Personen spielt die Frau, überzeugt dabei mit jeder einzelnen dieser vielen Rollen, vereint in ihrer Bühnenshow bravourös den klassischen Inhalt der Nibelungensage mit der aktuellen Situation und menschlichen Schwächen und lässt dabei noch Spielraum für die Fantasie der Zuhörer. Als Tante Hilde reist sie mit ihrem kleinen Neffen Siggi – der mit dem Überbiss – im Zugabteil von Dresden nach Passau, von original sächsischen Lautsprecherdurchsagen durchdrungen. Natürlich ergibt sich Kontakt zu den Mitreisenden, skrupellose rheinländische Finanzmakler, die im ständigen mobilen Telefonkontakt mit "Richie" sind. Tante Hilde erzählt ihrem kleinen Begleiter während der langen Reise die Heldensage aus dem finsteren Mittelalter und lässt die burgundische Königsfamilie mit Kriemhild, Gunter, Gernot, Giselher und Hagen ebenso wie Siegfried und Brunhild lebendig werden. Kriemhild gibt das anständige Edelfräulein, das sich in Gesellschaft von Kater Wagner nach Brigitte-Vorlage im Kreuzstich übt, den man – wer weiß? – irgendwann brauchen könnte. Der gesellige Gunter spricht nur allzu gerne Hochprozentigem zu und Giselher gibt den Schwulen, mutiert dabei gar zu Gisèle. Siegfried ist nicht nur schön und blond, der ADHS-geplagte Königssohn aus Xanten hat schon als Fünfjähriger im Spiel aus Versehen eine ausgewachsene Sau erdrückt. Im spannendsten Moment bekommt klein Siggi Lust auf Ritter Sport, Tante Hilde jedoch weist ihn zurecht: Ritter Sport hat man nicht, das macht man. Derweil stößt der edle Siegfried auf seiner Entdeckungsreise in einer badischen Schmiede auf Mobbing und Fremdenhass, sieht sich unversehens in der Situation, dass er einen Drachen erschlug, unverwundbar wurde, nach einem klassischen win-win-Deal im Besitz eines Schatzes und einer Tarnkappe und am Ende sogar eines Anlageberaters ist. Gunter, der an das Bier aus dem Schwarzwald erinnert, verlangt es nach Brunhild, Walküren werden zu Fremdenführerinnen, Alberich zu Albert Rich, Krim- und Brunhild zanken sich im klassischen Zickentheater.

Dazwischen fragt klein Siggi doof: "Ist die Ehe eine Strafe?", freut sich am Ende aber doch, dass bei dieser coolen Horrorgeschichte schließlich alle tot sind, sogar die Guten. Hagen zieht am Ende nach Bayern, baut einen Tempel für Wagner und Tante Hilde träumt mit klein Siggi von ihrem Häuschen auf Island…

Spätestens hier war den staunenden Besuchern klar, weshalb Gudrun Deinzer, wie sie einleitend bekannte, beim ersten Kontakt mit Bea von Malchus bereits nach drei Minuten wusste, dass sie diese Ausnahmekünstlerin auf der Bonndorfer Bühne haben musste! Das abwechslungsreiche Jahresprogramm des Folktreffs wurde mit Bea von Malchus um eine beachtliche Facette reicher. Der Mut der Folktreff-Vorsitzenden, ein solches Nischenprogramm auf die Bonndorfer Bühne zu holen, wurde belohnt, kamen doch nicht nur unerwartet viele Besucher ins Foyer der Stadthalle, sondern sogar Gäste aus Berlin und Frankfurt, die ob dieser anspruchsvollen Vorführung restlos begeistert waren.

 
Badische Zeitung 23.11.2009

 

Tom Haydn: Trotz deftiger Wortwahl nie verletzend

BONNDORF (kss). "A bisserl a Mozart, a bisserl a Strauss, a bisserl a Haydn", das gehöre zum Wiener Klischee, sang Kabarettist Tom Haydn im Rahmen des Folktreffs im Bonndorfer Schloss – natürlich mit einem leichten Fingerzeig auf sich selbst. Und das Wiener Klischee scheint dieser fantastische Entertainer geradezu mit der Muttermilch eingesogen zu haben, auch wenn er im Laufe des Abends in Form einiger hinreißend makabrer Beiträge bekennt, aus dem niederösterreichischen Mostviertel zu stammen.

So sei er Ministrant geworden wegen des sich an jede Beerdigung anschließenden Leichenschmauses, bei dem es immer sein Leibgericht, "Rindfleisch mit Semmelkren", gegeben habe. Auch später habe er sich immer unter irgendwelche Trauergemeinden gemischt. Dabei verweist er auf die Alternative "Pietät oder Nulldiät" mit einem derart herrlich schicksalsschwangeren Gesichtsausdruck, dass ihm jeder noch eine Extraportion gönnen würde.

Überhaupt dieses Gesicht! Tom Haydns Texte sind eine wunderbare Melange aus in Schmäh verpackten Unverschämtheiten, amüsant aufbereiteten bitterbösen Zynismen und schwermütig angehauchter Morbidität. Die Musik spielt gekonnt mit Anklängen an die unterschiedlichsten Stile, wozu das in der Tat "wunderbare Orchester" mit Gitarrist Andreas Blüml und Pianist Michael Flügel ein gerüttelt Maß beiträgt. Aber vor allem dieses Gesicht spricht Bände, dazu der jeweils passende Tonfall, von larmoyant über süffisant und ausgesprochen charmant bis leicht keck – einfach zum Quietschen schön. Haydn sucht den Blickkontakt, beißt frivol von der Seite her ins Publikum, wenn er beschreibt, wie er der Hunde versessenen Lady "den Yorkshire-Terrier" machte, geht auch mal durch die Reihen bei der unverblümten Aufforderung "Lass’ uns ganz einfach eine Affäre haben", bei der er sogar den eigenen Charme als Klischee zelebriert. Im Laufe des Abends wird die Erwartungshaltung der Anwesenden immer fantasievoller, da reicht es bereits, dass Haydn wie beiläufig Begriffe in den Raum wirft – "die Ehe…" -, anschließend eine vielsagende Gedankenpause einlegt, und schon kichert, gluckst und prustet es im Saal.

Das bevorzugte Thema von Haydns "Pikanterien" – so der sprechende Titel seines Programms - ist eindeutig das menschlich Allzumenschliche, die vielbeschworene Krise zum Beispiel streift er nur, insoweit sie ihm als Aufhänger dienlich ist, um etwa die (optimistische) deutsche von der (fatalistischen) österreichischen Mentalität abzugrenzen oder die Frage zu stellen, warum sich die modernen Sklavenhalter mit Kündigungen aus nichtigen Gründen plötzlich selbst ihres Betriebseigentums berauben. Sehr aussagekräftig für Haydns speziellen Blick auf die Dinge des Lebens ist dagegen, dass in seiner menschlichen Charakterschau die von Georg Kreisler so trefflich besungene österreichische Lieblingsbeschäftigung des Taubenvergiftens ebenso ihren festen Platz hat wie eine auf die eigene Biografie umgemünzte, ausgesprochen eindrückliche Version von Hildegard Knefs "Für mich soll’s rote Rosen regnen".

Genüsslich schildert er das bäuerliche Milieu seiner Kindheit anhand der Frauen mit ihrer unvermeidlichen ärmellosen Kittelschürzen-Uniform, die dank des synthetischen Materials im Laufe der Jahre "mitwächst" und sich dabei vom zierlichen Blumenmuster zur vollen Blütenpracht entfaltet. Aber auch das eigene Geschlecht bekommt sein Fett, "wenn die Männer alt sind und ihre Wünsche jung…", wenn der Frühling zur Qual wird und ganz neue Berufsgruppen aus der Osteopathie oder Chiropraktiker ins Blickfeld rücken. Dabei wird Haydn trotz deftiger Wortwahl nie verletzend. Davor schützen ihn seine geradezu überbordende Selbstironie, seine immer wieder grandios eingesetzte Sprechkunst und nicht zuletzt seine Musik.

 
Südkurier 19.10.2009

 

Unterhaltung ganz ohne Wort

 
Eine außergewöhnliche Vorstellung ganz ohne Worte bot das Clown-Duo ExtraArt beim Auftritt im Bonndorfer Folktreff.

Etwa 600 Schüler des Bildungszentrums Bonndorf konnte das Clown-Duo ExtraArt bereits in einer Sondervorstellung am Vormittag begeistern (wir berichteten). Manche Schüler waren so fasziniert von den Clownereien, dass sie mit ihren Eltern noch einmal die Abendvorstellung des Folktreffs besuchten. Diese fand nicht im Foyer, sondern in der Stadthalle selbst statt, weil das Foyer für die Jonglier-Nummern zu niedrig war.

Auch das erwachsene Publikum war von Anbeginn der Vorstellung begeistert von der außergewöhnlichen Kunst der beiden Clowns. In der Rolle des ewigen Verlierers glänzte Fabian Flender, der seine runden Kulleraugen und seinen ausdrucksstarken Mund für eine unnachahmliche Mimik einsetzte und entgegen dem Slogan „The winner takes it all“ das Publikum sofort für sich gewann. Bernd Schwarte, in Titisee-Neustadt geboren, gab den „Chefclown“ und wurde nicht müde, seinem Kompagnon mittels Gestik Anweisungen zu geben, die dieser aber meist geflissentlich übersah. Ebenbürtig waren sich die beiden Clowns allerdings in ihrer tollen Akrobatik-Nummer nachdem sie es endlich geschafft hatten, die Matte akkurat auszulegen. Toll auch der Stepptanz, bei dem die typischen Steppgeräusche jedoch mithilfe von aneinander klatschenden Schuhsohlen erzeugt wurden. Vom hohen künstlerischen Niveau von „ExtraArt“ zeugte die darauffolgende flotte Jonglier-Nummer.

Bei ihrem magischen Kistentrick erschloss sich den Zuschauern nicht wirklich, wie Tobias Schwarte aus einer verschlossenen Kiste herauskam, um Fabian den Schlüssel für das Vorhängeschloss zu geben, mit dem dieser die Kiste schließlich öffnete, um Tobias danach wieder herauszulassen. Für wahre Lachsalven im Publikum sorgte eine Nummer mit genialer Choreographie, bei der aus zwei tanzenden Schuhpaaren hinter dem Vorhang plötzlich vier Paare wurden und man sich nicht nur wegen der skurrilen Figuren fragte, welche Fußpaare denn nun echt waren. Da Fabians Faust beim nächsten Programmpunkt in Bernds Saxofon stecken blieb, hätte dieser beinahe nicht spielen können. Anschließend schritten die beiden Clowns zum Duell zu Michael Jackson´s „Thriller“ und boten eine klasse Jonglier-Nummer mit Bällen. Als weiteren Höhepunkt zeigten die beiden außergewöhnlichen Künstler erneut eine atemberaubende Artistik-Einlage und beendeten ihre begeisternde Aufführung mit einer temporeichen Keulen-Jonglage. Während des ganzen Abends wurde übrigens kein einziges Wort gesprochen und so verabschiedete sich das Duo auch auf ganz spezielle Weise vom begeisterten Publikum, indem sie ihren geschriebenen Dank auf Schiefertafeln präsentierten.

Annette Friedrich

 

Badische Zeitung 19.10.2009

Auf schwankenden Rollen in die Höhe

BONNDORF. Mit Artistik, Jonglage und Clownerie begeisterten "extra art" bei der jüngsten Folktreffveranstaltung gleich doppelt, und zwar am Vormittag 600 Schülerinnen und Schüler des Bildungszentrums, am Abend im gewohnten Rahmen der Bonndorfer Kleinkunstinitiative.

Wenn 600 Heranwachsende länger als eine Stunde mucksmäuschenstill eine Bühnenshow verfolgen, kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass diese perfekt inszeniert ist. Bernd Schwarte und Fabian Flender wollten jedenfalls am Freitag hoch hinaus. Daher musste diese Kleinkunstveranstaltung vom Foyer in die Stadthalle verlegt werden. Hier überzeugten die herausragenden Artisten in jeder Hinsicht. Mit perfekter Körperbeherrschung und präziser Akrobatik präsentierten sie scheinbar schwerelos atemberaubende Turnübungen, denen man so gespannt folgte, dass man die berühmte Stecknadel hätte fallen hören können. Und wenn Bernd Schwarte auf bedrohlich schwankenden Rollen und Brettern immer höher stieg, unterstützte ihn das Publikum mit rhythmischem Klatschen. Solch akrobatische Höchstleistungen live zu erleben hat eben eine ganz besondere Qualität.

Schon im nächsten Augenblick irritierten die Magier ihr Publikum mit rätselhaften Illusionen. Dabei blieb völlig ungelöst, wer wie in irgendwelchen Kisten und Säcken verschwand, um daraus in Windeseile wieder aufzutauchen. Ihre Vielseitigkeit demonstrierten Bernd Schwarte und Fabian Flender zudem in außergewöhnlichen Jonglierkünsten, die sowohl im Solo als auch im Doppel imponierten.

Und immer wieder belustigten die Clowns mit einer grandiosen Mimik, die ihresgleichen sucht. Hier überzeugte vor allem Fabian Flender, dessen unschuldigen Kulleraugen kaum widerstanden werden kann, so dass er die Herzen der Zuschauer im Handumdrehen eroberte. Die pfiffig lustige Art, wie der Freiburger bei jeder Gelegenheit grinsend um die Gunst des Publikums buhlte, verschaffte ihm eben diese prompt vom ersten Augenblick an. Wenn das freche Lausbubengrinsen sich hin und wieder in Enttäuschung wandelte, konnte der Clown sich eines kollektiv mitleidsvollen "Oooohhs" absolut sicher sein.

Die hervorragend inszenierten Gags dieser charmanten Künstler waren in gut abgestimmter Regie arrangiert, so dass Staunen, Lachen und begeisterter Jubel unter den Besuchern ebenso kurzweilig abwechselten wie das Geschehen auf der Bühne, auf der wohlgemerkt kein Wort gesprochen wurde.

Die Verantwortlichen des Folktreff haben mit dieser Veranstaltung einmal mehr die bunte Vielfalt des Programms und damit eine Besonderheit der Bonndorfer Kleinkunstinitiative unter Beweis gestellt. Dies zeigten nicht zuletzt immer wieder neue Gesichter in den Zuschauerreihen. Im Fall von Extra Art waren darunter viele Familien mit ihren Kindern, die entweder die Vormittagsvorstellung nicht besuchen konnten oder so begeistert waren, dass sie die Show ein zweites Mal sehen wollten. Dass man mit ausgesuchten Künstlern auch gelegentlich den Schülern der örtlichen Schulen Einblick in kulturelle Vielseitigkeit gewährt, ist zudem eine Geste des Folktreff, die Lob verdient.


 

Südkurier 23.09.2009

Spritziger Dauerangriff aufs Zwerchfell

 
In der ausverkauften Folktreff-Veranstaltung machten sich Kabarettist Stefan Bauer auf die „Suche nach dem verlorenen Mann“ und dabei auf unvergleichlich selbstironische Art seine Gedanken, wie die Männer von Unterdrückern zu Unterdrückten mutierten.
Foto: Friedrich

Auf seine äußerst unterhaltsame „Suche nach dem verlorenen Mann“ nahm der aus Funk- und Fernsehen bekannte Kabarettist Stefan Bauer die Zuschauer bei der erneut ausverkauften Folktreff-Veranstaltung im Foyer der Stadthalle mit. Die Harald-Schmidt-Show, Ottis Schlachthof, 7 Tage – 7 Köpfe oder zahlreiche Auftritte im „Quatsch-Comedy-Club“ sind nur die wichtigsten Stationen seiner steilen Karriere als Kabarettist.

Auch in Bonndorf konnte er das Publikum mit seiner einzigartig selbstironischen Art von der ersten Minute an völlig in Beschlag nehmen. Mit Pointen am laufenden Band, untermalt mit passender Mimik und Gestik, verübte Stefan Bauer eine Dauerattacke auf die Zwerchfelle der Zuschauer. Den ganzen Abend sinnierte der krisengebeutelte Single über die Frage, warum sich die Frauen quasi über Jahrtausende unterdrücken ließen und nun plötzlich auf der Überholspur an den Männern vorbeiziehen, die somit von den Unterdrückern zu den Unterdrückten geworden sind.

„Den Mund aufmachen können Männer heute eigentlich nur noch beim Zahnarzt“ stellte Stefan Bauer lapidar fest, denn männliche Charaktereigenschaften wie Mut und Durchsetzungsvermögen sind ihnen völlig abhanden gekommen. Von Gleichberechtigung, auf welche die Frauen lange Zeit drängten, ist keine Spur mehr. Vielmehr ist das vermeintlich schwache Geschlecht den Männern auf allen Gebieten haushoch überlegen. Als Beispiel führte Stefan Bauer an, dass Bücher zu 75 Prozent von Frauen gelesen werden. Da verwundert es nicht, dass der moderne Mann sein Selbstbewusstsein nicht aus der Bildung, sondern aus der Ausübung von Extremsportarten zieht. Aus seiner Therapie zur Stärkung seines Egos hat Stefan Bauer lediglich gelernt, dass Minderwertigkeitskomplex auf Minderwertigkeit beruht.

„Charme und gutes Benehmen spielen heute keine Rolle mehr“ wusste der leidgeprüfte Kabarettist. Stattdessen wünschen sich die Frauen echte Kerle mit Waschbrettbauch und Knackpo und fragt sich laut: „Wer will schon Nüsse mit dem Po öffnen?“ In den Augen der Frauen sollten Männer die Eigenschaften einer Küchenrolle haben: „Sanft, saugstark und immer verfügbar.“ Seine Kindheit beschrieb Stefan Bauer als bisher dunkelstes Kapitel seines Lebens, denn hier sieht er die Schuld all seiner männlichen Defizite und machte seinen „Luschenvater“ für seine „verheerende männliche Entwicklung“ verantwortlich. „Die Mutter ist die einzige Frau, die einen Mann versteht“ behauptete der Kabarettist. Seine eigene Mutter laufe noch heute bei seiner Verabschiedung 400 Meter neben dem Auto her.

Immer wieder offenbarte Stefan Bauer selbstironisch tiefe Einblicke in seine familiäre Situation, wie zum Beispiel über die nicht stattgefundene Erziehung, oder seine gescheiterte Ehe. Werte wie Treue sind für ihn unheimlich wichtig. Als Beispiel aus der Tierwelt führte der Comedian die Pinguine an: „Pinguine bleiben sich ein Leben lang treu – aber die sehen ja auch alle gleich aus!“ Großmütig gab er zu, dass er durch die Trennung große Probleme im „hygienischen Bereich“ bekam. Er outete sich als „Wutz“ und beschrieb äußerst humorvoll seine vergebliche Suche nach einer Putz- oder noch besser einer Trümmerfrau. Ja, so ein Kabarettist hat nicht wenige Probleme: Keine Zeit für eine geregelte und ausgewogene Ernährung, geschweige denn eine neue Partnerin zu suchen. Da bleibt manchmal gar nichts anderes übrig als ein Bordellbesuch – nur zum Reden selbstverständlich. Genauso schonungslos ehrlich gestand Stefan Bauer seine Hypochondrie und seine Flugangst und schoss Verbalattacken gegen „die Arschlöcher aus der Business-Class“.

Zum Abschluss lieferte und demonstrierte er den mathematischen Beweis, dass die oft gehörte Aufforderung „Fick dich doch ins Knie“ auch bei absoluter Gelenkigkeit nicht funktionieren kann.

Klar, dass die Zuschauer nicht genug von diesem Feuerwerk an Pointen bekommen konnten und dem genialen Künstler eine Zugabe auferlegten. So war es bereits nach elf Uhr, als Stefan Bauer seine „Suche nach dem verloren Mann“ beendete.

Annette Friedrich

 

Badische Zeitung  23.09.2009

Emanzipation macht aus Männern Waschlappen

BONNDORF. Vor ausverkauftem Haus startete der Folktreff am Freitag in sein Herbstprogramm, wo Stephan Bauer sich auf die Suche nach dem verlorenen Mann begab. Dem Kabarettisten gelang es scheinbar mühelos, ohne Requisiten, Kostümierung oder sonstigen Firlefanz – abgesehen von einem einzigen Gummistiefel – das Publikum zu begeistern. Mit intelligentem Kabarett, Witz, natürlichem Charme, sympathischem Minenspiel und ohne intellektuelle Winkelzüge hielt Stephan Bauer die Spannung für mehr als zwei Stunden lang. Und bewies damit, dass es sie also doch gibt, routinierte TV-bekannte Kabarettisten, die auch auf kleinen Bühnen mit einer absolut überzeugenden Bühnenperformance begeistern. Wenn Stephan Bauer menschliche Schwächen oder gesellschaftliche Fehlentwicklungen aufdeckt, braucht es keinen erhobenen Zeigefinger, keiner im Publikum wird vorgeführt. Der Künstler projiziert all die Unzulänglichkeiten nämlich einzig und allein auf sich oder sein unmittelbares Umfeld und erntet dafür nicht selten ein kollektives mitleidiges "Oohh" der Zuhörer, wenn nicht gerade eine Lachsalve die nächste ablöst. Manch einer dürfte das, was Stephan Bauer verriet, sowieso schon geahnt haben: Dass die Emanzipation aus Männern Waschlappen gemacht hat und ein männlicher Händedruck zuweilen so labberig ist, als wenn man Marshmallows mit Zitzen anfasst. In Zeiten, da es als besonders chic gilt, sich Körperhaare auf schmerzlichste Art entfernen zu lassen, konnte er, der spät Pubertierende, es kaum erwarten, bis sich bei ihm endlich Körperbehaarung einstellte – und die will er jetzt gefälligst auch behalten. Er hält nichts von Zuchtebern in Fitnessstudios, aus deren Achselhemd Oberarme wie Schweinehälften hervorquellen, und bewundert andererseits das hohe Leistungsniveau bayerischer Erstklässler, die Abituraufsätze aus Bremen korrigieren. Väterlicherseits hat Bauer wohl so manche Enttäuschung erlebt, zählte doch sein Vater zu der Sorte Mann, die nach einem Crash im Autoscooter die Polizei rufen. Immerhin gewöhnte sich der alte Herr mit 70 Jahren das Nägelkauen ab – als man ihm sein Gebiss versteckte.
"Treue ist wichtig", bekennt Stephan Bauer, der Pinguine für ihre lebenslange Partnertreue beneidet. Gleichwohl dürfte das diesen auch nicht allzu schwer fallen, sehen sie doch alle gleich aus. Mütterlicherseits ist Stephan Bauer wie so viele andere vom "nicht loslassen" geprägt. Immerhin beschenkt er Frau Mama zum Muttertag mit einer herzförmigen Schachtel voller Schmutzwäsche – ja, sie wollte doch ausgerechnet etwas Persönliches! Hygiene- und Schonbezuggeschädigt wendet sich sein eigenes Hygieneverhalten ins Gegenteil. Bei Bauer spielen Wollmäuse und Silberfische "wer hat Angst vorm schwarzen Mann". Anstelle einer Putzfrau sucht er eher eine Trümmerfrau, der es nichts ausmacht, im Kühlschrank Joghurt mit einem Preisschild von 89 Pfennig oder Schimmelkäse ohne Käse zu entsorgen und die den verkrusteten Herd unter sportlichen Gesichtspunkten in Angriff nimmt.

Horrorvorstellung eines jeden Mannes – und auch von Stephan Bauer – ist das Klassentreffen, hat er doch vom Zeitpunkt der Einladung aus noch genau drei Monate Zeit, etwas aus seinem Leben zu machen. Sex mit der Praktikantin, die jünger sein sollte als der Malt-Whiskey, den "Mann" trinkt, gehört unabdingbar dazu, mit oder ohne Noppenkondom mit tiefgekühlten Erbsen. Sei’s drum, ein Mann sollte cool genug sein, seine Zähne mit harter Bürste zu bearbeiten und insgesamt die Eigenschaften einer Küchenrolle haben: sanft, saugstark und ständig verfügbar – meint Stephan Bauer beim Folktreff mit einem abschließenden Augenzwinkern.

 

Südkurier 23.06.2009

Viva Voce und Glühwein heizen ein

Ungeachtet der eher herbstlichen Temperaturen, aber unter Berücksichtigung der regionalen Wettervorhersage, hatte sich der Folktreff-Vorstand dazu durchgerungen, den Auftritt wie geplant als Openair-Konzertzu veranstalten. Einige Besucher eilten nochmals nach Hause, um sich wetterfest umzuziehen, andere waren bereits dem Wetter entsprechend ausgerüstet im Schlossgarten erschienen. Passend zum nasskalten Wetter wurde Glühwein am Verpflegungsstand angeboten, mit dem sich die Zuhörer von innen aufwärmen konnten.

Viva Voce, das sind die drei Franken Jörg Fischer, Bastian Hupfer und David Lugert, die ihr gesangliches Handwerk von der Pike auf bereits als Schüler im Knabenchor erlernten. Heiko Benjes, der Exil-Saarländer und Senior bei Viva Voce ist die einzige Bassstimme in der Band. Seit einigen Monaten wird die zunehmend beliebte A-Cappella-Band vervollständigt vom polnisch-thailändisch-stämmigen Mateusz Phouthavong (MaTe), der im badischen Freiburg geboren wurde.

Viva Voce wurde 1998 von Mitgliedern des Windsbacher Knabenchors gegründet, von denen heute nur noch David Lugert und Basti Hupfer dabei sind. Mittlerweile sind aus den Chorknaben Profimusiker geworden, die schon viele Preise eingeheimst haben und des öfteren auch im Fernsehen zu Gast sind. Sechs CDs der Gruppe wurden bereits veröffentlicht, die siebte ist momentan in Arbeit. Auch in Bonndorf hat Viva-Voce seit ihrem vorjährigen Auftritt viele Fans gefunden,

Ihr zweites Bonndorfer Konzert unter dem Programmtitel „Tapetenwechsel“ eröffneten die fünf Vokalartisten mit dem Titel „On the Road“, der einen Einblick in die teilweise chaotischen Anreisen zu ihren Konzerten gab. Jörg Fischer und Heiko Benjes versetzten die Zuhörer mit einer Kostprobe ihrer Vokal-Imitationen zu Schlagzeug und Bass ins Staunen, wobei absolut kein wesentlicher Unterschied zu reellen Instrumentaltönen festzustellen war. Danach ging es Schlag auf Schlag weiter mit schmissigen Eigenkompositionen wie „Du“ oder Coverversionen wie „It's not unusual“ von Tom Jones, die das Publikum in die richtige Stimmung brachten. Passend zum aktuellen Wetter war der Song „Nasse Küsse im Regen“ und was für's Herz gab es mit „Tears in Heaven“ von Eric Clapton.

Mit ihrer souveränen Performance ließ Viva Voce das Publikum die Kälte einfach vergessen. Ein Höhepunkt des ersten Konzertteils war sicherlich das Bekenntnis von Basti Hupfer, der trotz seines Nachnamens bekannte: „I can't dance“ (Phil Collins), welches mit Sequenzen aus „Everbody“ von den Backstreet Boys gemischt wurde. Bei allen stimmte die Choreographie, nur der Hupfer tanzte aus der Reihe. Dazwischen immer wieder lockere, aber professionelle Moderationen der fünf smarten Boys, die eine kleine Einführung ins Fränkische gaben, der dann die fränkische Hymne und der Fräggae (Fränkischer Reggae) folgten.

Im zweiten Konzertteil waren sich David Luger und Basti Hupfer nicht ganz einig, welchen Song ihres Jugendidols Madonna sie spielen sollten und so entstand ein einmaliger gesanglicher Wettstreit zwischen „Like a virgin“ und „Like a Prayer“. Heiko Benjes, mit seiner Gänsehaut erzeugenden Bassstimme rechnete in „Tach, Chef“ musikalisch mit seinem Boss ab und sprach mit diesem Lied wahrscheinlich vielen Zuhörern aus dem Herzen. Ein Song wird fast sicher zum Erfolg, wenn das Wort „Everybody“ darin vorkommt, stellten Viva-Voce fest und bewiesen dies mit ihrem „Everybody“-Medley quer durch alle Stilrichtungen. Den krönenden Abschluss bildete hier der Klassiker der Blues-Brothers. Mit „Einmal wird es Zeit“, der Viva-Voce-Version von „Time to say goodbye“, bereiteten die Vokalkünstler das Publikum auf das nahende Konzertende vor.

Die begeisterte Menge durfte sogar abstimmen, welche Zugaben gespielt werden sollen und so verpackten Viva-Voce den Modern-Talking Ohrwurm „You're my heart“ in verschiedene Sounds wie gar als Hard-Rock-Version, als Reggae oder auch als Jodler und Gospel. Aber auch das reichte den völlig aus dem Häuschen geratenen Zuhören noch lange nicht und so gab es noch „Volare“ von den Gipsy Kings zum Mitsingen und die lustige Eigenkomposition „Fettnäpfchen“, ehe die fünf Vollblut-Sänger von der Bühne durften.

„Let me entertain you“ hatten die fünf Jungs zu Beginn gesungen und das ist Viva Voce mit ihrem grandiosen Konzert in Bonndorf einmal mehr bestens gelungen.

Annette Friedrich

 

Badische Zeitung 22.06.2009

Fetziger Reigen mitreißend dargebotener Musik


BONNDORF. Schirm festhalten oder Beifall klatschen? Beim Auftritt der Gruppe "Viva Voce" im Bonndorfer Schlossgarten wurde diese Frage für manchen zur Gewissensentscheidung. Von oben tropfte es nämlich und von vorn erklang mitreißender Schlagergesang.

Da waren diejenigen gut dran, die einen der wenigen Plätze unterm schützenden Blätterdach gefunden hatten oder gleich mit regenfesten Kopfbedeckungen zur Vorführung gekommen waren. Die Entscheidung, trotz regenverhangenen Himmels die Veranstaltung im Freien stattfinden zu lassen, war den Folktreff-Verantwortlichen bestimmt nicht leicht gefallen. Am Tag zuvor hieß es noch in einem Rundschreiben per E-Mail, es sei "offen, ob die Jungs tatsächlich im Schlossgarten auftreten, oder in der Stadthalle." Vorsorglich hatte man sich auch für einen Auftritt unterm Dach vorbereitet. Aber dann kam, ebenfalls auf elektronischem Weg, am Freitagnachmittag die Ansage: "Unser Konzert mit Viva Voce heute Abend findet draußen statt".

Diese rechtzeitig gestreute Information gab den Musikliebhabern die Möglichkeit, sich auf die Verhältnisse einzurichten und sich mit Wolldecke, Kissen, Regenjacke und -schirm zu bewaffnen. Dazu reichten die Veranstalter an diesem kühlen Juniabend Glühwein, um auch von innen für Wärme zu sorgen. Den Rest erledigten dann die fünf Jungs auf der Bühne, die inzwischen längst nicht mehr als fränkische Boygroup gelten können, denn einer von ihnen, Heiko Benjes, kommt aus dem Saarland, und der jüngste Neuzugang, Mateusz Phouthavong, genannt Matte, hat eine asiatische Mutter und einen polnischen Vater.

Von den vier Gründungsmitgliedern des Jahres 1998 sind lediglich Bastian Hupfer und David Lugert noch mit dabei, 2001 gesellte sich Jörg Fischer hinzu, der heute das fesche Hütchen des Conférenciers trägt. Bunt gemischt und frisch aufbereitet kam dann auch die Musik im Rahmen des neuen Programms "Tapetenwechsel" daher, eine Rundreise durch die Popkultur der neunziger Jahre mit Songs unter anderem von White Stripes, Robbie Williams, Bon Jovi, Genesis und den Backstreet Boys, dazu vielen eigenen deutschsprachigen Kreationen sowie Persiflagen auf Madonna oder Modern Talking. Ein fetziger Reigen mitreißend dargebotener Musik in ganz eigenem Klanggewand und ohne jegliche instrumentale Begleitung. Letztere übernahmen die Sänger mit ihren Stimmen, vor allem Vorsänger Jörg Fischer, der unnachahmlich virtuos ein komplettes Schlagzeug imitierte, von der Snaredrum über unterschiedlich große Becken bis zu den Tomtoms. Dazu Heiko Benjes, der die instrumentale Bassbegleitung simulierte und dabei den Sound des Kontrabasses ebenso perfekt traf wie den des elektrischen Gegenstücks. Das alles präsentierten die stimmlich bestens ausgebildeten und aufgelegten Jungs in unauffälliger Straßenkleidung und - bis auf ein paar farbige Scheinwerfer - ohne jegliche Bühnendekoration, dafür aber mit ebenso viel Elan wie konzentrierter Professionalität.


Einziges Ziel der Veranstaltung war es, mit musikalischen Mitteln gute Laune zu verbreiten, "denn das Leben ist schön", wie es gleich im ersten Lied hieß. Und dieses Ziel erreichten die fünf charmanten Sänger ohne Abstriche. Mit stehenden Ovationen bedankte sich das Publikum, Mitklatschen, Singen, Hüpfen inbegriffen. Da störte sich bald niemand mehr am ungemütlichen Wetter. Eher daran, dass alles wie schon beim Auftritt der Band im Jahr zuvor viel zu schnell zu Ende ging.

 

Südkurier 16.06.2009

Musik nur mit dem Mund

 

Viva Voce rangieren unter den angesagtesten Vokalensembles der Republik. Nach Bonndorf kommen sie am kommenden Freitag, 19. Juni, auf Einladung des Folktreffs zum Openair im Schlossgarten.
Foto: privat

Bonndorf - Viva Voce, das sind fünf supernette junge Männer, die gerne noch als Jungs durchgehen – Marke Lieblingsschwiegersohn, dennoch keinesfalls langweilig. Die fünf Vollprofis machen Musik nur mit dem Mund, weit jenseits des „altersgrünen“ kleinen Kaktus'.

Viva Voce rangieren unter den angesagtesten Vokalensembles der Republik, sie treten auf in Häusern wie der alten Oper in Frankfurt, im deutschen Schauspielhaus Hamburg, in der Meistersingerhalle Nürnberg rund 150 Mal im Jahr. Nach Bonndorf kommen sie am kommenden Freitag, 19. Juni, auf Einladung des Folktreffs zum Openair im Schlossgarten.

Voxpop nennen die fünf Franken das was sie tun. Stimmlich bestens ausgebildet beim Windsbacher Knabenchor ist ihre Musik heute, nach über zehnjähriger Bühnenpräsenz eben reinster Pop, – mundgemacht, ohne Schlagzeug, E-Gitarre und Synthesizer. Das Ergebnis ist fetzig, hat Witz und ist zudem noch charmant.

Viva Voce beherrschen natürlich die Imitation von Instrumenten. Schlagzeug und Bass beispielsweise sind von so beeindruckender Qualität, dass Kritiker ihnen in der Vergangenheit ein Hintergrundtonband angedichtet haben.

Eigene humorvolle Songs würzen sie mit Klassikern aus der Rock- und Popgeschichte. Einfach köstlich ist ihre Madonna-Collage oder die spaßige Modern Talking „You're My Heart, You're My Soul“-Persiflage.

„Die Intonation ist brillant, die Harmonien lupenrein und die flinken Rhythmus- und Tempiwechsel werden traumwandlerisch sicher umgesetzt... Da stehen fünf Profis auf der Bühne, trotzdem kommt alles irgendwie kumpelhaft nett und ehrlich rüber – genau das macht die Musiker so sympathisch“, schreibt die Backnanger Kreiszeitung im April.

Voriges Jahr hat Viva Voce dem Folktreff in Bonndorf das erste „Ausverkauft“ in der rund 30-jährigen Vereinsgeschichte beschert und sich damit zum Stadtgespräch gemacht. Deshalb hat der Folktreff die Fünf zum Openair in den zauberhaften Schlossgarten eingeladen. Diesmal mit der Bühnenshow „Tapetenwechsel“. So können diejenigen entschädigt werden, die vor Jahresfrist weggeschickt werden mussten.

In Bonndorf selbst ist das lange bekannt, es werden vielfach andere Termine verlegt und schon vor Monaten wurden die ersten Karten für dieses Oopenair verkauft.

 

Badische Zeitung 12.06.2009

Kranz-Wirtin ist das 100. Mitglied des Folktreffs

BONNDORF (BZ). 100 Mitglieder wollte der Folktreff dringend noch in diesem Jahr erreichen. Bereits jetzt ist es geschafft. 100. Mitglied ist Kranz-Wirtin Claudia Ketterer geworden. Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer bedankte sich bei Claudia Ketterer mit einem Blumenstrauß und gab ferner bekannt, dass sie als 100. Mitglied, ebenso wie das 99. und 101. Mitglied, ein Jahr lang keinen Beitrag zu entrichten brauche. "Sie haben ein Zeichen gesetzt, das dem gesamten Vorstandsteam des Folktreffs am Herzen liegt", so die Vorsitzende.

"Es geht bei der Mitgliedschaft im Verein nicht in erster Linie um Beiträge oder Mitarbeit", so die Vorsitzende, Gudrun Deinzer, "wir freuen uns vor allem auch über die ideelle Unterstützung, die den Aktiven damit zuteil wird." Speziell in einer Stadt dieser Größe könne es mitunter schwierig sein, ein qualitativ hochwertiges und professionell gestaltetes Programm anzubieten.

Genau das aber hat sich der Folktreff auf die Fahnen geschrieben. Die Anfänge vor rund 30 Jahren waren durchaus ambitioniert. Künstlerisch von Beginn an auf hohem Niveau, waren die Besucherzahlen nicht durchgängig zufriedenstellend. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Inzwischen sind Vorstellungen des Vereins wiederholt ausverkauft gewesen, durchschnittlich haben im vergangen Jahr rund 145 Zuschauer die Veranstaltungen des Folktreffs besucht.


"Dies ist natürlich eine Art von Anerkennung", so die Vorsitzende, "über die sich das gesamte hochmotivierte Team sehr freut." Allerdings sei so eine Mitgliedschaft durchaus nochmals eine besondere Bestätigung. Ein Augenmerk gilt in den nächsten Jahren der Zukunftsentwicklung. Wie in vielen gesellschaftlichen Bereichen, verzeichnet auch der Folktreff ein deutlich steigendes Durchschnittsalter der Mitglieder.

Wohl wissend, dass Kleinkunst in aller Regel nicht die ganz Jungen anspricht, möchte der Verein doch gerade jüngeren Menschen Türen öffnen: für Programmpunkte, zum Beispiel beim Schlossfest und auch für Mitarbeit. Bereits jetzt hat Aufbauminister Otmar Weishaar ein engagiertes junges Team zusammengestellt, das den Aufbau von Tischen und Stühlen tatkräftig unterstützt und so ganz nebenbei in die "Welt der Kleinkunst" hineinwächst. Erst vor wenigen Tagen wurde in einer Vorstandssitzung noch etwas Positives zur Bindung der Jugend beschlossen. Und zwar kommen in den Genuss von 50 Prozent Ermäßigung künftig "Jugendliche und Studenten" (bisher Schüler und Studenten). Damit hofft man, auch Azubis zu erreichen, die ja normalerweise keinen Schüler- oder Studentenausweis vorzeigen können.

Von Anfang an durch Stadt und Landkreis gefördert und unterstützt, kann der Folktreff Bonndorf inzwischen rund zehn Vorstellungen im Jahr anbieten, zumeist im Foyer der Stadthalle und im November im wunderschönen Ambiente des Schlosses. Die Bühne im Schlosshof versorgt der Folktreff samstags beim großen Schlossfest mit einer Band, was durchaus als kleines Dankeschön an Zuschauer und Stadt verstanden werden kann.

Etabliert hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls ein Open-Air. Zunächst im Schwimmbad, seit vergangenem Jahr ist der Veranstaltungsort dafür der romantische Schlossgarten.

Das diesjährige Open-Air findet übrigens Ende nächster Woche am 19. Juni statt. Es tritt die À Capella Boyband "Viva Voce" mit ihrem Programm "Tapetenwechsel" auf. Noch gibt es Karten im Touristinformationszentrum Bonndorf: Tel.: 07703-7607.

 

 

Südkurier 19.05.2009

Bandana lebt die Legende Johnny Cash

 
Vom ersten Ton weg zündete „Bandana“ beim Folktreff, traf die Band doch mit dem „Sound of Johnny Cash“ exakt die Vorstellungen des Publikums.
Foto: hel

Vom ersten Ton weg zündete „Bandana“ beim jüngsten Folktreff, traf die Band doch mit dem „Sound of Johnny Cash“ punktgenau die Vorstellungen des Publikums. Die Bonndorfer Kleinkunstinitiative hat damit die Palette der künstlerischen Vielseitigkeit um ein weiteres Genre erweitert und damit offensichtlich ins Schwarze getroffen. Countrymusic hat einen großen Fankreis und so füllte sich das Stadthallenfoyer wieder im Handumdrehen. Viele der Zuhörer entpuppten sich im Verlauf des Konzerts als veritable Kenner der Szene, die genau wussten, was sie hier hören wollten – und genau das auch bekamen.

Tatsächlich kann man Bandleader und Sänger Andreas Matthes attestieren, dass er den Altmeister der Countrymusic ganz nah am Original interpretiert, und zwar nicht allein aufgrund der tiefen Stimme, die pure Männlichkeit, Abenteuer und Sehnsucht nach Freiheit suggeriert, sondern auch mit einem instrumentalen Hintergrund, bei dem sich jeder der Akteure als Meister seines Fachs erweist. Bodo Martin am Kontrabass lockert die Szenerie zudem als Kaugummi kauendes, spaßiges Bühnentalent auf, der sein Instrument im Stehen, Sitzen und Liegen gleichermaßen souverän beherrscht.

Aber auch Markus Lang an der Rhythmusgitarre sowie Oliver Sachs am Schlagzeug sorgen für den richtigen Groove. Als der Bandleader gar noch zwei Mundharmonikas auspackt und darauf täuschend echt ein durch die Prärie dampfendes Stahlross imitiert, flippt das Publikum restlos aus.

 

Badische Zeitung 17.05.2009

Countrysongs aus einer anderen Welt

"Bandana" nennt sich die Gruppe, die beim Folktreff ihr Publikum mit Songs von Johnny Cash begeisterte. Bandana, das ist das Halstuch, mit dem sich die Cowboys vor Staub schützen. Zwar trug keiner der Musiker ein solches Tuch, aber Cowboystimmung kam trotzdem auf.

BONNDORF. "Bandana" nennt sich die Gruppe um den Sänger Andreas Matthes, die am Freitag beim Folktreff ihr Publikum mit Songs von Johnny Cash begeisterte. Bandana, das ist das Halstuch, mit dem sich die Cowboys vor Sand und Staub schützen. Zwar trug keiner der Musiker ein solches Tuch, aber Cowboystimmung kam trotzdem auf, schon mit den ersten Takten der Musik.

Ein von Kontrabass und Schlagzeug getriebener galoppierender Rhythmus verwandelte das Foyer der Bonndorfer Stadthalle in einen virtuellen Western-Saloon, wie er in John-Wayne-Filmen nicht eindrucksvoller dargestellt sein könnte. Zwar fehlten bei dem Bonanza-Sound die echten Pferde, dafür gab es einen ganz in Schwarz gekleideten Sänger mit ebenso schwarzer Bassstimme, der dem 2003 verstorbenen Johnny Cash, dem berühmten "Man in Black", eine Wiedergeburt bescherte. Ein Revival also, eine durchaus gewagte Sache angesichts der überragenden Bedeutung dieser Country-Legende.

Sänger Andreas Matthes und seine Begleiter beschränkten sich deshalb ganz bewusst auf die Zeit, als Johnny Cash bei Sun Records unter Vertrag stand, jener Plattenfirma, die damals auch Elvis Presley betreute. Es war die Zeit von 1955, seiner ersten Veröffentlichung zusammen mit den "Tennessee Two", Luther Perkins und Marshal Grant, bis 1967, dem Jahr, in dem Cash sich das Leben nehmen wollte und eine wilde Phase von musikalischer Kreativität, Erfolgsrausch und Drogenmissbrauch zu Ende ging.

Die Hits aus jener Zeit wirken heute zum Teil weit entfernt. Die nachdenklichen Texte über die Mühsal des Lebens auf dem Lande (How high is the water, momma), über Liebe (Ring of fire) und Einsamkeit (Where you go, I still miss someone), über die Sehnsüchte der Jugend (Hey Porter) ebenso wie über ihre Fehltritte (Folsom prison blues), all diese Texte scheinen aus einer anderen Zeit und einer anderen Welt zu kommen, doch mit der tänzerisch lockeren musikalischen Umsetzung kamen sie auch bei den Zuhörern in Bonndorf an. Dazu trug der rhythmische Drive der Band ebenso bei wie der Gesang des tief dröhnenden und bei den Ansagen leicht sächselnden Andreas Matthes, bei dem man sich immer wieder fragte, wo er das gewaltige Stimmvolumen herholt. Körpervolumen jedenfalls ist es nicht, das brachte eher Bassist Bodo Martin mit, der allerdings eher für die nicht verbalen Spaßeinlagen zuständig war – abgesehen davon, dass er neben Oliver Sachs am Schlagzeug und Markus Lang an der Rhythmusgitarre für einen angemessen satten Sound sorgte. Der mündete zwar nicht sofort in begeistertes Mitklatschen, auch wenn der kaugummikauende Spaßvogel am Stehbass dies wiederholt mit weit ausholender Geste einforderte, aber nach und nach gewann doch die drängende Suggestivität des Country-Rhythmus die Oberhand. Ergänzend kam gelegentlich die Sängerin Miriam Spranger in der Rolle von Cashs Ehefrau June Carter Cash zum Einsatz.

Alles in allem wurde der Abend dann auch für jene, die Johnny Cash nicht in ihrer CD-Sammlung haben, zum nachhaltigen Ereignis. Und die richtigen Fans bekamen nach dem offiziellen Teil des Programms im Rahmen eines kleinen Wunschkonzerts noch ihre Lieblingshits auf Zuruf nachgeliefert. Andreas Matthes bewies dabei, dass er sich bestens im Repertoire des Johnny Cash auskennt. Aber als es schließlich auf Mitternacht zuging, mussten er und seine Band dann doch endlich zum Schluss kommen. Auch wenn im Publikum nicht wenige gern noch mehr gehört hätten.
 

Badische Zeitung 12.05.2009

Hommage an Johnny Cash

BONNDORF (BZ). Johnny Cash ist die Ikone der Countrymusic, "Bandana" die meistgebuchte Coverband im deutschsprachigen Raum. Ein Muss für alle Country- und Cash-Fans ist demnach ihr Auftritt im Folktreff am Freitag, 15. Mai, im Foyer der Stadthalle Bonndorf.

Bandana – dahinter verbirgt sich nicht nur die aus dem Mexikanischen stammende Bezeichnung für die bekannten Halstücher der Cowboys, sondern auch ein Instrumentalstück aus der Feder des 2003 verstorbenen Johnny Cash.

Der Name ist Programm: die Songs des Altmeisters werden im authentischen Johnny Cash-Sound mit Gesang, E-Gitarre, Akustik-Gitarre, Kontrabass, Snare, Piano und Mundharmonika präsentieret.

Leadsänger Andreas Matthes erreicht einen schier unglaublichen Echtheitsgrad. Alle Markenzeichen des berühmten Vorbildes inklusive der markanten rauen Stimme werden hier geboten. Bandana – Sound of Johnny Cash ist am 15. Mai auf der Folktreffbühne in der Stadthalle zu hören und zu sehen. Einlass 19.30, Konzertbeginn 20.30 Uhr.

 

Badische Zeitung 05.04.2009


Sanfte Balladen über Glück und Liebe


"In solch unruhigen Zeiten suchen wir doch alle unsere Oasen." Mit diesem Bekenntnis eröffnete die Sängerin und Liedschreiberin Christina Lux ihren Auftritt im voll besetzten Foyer der Stadthalle und schmeichelte gleich auch dem Bonndorfer Publikum.

BONNDORF. "In solch unruhigen Zeiten suchen wir doch alle unsere Oasen." Mit diesem Bekenntnis eröffnete die Sängerin und Liedschreiberin Christina Lux ihren Auftritt im voll besetzten Foyer der Stadthalle und schmeichelte gleich auch dem Bonndorfer Publikum. Dieser Ort hier im Schwarzwald sei doch wahrlich eine Oase - auch wenn der kurvige Weg dorthin einen oft schwindlig machen kann.

Die Kölner Songwriterin Christina Lux verbreitete beim Folktreff in Bonndorf musikalischen und moralischen Optimismus ohne Ende. | Foto: Gerhard Wiese.Und weil eine viel reisende Künstlerin nie genau weiß, was sie am Auftrittsort erwartet, hat Christina Lux sich ihre kleine private Oase gleich mitgebracht: einen roten Teppich und eine zierliche, sanft geschwungene Bodenlampe mit Pergamenthaut bespannt. Die strahlt ein mildes gelbliches Licht aus und verwandelt die Bühne in ein behagliches Wohnzimmer: "Es ist doch schön kuschelig hier." Und in diesem geradezu intimen Rahmen singt und spielt die in Karlsruhe geborene Musikerin ihre milden Balladen mit sanfter, nur selten etwas lauter und ein wenig rauchiger werdender Stimme, begleitet von einer virtuos gezupften, gestreichelten oder geklopften Gitarre. Ihre meist in englischer Sprache verfassten lyrischen Texte verbreiten Zuversicht, ihr großes Thema ist die Liebe, beginnend bei der Liebe zu sich selbst: "Become your own best friend" - "Werde dein eigener bester Freund", empfiehlt sie gleich im ersten Song. Und sie setzt die musikalischen Bekenntnisse fort in den Moderationen zwischen den Liedern, versucht, den Hörern, vor allem den Frauen unter ihnen, das Bewusstsein zu vermitteln: "Hier bin ich, und das ist gut so." So sollte jede von ihnen sich sehen, wenn sie in den Spiegel schaut und sich fragt: "Mag ich denn das, was ich da sehe?" Das ist ihre Botschaft, dass jeder nach seinen Glücksmöglichkeiten Ausschau halten möge, versuchen sollte, das Gegebene unter dem Blickwinkel der Liebe zu betrachten. Dann erstrahlen am dunklen Himmel der Nacht "Fireworks, beautiful Lights" -"Feuerwerke, wundervolle Lichter". Wer sich bei den bitteren Seiten des Lebens aufhält, wer sich zu sehr mit dem Unglück auseinander setzt, statt das Licht zu bemerken, das uns umgibt, dem wird das Herz hart, beteuert Christina Lux und hüllt das Publikum mit schmeichelnden Klängen ein, mal ein bisschen Folk, mal etwas Soul und immer wieder auch jazzige Zwischentöne.

Und selbst vor dem Gestus eines schlichten deutschen Schlagers scheut die Songwriterin nicht zurück, wenn es darum geht, die "wunderbaren" Momente des Lebens zu beleuchten. "Es kann nichts wunderbarer sein, als wenn der Freund in einer schwierigen Lage sagt: Hier ist meine Schulter, leg deinen Kopf darauf." So tragen ihre Lieder Titel wie "Arms wide open" oder "Coming Home At Last", sie besingen das Glück eines wohlgeordneten Zuhause, den Traum von innerer wie äußerer Geborgenheit in einer ruhelosen Welt. Und dann wird Christina Lux sogar etwas politisch, wenn sie sich, ohne allerdings weiter auf Gründe einzugehen, darüber freut, dass die lange Ära des amerikanischen Präsidenten George W. Bush jetzt zu Ende ist. Sie weiß sogar zu berichten, wie am Tag zuvor der neue Präsident Barack Obama auf seinem Flug zum Nato-Gipfel mit dem Hubschrauber über sie hinweg geflogen ist, und sie ihm zugewinkt hat: "Hier bin ich, Christina Lux." Alles wird gut: "In diesem Himmel voller Ewigkeit möchte ich tanzen." Das Publikum bedankte sich mit begeistertem Applaus.

 

Südkurier 03.04.2009

Folktreff wartet auf 100. Mitglied

Auf ein sehr erfolgreiches Vereinsjahr blickten die Mitglieder in der Hauptversammlung des Folktreffs zurück. Dabei machte die seit einem Jahr amtierende Vorsitzende Gudrun Deinzer deutlich, dass dieser Erfolg nur dank der Unterstützung der Stadt, des Kreises, zahlreicher Gönner und der Hilfe etlicher Mitglieder möglich ist.
 
Das Vorstandsteam des Folktreff Bonndorf berichtete in der Hauptversammlung vom bisher erfolgreichsten Jahr in der Geschichte des Folktreff (von links): Walter Zürn (Neuer Koordinator Auf- und Abbau), Vorsitzende Gudrun Deinzer, der wiedergewählte stellvertretende Vorsitzende Bernd Zimmermann, Schriftführerin Ute Kaiser und der wiedergewählte Kassierer Klaus Pfendler.
Foto: Friedrich

Bonndorf – Etwa ein Viertel der derzeit 96 Mitglieder nahmen an der Hauptversammlung teil. Namentlich dankte Gudrun Deinzer der Stadt mit Bürgermeister Michael Scharf, dem Kulturdezernenten des Landkreises, Jürgen Glocker und ganz besonders ihrer Vorgängerin Martha Weishaar. Von ihr habe sie einen bestgeordneten Verein übernommen und sie stehe zudem als „Beratungsministerin“ zur Seite.

Sie nannte auch die vielen unentbehrlichen Helfer wie das Technik-Team, das Bewirtungs-Team, das Auf- und Abbau-Team und die kompletten Vorstandsriege, deren Arbeit oft über das übliche Maß hinausgehe. Immerhin seien es zwischen 20 bis 25 Mitglieder, die bei jeder Veranstaltung tatkräftig mithelfen würden. „Doch zum richtigen Erfolg werden die Folktreff-Veranstaltungen erst durch das tolle Publikum“, befand die agile Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer.

Schriftführerin Ute Kaiser erinnerte an die Programmpunkte des vergangenen Jahres und hob noch einmal die besonderen Höhepunkte wie „Little Venus“ oder die A-Cappella-Boyband „Viva Voce“ im völlig ausverkauften Stadthallen-Foyer hervor. Unvergesslich sei auch das stimmungsvolle Open-Air-Konzert im Schlossgarten mit den „Paperboys“ oder der Auftritt des grandiosen, mittlerweile unbezahlbaren Damen-Quartetts „Salut Salon“ im Schloss. Alles in allem sei 2008 das bisher erfolgreichste Jahr in der Geschichte des Folktreff gewesen.

Kassierer Klaus Pfendler konnte diese Entwicklung nur bestätigen und berichtete, dass der durchschnittliche Besuch um zwölf Prozent auf 145 Besucher pro Veranstaltung gestiegen sei. Die Vereinskasse wurde vor allem durch die gestiegenen Künstlergagen, einen Vereinsausflug sowie durch einige Anschaffungen wie Stehtische und technisches Equipment belastet. Dennoch sei die Kassenlage stabil, so dass der Kassierer auf Antrag von Kassenprüfer Jürgen Wientzek entlastet wurde.

Bei den Neuwahlen des Kassierers und des zweiten Vorsitzenden stellten sich die beiden bisherigen Vorstandsmitglieder Klaus Pfendler und Bernd Zimmermann zur Wiederwahl und wurden für weitere zwei Jahre in ihre Ämter gewählt. Neu im Team ist Walter Zürn, der den stellvertretenden Vorsitzenden Bernd Zimmermann zukünftig beim Auf- und Abbau unterstützen wird.

Ein besonderes Augenmerk will der Verein auf die Mitgliederwerbung legen. Zwar konnten seit 2003 mehr als 60 neue Mitglieder gewonnen werden, jedoch hofft die Vorsitzende Gudrun Deinzer, schon bald das 100. Mitglied begrüßen zu dürfen, das übrigens ein Jahr lang keinen Beitrag bezahlen muss. Gudrun Deinzer bat die anwesenden Mitglieder, kräftig die Werbetrommel zu rühren und stellte Getränkebons als Werbeprämie in Aussicht. Auch im zweiten Halbjahr stehen illustre Gäste, zum Teil schon bekannt aus Funk- und Fernsehen auf dem Veranstaltungsprogramm des Folktreff.

In ihrer Vorschau auf das kommende Veranstaltungsjahr verriet Gudrun Deinzer schon jetzt einige vielversprechende Auftritte, auf die sich die Folktreff-Besucher wirklich freuen können.

 

 

Badische Zeitung 26.03.2009

Lux erleuchtet den Folktreff

HOCHSCHWARZWALD. Eine Melange aus Folk, Soul und Jazz, eine intensive Stimme und bewegende Gedanken erwartet die Folktreffbesucher am Freitag, 3. April: Von 20.30 Uhr an gastiert Christian Lux in der Bonndorfer Stadthalle.

"Wie viel Lux mag diese Frau haben, gemessen in gleichnamigen Beleuchtungsstärken, dass sie unsere Seelen derart zum Leuchten bringen kann?" fragt das Magazin Melodie & Rhythmus, "es müssen respektabel viele sein…"

Die Stimme und das ungewöhnliche Gitarrenspiel der Autodidaktin verschmelzen zu einer Einheit. "Ich brauchte ein Werkzeug, um meine Songideen umzusetzen. Und da war diese Gitarre. So hat sich mein Stil entwickelt", sagt Christian Lux. Mit Hingabe und Leidenschaft erzählt sie von ihrer Innen- und Außenwelt. Ihre Musik zelebriert sie mit starker Dynamik, Mut zu stillen Momenten, rhythmisch mitreißend und mit offenen, fließenden Akkorden, die ihrer Stimme viel Raum lassen. Die Texte erzählen von gestrandeten Seelen, von Scheinheiligkeit, der ewigen Veränderung und der Kunst damit seinen Frieden zu machen.

Christina Lux begann ihre Laufbahn 1989. Von 1994 bis 98 gehörte sie der A-cappella-Formation "Vocaleros" an. Seither konzentrierte sich auf ihre eigenen Songs und ihre Gitarre, tourte in Deutschland, in der Schweiz, in Italien und Österreich, brachte sechs Alben heraus und machte sich einen Namen als Songpoetin.  

 

Badische Zeitung 31.03.2009

Erfolgreichstes Jahr in der Geschichte des Folktreffs

BONNDORF (mhw). Die Erfolgskurve der Kleinkunstinitiative Folktreff zeigt auch unter der Ägide der neuen Vorsitzenden Gudrun Deinzer weiter nach oben. Dies wurde in der Mitgliederversammlung am Donnerstag deutlich. Das künstlerische Niveau der Veranstaltungen konnte abgesehen von ein oder zwei Ausnahmen eindeutig gesteigert werden, was beim Konzert von "Viva Voce" zum ersten "ausverkauft" im Stadthallenfoyer führte. Bereits im Vorverkauf war auch die Novemberveranstaltung im Schloss mit "Salut Salon" ausverkauft. Während "Viva Voce" dieses Jahr beim Open-Air- Konzert im Schlossgarten erneut ein Gastspiel geben werden und damit all die Fans, die abgewiesen werden mussten, in den Genuss kommen, die A-cappella-Boygroup live zu erleben, gibt es mit "Salut Salon" aufgrund der exorbitant gestiegenen Gage kein Wiedersehen, bedauerte Gudrun Deinzer. Zauberhafte Stimmung bescherten die "Paperboys" beim Open-Air Konzert im Schlossgarten, das dank tatkräftigen Engagements von Bürgermeister Michael Scharf und Mitarbeitern des Bauhofs kurzfristig an diesen Veranstaltungsort verlegt wurde. Positiv wirkt sich der Kartenvorverkauf in der Tourist-Information aus.

Schriftführerin Ute Kaiser ergänzte die Rückschau auf das abgelaufene Vereinsjahr, das vom Ideenreichtum und der Umtriebigkeit der neuen Vorsitzenden in Sachen Veranstaltungsorganisation und Marketing geprägt war. Sie bilanzierte rückblickend auf sämtliche Veranstaltungen das Jahr 2008 als das wahrscheinlich erfolgreichste in der bisherigen Geschichte des Folktreff. In konkreten Zahlen belegte dies Kassierer Klaus Pfendler, denn mit durchschnittlich 145 Besuchern fiel die Statistik um zwölf Prozent besser aus als im Vorjahr. Der Anspruch an hochkarätige Künstler bedingte allerdings auch einen Anstieg der Gagen um 20 Prozent, der sich auch im laufenden Jahr im zweistelligen Bereich fortsetzen wird. Belastet wurde die Kasse ferner durch die Anschaffung weiterer runder Tische für das Foyer sowie diverser technischer Ausrüstung für Licht und Ton, welche nun optimal verkabelt sind. Dennoch kann der Verein mit einem soliden Kassenstand beruhigt die nächsten Veranstaltungen angehen. Die Mitgliederzahl konnte auf nunmehr 96 gesteigert werden. Sieben Neuzugänge waren im Jahr 2008, drei weitere im laufenden Jahr zu verzeichnen. 17 Mitglieder halten dem Verein bereits seit Gründung vor 20 Jahren die Treue.

Die anstehenden Neuwahlen verliefen unter Wahlleitung von Otmar Weishaar zügig, da sowohl der Stellvertretende Vorsitzende Bernd Zimmermann als auch Kassierer Klaus Pfendler ihr Amt für weitere zwei Jahre ausüben werden. Unterstützt wird das Vorstandsteam künftig von Walter Zürn als neuem "Abbauminister".

Um dem Folktreff weitere ideelle Unterstützung in der Bevölkerung zu sichern, aber auch den Kreis der ungefähr zwei Dutzend Helfer bei den Veranstaltungen auszuweiten, sollten weitere Mitglieder gewonnen werden, appellierte Gudrun Deinzer. Beim Blick auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen stellte sie fest, dass der Verein von der Gründung bis zum Jahr 2003 konstant 29 Mitglieder zählte. Bei ihrer Amtsübernahme im Jahr 2008 waren es 60 mehr und diese Tendenz soll nun fortgesetzt werden. Die Idee sei zwar geklaut, aber künftig erhält jeder, der ein neues Mitglied wirbt, zwei Freigetränke bei einer Veranstaltung. Dem hundertsten Mitglied wird für das erste Jahr der Beitrag erlassen.

Für die gewährte finanzielle und ideelle Unterstützung der Kleinkunstinitiative dankte die Vorsitzende sowohl der Stadt Bonndorf als auch dem Kulturdezernat des Landratsamtes. Gudrun Deinzer dankte aber auch den Teams von Technik, Auf- und Abbau sowie Bewirtung und ihren Vorstandskollegen für das geleistete Engagement zum Gelingen der Veranstaltungen.

Der Teamgeist sei beispielhaft und die Organisation gelinge ohne jeweilige vorherige Zusammenkünfte, weil jeder seinen Job super erledigt.  

 

Südkurier 25.03.2009

Erleuchtung im Folktreff

Christina Lux im Folktreff: Eine feine Melange aus Folk, Soul und Jazzelementen mit einer intensiven, großartigen Stimme und bewegenden Gedanken erwartet die Besucher am 3. April, im Foyer. „Wie viel Lux mag diese Frau haben, gemessen in gleichnamigen Beleuchtungsstärken, dass sie unsere Seelen derart zum Leuchten bringen kann?“ fragt das Magazin Melodie & Rhythmus. „Es müssen respektabel viele sein…“ Wer hier nun wen umschmeichelt, die Gitarre die Stimme oder umgekehrt, ist schwer zu sagen. Diese Stimme, die so enorm kraftvoll sein kann und im nächsten Moment ganz zart, fast zerbrechlich und das ungewöhnliche Gitarrenspiel der Autodidaktin verschmelzen zu einer höchst faszinierenden Einheit.

Mit Hingabe und Leidenschaft erzählt sie von ihrer Innen- und Außenwelt und berührt damit zutiefst. Sie tut das mit Charisma, Präsenz und Klarheit. Ihre Musik zelebriert sie mit starker Dynamik, Mut zu stillen Momenten, rhythmisch mitreißend und mit offenen, fließenden Akkorden, die ihrer großen Stimme viel Raum lassen.

Und dann sind da ihre Texte. Umwerfend offen, niemals aber entzaubernd, sondern eher wie ein Spiegel, in dem man sich selbst entdecken kann, wenn man denn will.

1989 beginnt sie ihre musikalische Laufbahn. Von 1994 bis 1998 ist sie ein Teil der A-Capella Formation Vocaleros, mit der sie zwei Alben veröffentlicht. 1998 verlässt sie die Band, konzentriert sich ganz und gar auf ihre eigenen Songs und ihre Gitarre, tourt in Deutschland, in der Schweiz, in Italien und Österreich, bringt sechs Alben heraus und macht sich einen Namen als Songpoetin.

Christina Lux am 3. April im Foyer der Stadthalle. Beginn 20.30 Uhr, Einlass 19.30 Uhr. Kartenvorverkauf: Tourist Information, Telefon 07703/7607

 

Badische Zeitung 17.03.2009

Klamauk mit Tiefgang

BONNDORF. Zwei Stunden lang konnte sich das Publikum im drangvollen Foyer der Stadthalle köstlich amüsieren, als "Butterfahrt 5" ihre Comedyshow abzog. Dass es keine Sekunde langweilig wurde bei dieser turbulenten Parade musikalischer Stilrichtungen und Ausdrucksformen, lag am Tempo der Szenenwechsel und an der Qualität der musikalischen wie schauspielerischen Leistungen.

Außerdem umschifften die Essener Butterfahrtkapitäne erfolgreich alle Klippen seichter oder peinlicher Gags und hielten ihre Parodien und satirischen Spitzen auf einem gleich bleibend hohen intellektuellen Niveau. Das verhinderte manchem den allzu schnellen Zugang zu Liedern, Texten und kabarettistischen Pantomimen, aber von Nummer zu Nummer spürte man förmlich, wie das Publikum sich dem Spiel öffnete und mitging.

Der Beginn: Ein wehmütiges Schifferklaviersolo kippte unversehens um in derbe, feuchtfröhliche Hafen-Schunkelmusik samt einem Hamburger Fischhallenverkäufer, der mit kernigen Sprüchen Makrelen und Aale feilbot. Von "Ik hev mol in Hamburg en Veermaster sehn" ging es über zu Klaus Lages "Tausendmal berührt", den die fünf Musiker in schwarzem Anzug und mit Baseballkappen als zackigen Rap präsentierten. Dann "Love me tender", Elvis Presleys großartige Schnulze, neu komponiert als barockes Tanzliedchen, hauchzart gesungen und galant begleitet von Laute und Cembalo.

Durch solche Wechselbäder gejagt, verging den Zuhörern oft genug Hören und Sehen. Gerade noch gelacht und schon wieder zu Tränen gerührt. Eben haben die Musiker noch mit Kinderxylofonen "The winner takes it all" von Abba als wahres musikalisches Kabinettstückchen inszeniert, da säuseln sie plötzlich mit venezianische Masken getarnt Cindy Laupers "Girls just wanna have fun".

Und immer wieder verwirren sie durch abrupte Stimmungswechsel im Stück selbst. Da stürzen sich die fünf Verwandlungskünstler mit peruanischen Strickmützen und landestypischen Instrumenten in einen expressiven, virtuos instrumentierten Klagegesang und landen plötzlich im seichten Panflötenkitsch der sogenannten Anden-Musik.

Das alles ist von einer geradezu unglaublichen Perfektion. Die Musik ist durchweg hervorragend, und mancher große Hit der Vergangenheit gewinnt noch durch die Neufassung. Dazu eine faszinierende schauspielerische Leistung, und zwar bei allen fünf Musikern, die immer ganz präsent sind, auch wenn sie mal nichts zu tun haben. Zum Beispiel, wenn Gitarrist Markus Rewinkel die Gehörgänge der Zuhörer mit "TNT" von AC/DC aufs Schaurigste traktiert und dann auch noch, obszön mit der Zunge wedelnd, ins Publikum hineinsteigt und den einen oder anderen böse angeht.

"Butterfahrt 5" verballhornt nicht einfach Hits aus Rock und Pop. Die Gruppe nimmt die Musik ernst, horcht hinein und entwickelt daraus vollkommen neue Songs, im fliegenden Wechsel zwischen lustig und ernsthaft, schmerzvoll und absurd. Wobei die Spannung zwischen dem ursprünglichen Stück und der neuen Fassung einen wesentlichen Anteil hat an der bezwingenden Wirkung. So bezwingend, dass Sänger Philipp Stempel, der sein strahlendes Charmeurlächeln nach Belieben an- und abschalten kann, nur zweimal kurz zu klatschen braucht, bis das komplette Publikum mitgeht, und zwar in atemberaubendem Tempo.

Am Schluss dürfen die Damen dann auch noch kreischen wie die kleinen Mädchen bei den beliebten Boygroups und dann endet die Vorstellung mit noch immer sich steigernden Zugaben. Jetzt will keiner mehr, dass es je aufhört. Bis auf die Musiker, denen dann doch die Mühe der großen Kunst ins Gesicht geschrieben steht. Sie sollten unbedingt wiederkommen.  

 

Südkurier 18.03.2009

Butterfahrt der ganz anderen Art

Die Essener Band „Butterfahrt 5“ bot bei ihrem Auftritt im Bonndorfer Folktreff ein ungewöhnliches, jedoch spektakuläres Programm. Spaß war garantiert bei dieser Performance, bei der zahlreiche Rock- und Pop-Klassiker eigenwillig interpretiert wurden.
Foto: Friedrich

Wer eine Verkaufsveranstaltung des Folktreffs hinter dem Namen „Butterfahrt 5“ vermutete, war in diesem Fall schief gewickelt. Vielmehr handelte es sich bei der Essener Band „Butterfahrt 5“ um ein geniales Quintett, das durch seine eigenwilligen und witzigen Interpretationen von Rock- und Pop-Klassikern begeisterte. Dabei bedienten sich die fünf Multi-Instrumentalisten (Philipp Stempel, Gesang, Volker Naves, Schlagzeug, Robert Mayer, Keyboards, Marcus Rehwinkel, Gitarre und Markus Heijenga, Bass) solcher Instrumente wie Akkordeon, Gitarre, Schlagzeug, Keyboards, Saxofon, Tuba, Klarinette, Querflöte, Ukulele, Panflöte und Melodica, um ihr vielseitiges Können professionell unter Beweis zu stellen.

Ansonsten benötigten sie nur einige wenige Requisiten und ihr komisches schauspielerisches Talent, um von einer Minute auf die andere in eine andere Rolle zu schlüpfen und das Publikum zu Lachtränen zu animieren.

Bei „Butterfahrt 5“ handelt es sich aber bei weitem nicht um eine gewöhnliche Coverband, sondern um fünf äußerst kreative Ausnahmemusiker, deren Repertoire vom stimmigen A-Capella-Gesang einer Boygroup bis zur Volksmusik-Blaskapelle reicht, die Madonna's „Material Girl“ kurzerhand zum „Bavarian Girl“ umfunktionierte. Zum Brüllen auch die Nummer, in der die „B 5“-Jungs zu Zwergen mutiert waren und in Begleitung ihrer Ukulelen den Ohrwurm von Tokio-Hotel „durch den Monsun“ kreischten. Ein weiterer Angriff auf das Zwerchfell folgte mit der eher geflennten als gesungenen Heulorgie „Nothing compares to you“ von Sinéad O'Connor, wofür sich die Musiker kurzerhand Glatzen zugelegt hatten.

Badische Zeitung 10.03.2009

Butterfahrt 5 auf Schredderkurs

HOCHSCHWARZWALD. Musik-Comedy für Fortgeschrittene ist angesagt am Freitag, 13. März. Butterfahrt 5 nennt sich die Formation, die von 20.30 Uhr an auf der Folktreffbühne in der Stadthalle Bonndorf Klassiker aus dem Kollektivmusikgedächtnis von AC/DC über Abba bis hin zur neuen deutschen Welle in ihre Primfaktoren zerlegt, um sie in neuem Gewand wieder auferstehen zu lassen.

Die fünf Herren in den dunklen Anzügen und weißen Schuhen wirken auf den ersten Blick seriös. Wenn da nur nicht diese Mützen wären. Wollenes aus Peru, kunstvoll gewirkt, ganz so, wie es Anden-Cowboys mögen, wenn sie mit Panflöte und Trommel in deutschen Fußgängerzonen den Condor fliegen lassen. Bei Butterfahrt 5 fliegen Möwen. Und die stehen auf "KISS". "I was made for loving You" im südamerikanischen Folkmäntelchen.

Das Essener Quintett persifliert Hits "schreiend komisch auf musikalisch und komödiantisch überragendem Niveau", schrieb der Bonner Generalanzeiger. "Love me Tender" als Kammermusik für E-Gitarre und Cembalo, "Don’t stop me now" als französisches Chanson, Madonnas "Material Girl" als bayerische Volksmusik und "Stayin’ alive" wird zum Heavy-Metal-Schocker.

Ein Abend mit Butterfahrt 5 ist ein Abenteuer, eine Entdeckungstour durch die Musikgeschichte, eine verblüffende Abrechnung mit den Hörgewohnheiten. VHS-Rock, Mini-Band und Musikantenstadl – jeder Song ist eine Neuentdeckung, jede Nummer funkelt vor Spielfreude und anarchischem Witz.

Der Humor ist mal leise, fast subtil, viel öfter jedoch skurril, manchmal gar anarchisch. Wenn sich der gesamte Blödsinn, den das Quintett so ausheckt, dann noch mit rotzfrecher Clownerie paart, ist die Mischung perfekt. Den Rest besorgt die Musik. Und mit 30 Instrumenten lässt sich eine ganze Menge Musik machen.

Butterfahrt 5: Das sind Philipp Stempel (Gesang, Klarinette, Saxophon und Panflöte), Volker Naves (Schlagzeug, Pauke, Melodica und Gesang), Robert Mayer (Keyboards, Mundharmonika, Querflöte, Ukulele und Gesang), Marcus Rehwinkel (Gitarre, Charango, Saxophon, Ukulele und Gesang) und Markus Heijenga (Bass, Tuba, Ukulele und Gesang).

 

Südkurier 21.01.2009

Nonstop aufs Zwerchfell

 
„Doof geht immer!“ und „mit bekloppt kommste weiter“ stellt Fliegenklatschenverkäufer Willi Fröhlich fest und führt dabei so prominente Zeitgenossen wie Dieter Bohlen an. Auch Reich-Ranicki geht ganz einfach: „Sie müssen nur lispeln und spucken!“
Foto: Friedrich

Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer hatte mit dem Engagement des Komikers „Herr Fröhlich“ alias Arno Markgraf, der vor gut 160 Besuchern im Foyer der Bonndorfer Stadthalle sein Programm „Keiner klatscht besser“ präsentierte, einmal mehr einen Volltreffer gelandet. In ihrer Begrüßung betonte sie, dass eine solche Veranstaltung mit den Helfern steht und fällt. Für ihre besonderen Verdienste ehrte sie Mitglied Bernd Zimmermann, zuständig für Auf- und Abbau, und (in Abwesenheit) Folktreff-Webmaster Andreas Schmitt.

Schon kurze Zeit nach dem ersten Auftritt des wortwitzigen Multitalents Herr Fröhlich folgte eine Lachsalve der nächsten. Nur die Gäste in der vordersten Reihe hielten sich vielleicht etwas zurück, nämlich gleich zu Beginn der Veranstaltung hatte sich der Komödiant seine „Opfer“ auserwählt und so fragte er einen Zuschauer: „Haben Sie gute Laune? – Dann lassen Sie es ihr Gesicht wissen!“ Was folgte, war ein energiegeladenes, geniales Feuerwerk aus Poetik, Artistik und musikalischen Darbietungen auf selbstkreierten Instrumenten. So entlockte Herr Fröhlich einem Notenständer mit Mundstück die Eurovisionsmelodie, und auf einer zum „transsexuellen Cello“ umfunktionierten Mülltonne spielte er das „selbstkompostierte“ Stück „Ode an die Mülltonne (Freude)“ Auch eine Art Alphorn aus Trichter und Rohrstücken, oder eine „Gesäß-Violine“ zeugten von der unglaublichen Kreativität des hochdekorierten Künstlers. Bei seiner Demonstration der „Po-Bratsche“ meinte Herr Fröhlich: „Stellen Sie sich auf diesem Instrument doch nur einmal die Hämorrhoiden der Volksmusik vor!“ Ein Laubsauger diente als Basis für das Instrument, das als Elektroviagra für alle Zukurzgekommenen umschrieben wurde und auf dem der Komiker passenderweise den Dylan Song „The answer is blowin' in the wind“ vortrug. Herr Fröhlich ist übrigens auch Erfinder der bisher unbekannten Stadtgedichte, die, dargeboten im Stil der beiden Komiker Heinz Erhard und Otto, für großes Gelächter sorgten. So kam es zum Beispiel über die „Dienstlaken“ im horizontalen Gewerbe zum heutigen Namen der Stadt Dinslaken und Verona und Paris sind für ihn die beiden „Hauptstädte der Blödheit“. Eine weitere Erfindung Willi Fröhlichs ist der „Ein-Mann-Spielmannszug“ – „da sparste 30 Leute!“. Zur Musik aus Edvard Griegs „Morgenstimmung“ trainiert er für Olympia in seiner Paradedisziplin, der Rhythmischen Sportgymnastik.

Durch das Arbeitsamt bekommt Herr Fröhlich schließlich einen Job als Fliegenklatschenverkäufer bei der Briloner Fliegenklatschenmanufaktur (BFM). Nach einer Verkaufsschulung bei „ Mutti“, soll heißen bei einer Motivationstrainerin, reist Willi Fröhlich durch die Lande und versucht auf seinen Klatschenparties die Leute in Kaufstimmung zu bringen. „Macketing“, so hat er gelernt, heißt „aus nichts etwas machen.“ Im Verlauf der Show gesteht er dem Publikum allerdings ein, dass er noch nie eine einzige Fliegenklatsche verkauft hat. Kein Wunder, preist er doch Raritäten wie Esoterik-Klatschen oder Recycling-Klatschen („Fangen Sie die Fliegen drei Mal“) zu astronomischen Preisen an.

Auch in der Liebe ist Herr Fröhlich bisher erfolglos. Vielleicht hört er zu stark auf seine Mutti, die ihm rät: „Such dir eine, die kochen kann, dass wenn die Liebe geht, das gute Essen bleibt!“ Nach dieser Power-Show gab es die Zugaben „God shave the Queen“ gespielt auf diversen Rasierapparaten und den gegurgelten Sinatra-Klassiker „My way“, ehe Herr Fröhlich von einem restlos begeisterten Publikum verabschiedet wurde.

Annette Friedrich

Südkurier 20.01.2009

Eintrittskarten aufbewahren

 
Bonndorf (af) Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer erläuterte beim Auftakt der diesjährigen Folktreff-Reihe eine interessante Neuerung und empfiehlt den Besuchern ihre Eintrittskarten aufzubewahren. Aus den Eintrittskarten aller zwölf Folktreff-Veranstaltungen in diesem Jahr ergibt sich ein Puzzle. Ist das Puzzle am Jahresende komplett, nimmt man an einer Verlosung teil, bei der es Eintrittskarten für Folktreff-Veranstaltungen zu gewinnen gibt. Wer mindestens fünf Eintrittskarten vorweisen kann, hat ebenfalls die Chance auf einen schönen Gewinn. Hier gibt es in einer weiteren Verlosung CDs, DVDs, Bücher und sonstige Artikel der Folktreff-Künstler zu gewinnen. Derzeit gibt es etwa 90 Folktreff-Mitglieder und für das 100. Mitglied verspricht Vorsitzende Gudrun Deinzer ein Jahr lang freie Mitgliedschaft. Der Jahresbeitrag beläuft sich derzeit für Einzelpersonen auf 15 Euro, für Familien auf 25 Euro. Mitglieder des Folktreffs zahlen für den Besuch der Veranstaltungen zwei Euro weniger Eintritt. Jugendliche, Schüler und Studenten bezahlen acht Euro. Die regulären Eintrittspreise schwanken zwischen 10 und 12 Euro.

 

Südkurier 20.01.2009

Eintrittskarten aufbewahren

Bonndorf (af) Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer erläuterte beim Auftakt der diesjährigen Folktreff-Reihe eine interessante Neuerung und empfiehlt den Besuchern ihre Eintrittskarten aufzubewahren. Aus den Eintrittskarten aller zwölf Folktreff-Veranstaltungen in diesem Jahr ergibt sich ein Puzzle. Ist das Puzzle am Jahresende komplett, nimmt man an einer Verlosung teil, bei der es Eintrittskarten für Folktreff-Veranstaltungen zu gewinnen gibt. Wer mindestens fünf Eintrittskarten vorweisen kann, hat ebenfalls die Chance auf einen schönen Gewinn. Hier gibt es in einer weiteren Verlosung CDs, DVDs, Bücher und sonstige Artikel der Folktreff-Künstler zu gewinnen. Derzeit gibt es etwa 90 Folktreff-Mitglieder und für das 100. Mitglied verspricht Vorsitzende Gudrun Deinzer ein Jahr lang freie Mitgliedschaft. Der Jahresbeitrag beläuft sich derzeit für Einzelpersonen auf 15 Euro, für Familien auf 25 Euro. Mitglieder des Folktreffs zahlen für den Besuch der Veranstaltungen zwei Euro weniger Eintritt. Jugendliche, Schüler und Studenten bezahlen acht Euro. Die regulären Eintrittspreise schwanken zwischen 10 und 12 Euro.

Badische Zeitung 19.01.2009

Ein Blödelkünstler mit Niveau

"Herr Fröhlich" nennt sich nicht nur so, er scheint auch ein solcher zu sein und bei der ersten Folktreffveranstaltung des neuen Jahres gelang es dem multitalentierten Blödelkünstler  mühelos, die Zuschauer ebenso fröhlich zu stimmen und zu begeistern.

BONNDORF. "Herr Fröhlich" nennt sich nicht nur so, er scheint auch ein solcher zu sein und bei der ersten Folktreffveranstaltung des neuen Jahres gelang es dem sauer- oder auch rheinländischen multitalentierten Blödelkünstler  mühelos, die Zuschauer ebenso fröhlich zu stimmen und zu begeistern.

Arno Markgraf – wie der Mann im "richtigen Leben" heißt – kaspert, turnt, zaubert, musiziert und zappelt schwadronierend durch ein kurzweiliges Programm, das an Vielseitigkeit wohl kaum zu übertreffen ist. Die Zuschauer, wieder mal gut und gerne mehr als 160 an der Zahl, lassen sich bereitwillig auf die Blödeleien ein, lassen diese doch keineswegs Niveau vermissen. Die bestens abgestimmte Licht- und Tontechnik trägt ein Übriges dazu bei, im Stadthallenfoyer fast so etwas wie Zirkusatmosphäre aufkommen zu lassen, während Herr Fröhlich nahtlos Akrobatik und Wortwitz, Musikeinlagen und Jonglagen, Clownerie und Dichtkunst aneinander reiht und dabei nicht versäumt, die nervliche Belastbarkeit einiger Zuschauer, vornehmlich in erster Reihe, auf die Probe zu stellen. "Haben Sie gute Laune? Dann lassen Sie das doch auch Ihr Gesicht wissen", ist dabei noch eine der harmlosen Aufforderungen, womit er die Damen und Herren in seiner Reichweite konfrontiert. Auf Einzelschicksale kann Herr Fröhlich keine Rücksicht nehmen und spätestens als er bündelweise Salzletten mampft während er seine Show im wahrsten Sinn des Wortes vollmundig  fortsetzt, wünscht sich der eine oder die andere sehnlich einen Sitzplatz in den hinteren Rängen. Eine inhaltliche Aussage braucht man bei Herrn Fröhlich nicht zu suchen, denn die gibt es nicht. Er räumt unumwunden ein, dass bei ihm in der Schule nur sehr kurze Zeit ein Verdacht auf Hochbegabung bestand. Was es gibt ist jedoch eine ungeheure Kreativität in Sachen Instrumentenbau und Verwendung derselben. Aus Gießkannen, Trichtern, Rohrstücken, Mülltonnen, Tetrapacks oder sonstigem Schrott konstruiert der Unterhaltungsprofi abenteuerliche Instrumente, präsentiert Weltneuheiten wie Notenständerposaune oder Arschgeige, auf welcher er mühelos "What a wonderful world" wiedergibt, und lehrt die Zuschauer nebenbei eindrücklich neue Varianten der Tonleiter, die er sowohl sportlich wie auch musikalisch treffsicher auf fünf Stufen erklimmt. Kreativität beweist Herr Fröhlich mit seiner Ich-AG in der Erfindung des Ein-Mann-Spielmannszuges. Sogar die klassisch poetische Schiene kann Herr Fröhlich bedienen – "Wenn ich beim Bier geschäkert hab, bin ich dann ein Shakespeare?" –, den Schüttelreim eindrucksvoll erklären und in allerbester Manier den Heinz Erhard wiedergeben: "Wer Klinken putzt und ist doch heiter, ist Masochist oder Blitzableiter."

Wie die Stadt Dinslaken (Dienst-laken) zu ihrem Namen kam, leuchtet jedem ein und wie zufällig kriegen nebenbei auch einige Promis unserer Tage ihr Fett ab: "Die Hauptstädte der Blödheit sind Paris und Verona", oder "Reich-Ranitzki ist so einfach, da müssen Sie nur lispeln und spucken!" Seine Nummer zwischen Rinderwahnsinn und Dieter Bohlen beweist einmal mehr: "Mit bekloppt kommste weiter!" Laubgebläse geißelt Herr Fröhlich als Kettensägenersatz für Herbstlaubphobiker oder Elektroviagra für alle Zu-kurz-Gekommenen, um schon im nächsten Augenblick auf einer seiner skurrilen Kreationen "The answer is blowing in the wind" zum Besten zu geben. Auf zehn Rasierapparaten spielt Fröhlich die britische Hymne "God shave the queen" und lässt doch bei all diesen Blödeleien einen roten Faden nicht vermissen. Schließlich hat er mit seinem Programm "Keiner klatscht besser" zur (Fliegen-) Klatschparty eingeladen, bei welcher von der Massakerklatsche (irgendwann treffen Sie bestimmt) über die Politikerklatsche (knickt bei jedem Lüftchen ein) bis zur Friedensnobelpreis verdächtigen Pazifistenklatsche alles zu haben ist. In begeistertem Applaus zeigte sich auch das Publikum klatschsicher und lässt das quirlige Multitalent am Ende nur höchst ungern von der Bühne gehen. 

 

Südkurier 15.01.2008

Morgen geht's los mit Herrn Fröhlich

 
Auch eine Nummer: Mit selbst gebastelten Instrumenten, hier mit der Glasharfe, reißt Herr Fröhlich sein Publikum förmlich von den Stühlen.
Foto: Privat

Mit skurrilem Humor, Slapstick, poetischen Kapriolen und intelligentem Unsinn auf höchstem Niveau beginnt der Folktreff Bonndorf sein Veranstaltungsjahr 2009. Morgen, Freitag, 16. Januar, gastiert Arno Markgraf im Foyer der Stadthalle. Beginn ist um 20.30 Uhr. Arno Markgraf, alias Herr Fröhlich begeistert sein Publikum mit Kalauern à la Heinz Erhard, scheinbar ungelenk wie ein Mr. Bean, mit einer Mimik, die unendlich komisch und auch mutig ist. Selbst hingerissen von seinen phantasievollen selbstgebastelten Instrumenten, hergestellt aus ganz normalen Gegenständen, erworben in Haushaltswarengeschäften und Heimwerkermärkten, reißt er die Zuschauer buchstäblich von den Stühlen. Karten im Vorverkauf gibt es im Bonndorfer Touristinformationszentrum. Dort erhält man auch das Jahresprogramm 2009. Alle Veranstaltungen des Jahres werden für einen umfassenden Überblick bereits jetzt veröffentlicht. Das ist auch nötig, denn zwei Veranstaltungen im vorigen Jahr waren restlos ausverkauft.

Auch nach dem Auftakt am Freitag bietet der Folktreff zahlreiche Höhepunkte. Zehn Veranstaltungen sind geplant. – Die „Butterfahrt 5“ wird im März ihrem bescheuerten Namen gerecht. Hier nehmen fünf Vollblut-Musiker Klassiker auf die Schippe, dass es nur so lacht. Schräg, bös und gekonnt. „Don't stop me now“ als französischer Chanson, Madonnas „Material Girl“ als Bayerische Volksmusik, „Stayin' alive“ wird zum Heavy Metal Schocker. Das Publikum wird auf ansteckend komische Weise einbezogen.

Der wunderbaren Gitarristin und Sängerin Christina Lux gehört die Bühne des Folktreff im April. Ihre intimen Songs gehen direkt unter die Haut. Mit sinnlich dunkler Stimme umhüllt Sie ihre Zuhörer, beschert ihnen magische Momente voller Harmonie. Sie „zelebriert die Einmaligkeit des Lebens“ urteilt ein Fachmagazin.

Den Freunden des Country-Songs ist die Maivorstellung gewidmet. „Bandana – Sound of Johnny Cash“ nennt sich die Band aus dem Osten Deutschlands. Meist in schwarz gekleidet, eher ruhig und zurückhaltend wirkt der Leadsänger, Andreas Matthes. Wenn er jedoch loslegt reiben sich selbst eingefleischte Fans von Johnny Cash die Ohren, meint man doch den Altmeister leibhaftig zu hören.

Ganz besonders freut sich die Vorsitzende des Folktreff, Gudrun Deinzer, Viva Voce noch einmal für Bonndorf gewonnen zu haben, diesmal mit ihrem Programm „Tapetenwechsel“, am 19. Juni im Schlossgarten. Die fünf Jungs aus dem Fränkischen machen einmalig Musik nur mit dem Mund. Voxpop nennen Sie das was sie tun. Fetzig, frech und charmant verzaubern sie Frauen aller Altersklassen und beeindrucken jeden musikbegeisterten Mann. Viva Voce hat dem Folktreff im April dieses Jahres das erste „Ausverkauft“ in der Geschichte des Vereines beschert. Mit deutlich über 200 Zuhörern war das Foyer brechend voll. Die Begeisterung anschließend sprach Bände.„Natürlich freut ein solcher Erfolg jeden Veranstalter“, meint Gudrun Deinzer, „aber es tut schon weh, langjährige treue Fans unserer Veranstaltungen heim schicken zu müssen. Deshalb haben wir Viva Voce zum Open Air im Schlossgarten eingeladen, sodass jeder in den Genuss kommen kann, sie live zu erleben. Sie treten hier auf zu einem Eintrittspreis, zu dem sie eigentlich nicht mehr zu haben sind“. (gud)

Schwarzwälder Bote 30.12.2009

Folktreff Bonndorf, Veranstaltungen 2009

Bonndorf (da).  „Bunte Vielfalt – für jeden etwas“, das beinhaltet das Jahresprogramm des „Folktreff Bonndorf“ für das Jahr 2009. Der Folktreff Bonndorf geht auf das Jahr 1978 zurück, der seither das kulturelle Leben der Kleinkunst fördert und einen umfassenden Überblick über die Programmgestaltung gibt.Zweifelsohne bietet der Folktreff auch im kommenden Jahr wieder Highlights. Insgesamt sind zehn Veranstaltungen, über das Jahr verteilt, vorgesehen. In der Regel finden die Veranstaltungen im Foyer der Stadthalle Bonndorf statt. Sie beginnen jeweils um 20.30 Uhr. In den Sommermonaten sind zwei Open Air-Veranstaltungen vorgesehen, die jeweils im Schlossgarten stattfinden. Das Schloss Bonndorf mit seinem zauberhaften, historischen Ambiente ist im November Ort der Veranstaltungen. Der Auftakt der Veranstaltungsreihe für die Kleinkunst-Freunde macht am 16.Januar 2009 der bekannte Preisträger der „Tuttlinger Krähe 2007“, Herr Fröhlich mit dem Programm „Keiner klatscht besser“. Am 13.März 2009 ist das Foyer der Stadthalle für die fünf Vollblut-Musiker  „Butterfahrt 5“ reserviert. Sie nehmen Klassiker auf die Schippe, wobei das Publikum auf ansteckend komische Weise einbezogen wird. Der wunderbaren Gitarristin und Sängerin Christina Lux gehört die Bühne des Folktreff am 3.April 2009. Ihre intimen Songs, mit ihrer dunklen Stimme umhüllt, gehen den Zuhörern unter die Haut. Sie zelebriert die Einmaligkeit des Lebens. Den Freunden des Country-Songs ist er Auftritt am 15.Mai 2009 vorbehalten. „Bandana – Sound of Johnny Cash“ nennt sich die Band. Sie ist meist dunkel gekleidet, wirken eher ruhig und zurückhaltend. Sie lieben die intime Clubatmosphäre auf kleineren Bühnen. Bei einem Open Air am 19.Juni 2009 im Schlossgarten steht „Tapetenwechsel“ der Gruppe „Viva Voce“ auf dem Programm. Ihre Instrumente werden rein vokal „erzeugt“, die so echt wirken, als kämen sie vom Band. Das zweite Open Air folgt am 25.Juli 2009. Die Freiburger Rockformation „SunsoN“ präsentiert sich in einer energiegeladenen Liveshow. Das Paulinerheim in Bonndorf ist am 18.September 2009 Schauplatz des bekannten Kabarettist und Comedian Stephan Bauer, der auf der Suche nach dem verlorenen Mann ist. „ExtraArt“ nennen sich die vielfach preisgekrönten Artisten, die am 16.Oktober 2009 in der Stadthalle auftreten und das Publikum mit ihrer Clownerie und Artistik verzaubern wollen. Im Bonndorfer Schloss tritt am 20.November 2009 Tom Haydn auf und gibt hier „Pikanterien“ zum Besten. Ein außergewöhnlicher Programmpunkt ist für den 11.Dezember 2009 im Foyer der Stadthalle vorgesehen. Bea von Malchus spielt Nibelungen mit einem grandiosen Feuerwerk aus atemberaubender Mimik, Stimmenvielfalt und rasanten Rollenwechseln.

 

Südkurier 13.01.2009

Unsinn auf hohem Niveau

Mit Arno Markgraf und skurrilem Humor, Slapstick, poetischen Kapriolen und intelligentem Unsinn auf höchstem Niveau beginnt der Folktreff sein Veranstaltungsjahr am Freitag, 16. Januar, Beginn 20.30 Uhr, im Foyer der Stadthalle. Wer ihn auf der Bühne erlebt hat, zum Beispiel bei der Moderation des Preisträgerabends der Tuttlinger Krähe 2008, – „ich bin innerlich noch nicht bereit, den Titel abzugeben“ weiß, dass er – wiederum Preisträger der besagten Tuttlinger Krähe 2007 – für die Bühne geschaffen ist. Arno Markgraf, alias Herr Fröhlich begeistert mit Kalauern à la Heinz Erhard, scheinbar ungelenk wie ein Mr. Bean, mit einer Mimik, die unendlich komisch und auch mutig ist.

Badische Zeitung 10.01.2008

"Keiner klatscht besser"

 Ein schillerndes Programm, das sämtliche Genres der Kleinkunst tangiert, bietet der Folktreff im neuen Jahr. In neuer Optik gewährt die Programmübersicht erstmals einen Überblick über zehn Veranstaltungen, die allesamt wieder ein hohes Niveau mit nicht minder hochkarätigem Unterhaltungswert versprechen. Kabarett, Comedy, Artistik und Theater wechseln sich ab mit a cappella, Chansons, Pop, Folk, Rock und Countrymusic.

Zweimal hieß es beim Folktreff im zurück liegenden Jahr "ausverkauft", und auch die charmante Boygroup "Viva Voce" wollten weitaus mehr Fans hören, als im Foyer Platz fanden. Beim Open Air Konzert im Schlossgarten gastieren die erfolgreichen Voxpop-Künstler am 19. Juni ein zweites Mal in Bonndorf, so dass nun alle die Chance haben, sich von diesen frech witzigen Jungs mit ihren brillanten Stimmen begeistern zu lassen. Der 2007er Preisträger der "Tuttlinger Krähe", einem der renommiertesten Kleinkunstpreise der Republik, eröffnet am 16. Januar das Jahresprogramm und auch hier dürfte es wieder eng werden im Foyer der Stadthalle, denn "Herr Fröhlich" unterhält mit Kabarett, Artistik, Clownerie sowie fantasievollen musikalischen Überraschungen auf abstrusen Instrumenten mit seinem Programm "Keiner klatscht besser".

In unverwechselbarem Stil nehmen "Butterfahrt 5" am 13. März Welthits sämtlicher Kategorien aufs Korn, was freilich umso besser gelingt, da diese fünf Vollblutmusiker ihr Handwerk bestens verstehen. Eine der besten Songpoetinnen Deutschlands, Christina Lux,  wird am 3. April mit ihrer sanft rauen, sinnlich dunklen Stimme und faszinierendem Gitarrenspiel bei Folk, Jazz und Soul, die direkt unter die Haut gehen, ihre mitreißende Live-Performance unter Beweis stellen. Einem lang gehegten Publikumswunsch nach Country-Music entsprechend, lebt mit "Bandana" am 15. Mai der "Sound of Johnny Cash" wieder auf. Kabarettfans kommen mit Stephan Bauer am 18. September auf ihre Kosten und können sich dabei einmal mehr davon überzeugen, um wie viel unterhaltsamer und persönlicher es auf der Livebühne gegenüber profanem Fernsehen ist, wenn der TV-bekannte Unterhaltungsprofi "auf der Suche nach dem verlorenen Mann" ist. 


Dass "ExtraArt" ihr Gastspiel am 16. Oktober in der Stadthalle geben, liegt in erster Linie an der Raumhöhe, die diese beiden Artisten und Komiker für ihre atemberaubenden Jonglagen und kraftstrotzenden Artistikeinlagen benötigen, um das Publikum zum "Staunen und Lachen" zu bringen.

Ein außergewöhnliches Theaterereignis auf hohem Niveau erwartet die Kleinkunstfreunde schließlich am 11. Dezember, wenn Bea von Malchus die "Nibelungen" spielt, Rollenwechseln. Die Kritiker überschlagen sich mit Superlativen über von Malchus’ schauspielerische Leistung. Dabei sind es nicht zuletzt Witz und Humor, die überzeugen.

Musikalische Akzente setzt der Folktreff freilich auch wieder beim Schlossfest, wo am 25. Juli die Freiburger Rockband "SunsoN" in einer energiegeladenen Liveshow eine eigene Mischung aus brachialen Gitarrenriffs und eingängigen Rockballaden präsentiert.

 

Südkurier 16.12.2008

Niemand bleibt von ihm verschont

Ein knallvolles Haus bescherte Peter Vollmer am Wochenende der Kleinkunstbühne Folktreff in Bonndorf. Der Kabarettist bot mit seinem Programm „Wenn Männer zu sehr 40 werden“ die erfolgreichsten Szenen aus seiner 16-jährigen Solo-Karriere. Im Foyer der Stadthalle begeisterte er nun schon zum dritten Mal sein Publikum.

Dass die „Jungen“ seine 40er-Geburtstagsfeier als „Gammelfleischparty“ verhöhnten, stört ihn dabei kaum. Vollmer trauert nur ein wenig der Zeit nach, in der alles so spontan war. Wo jeder alles aß und trank. Mit Blick auf die Vegetarier, Veganer oder Lacto-Vegetarier meint er schelmisch: „Ich esse immer noch alles, denn ich bin Scheiß-Egalianer“.

Im Laufe des Abends stellt sich heraus, dass Peter Vollmer alles auf die Schippe nimmt, was sich ihm in den Weg wirft. Die Ernährung, die Gesundheit, den Sport und immer wieder mit scharfen Seitenhieben die Politiker. Er verschont nicht einmal sich selbst. Das macht ihn so liebenswert. Peter Vollmer glänzt nicht nur durch zündenden Wortwitz, sondern unterstreicht diesen wirkungsvoll mit seiner hervorragenden Mimik und Gestik. Durch sein schauspielerisches Talent setzt er unausgesprochene Pointen. Frei nach der Melodie „Was wollen wir trinken“ wirft er musikalische Fragen auf „Was kann man noch essen“ und kommt übergangslos zum Thema Werbung „Was kann man noch glauben und woran“. Schonungslos werden die Tricks aus der Werbung offen gelegt. Zum wieder aktuellen Thema „Baader-Meinhof“ heißt es „Sitzt du noch in Stammheim oder wohnst du schon“. In seiner Wahlheimat untersucht er den Kölner Karneval und äußert sich über die Wasserqualität: „Wenn sie in Köln Leitungswasser trinken, müssen sie gleich einen Calgontap hinterher werfen“. Unter großem Gelächter beschreibt erste seine erste ausgebeulte Jogginghose, wie er beim Marathon kläglich versagt und wettert gegen die Nordic Walker, die angeblich immer im „Kampfverband“ und als „Krampfadergeschwader“ auftreten. Mit extrem „gepiercten“ Zeitgenossen hat er ein Problem, weil man diese im Sterbefall nicht beerdigen kann, sondern verschrotten muss.

Mit würdevoller Miene eröffnet Vollmer den Besuchern, dass ein Mann in seinem Alter als Liebhaber immer noch gefordert ist, und zwar im „Trottel Triathlon“: Ausdauerkuscheln, Langstreckenstreicheln und Extremknutschen. Es folgt eine konzentrierte Aufklärung über gedopte Liebesspiele, Ärzte auf der Straße und schräge Vorschläge, das Aufkommen an Organspenden zu erhöhen. In Vollmers Seniorenpartys sind die Herzschrittmacher aufgemotzt und es kommt keiner unter 85 rein.

Vollmer glaubt erkannt zu haben, dass der Mann der Frau als Held erscheinen soll. „Also schuf Gott die Spinne“, frohlockt der Komiker. Es folgen Heldentaten mit Spinne. Genauestens untersucht der Kabarettist den Werdegang eines Kindes, über den Leidensweg Schule hinweg bis zu dem Punkt, an dem das Kind merkt, dass Frauen andere Benutzeroberflächen besitzen als Männer. Und unterschiedliche Gene. Unter anderem haben Frauen das „Einkaufen-Gen“, Männer das „Fremd-Gen“. Peter Vollmer sollte man nicht nur lesen, sondern ihn hören und sehen. Elfi Nosbüsch

 

 

Badische Zeitung 15. Dezember 2008

Peter Vollmer im Folktreff  

Wenn "Mann" als Wackel-Dackel endet

Der Mann ist auf der Bühne des Folktreff kein Unbekannter – vielleicht war dies mit ein Grund, dass zur Kabarettveranstaltung mehr als 200 Besucher kamen. Der smarte Kölner ist ein Profi seines Fachs, der den Draht zum Publikum schon in den ersten Minuten findet.

BONNDORF. Der Mann ist auf der Bühne des Folktreff kein Unbekannter – vielleicht war gerade dies mit ein Grund, dass die Kabarettveranstaltung mit Peter Vollmer mehr als 200 Besucher hinter ihrem winterlich warmen Ofen hervorlockte und zu Begeisterungsstürmen verleitete. Der smarte Kölner ist ein Profi seines Fachs, der nicht nur selbst für optimale Bühnenperformance steht, sondern auch andere Kabarettisten coacht und den Draht zum Publikum schon in den ersten Minuten findet.

Vollmers Botschaft ist schlicht, und daher für jeden verständlich. Vermutlich trifft er genau damit den Nerv seines Publikums, das nach getaner Arbeit beim Besuch der Kleinkunstbühne nicht immer intellektuelle Herausforderungen sucht, sondern sich auch gerne mal einfach unterhalten lässt. Peter Vollmer versteht sich darauf vortrefflich, packt er doch Witz, Ironie, Zweideutigkeiten, aber auch Makabres in skurrile Szenen, in denen sich irgendwann jeder selbst wieder findet. Wenn er pointenreich darüber sinniert, wie "Männer zu sehr 40 werden", tut er dies schließlich vor Fachpublikum, denn mit diesem Thema kennt sich nun mal wirklich jede und jeder im Saal aus.

Vollmer hat eine scheinbar unendliche Fülle von Wortspielereien, Kalauern oder Zoten in petto, die er charmant augenzwinkernd, mit überzeugender Schauspielkunst in frappierender Mimik zum Besten gibt, so dass nicht selten die besten Pointen diejenigen sind, die gar nicht ausgesprochen werden.

Beim wortspielreichen Sinnieren über Vegetarier, Veganer oder Lakto-Vegetarier gibt Vollmer unumwunden zu, dass er – zumindest ernährungstechnisch betrachtet – zur Gruppe der Scheißegalianer zählt. Kein Wunder, denn allein aufgrund der Trinkwasserqualität ist es in Köln ebenso unmöglich, gesund zu leben, wie im Puff keusch zu bleiben. Immerhin sind die Inhaltsstoffe des Kölner Traditionsgerichts mit fünf Totenköpfen gekennzeichnet, so wie sich der echte Rheinländer auch schon mal gerne im "Poweraging" am Tresen übt.

Mit der aktuellen Rolle des Mannes ist Vollmer gar nicht zufrieden, beweist sich der Mann von heute statt mit kernigem Sex doch vielmehr bei Ausdauerkuscheln, Extremschmusen und Langstreckenstreicheln in der Disziplin des Trotteltriathlon. Da kann nur noch ein Testosteronpflaster die Performance steigern, um nicht endgültig als Stubenhorst (Köhler) oder wohl erzogener Wackel-Dackel zu enden. Wenn dann noch Emanzipationsikone Alice Schwarzer behauptet, dass die Bild-Zeitung für Wahrheit steht, muss Ayatollah Khomeini der Begründer der Frauenbewegung und Johannes Heesters – Galapagosschildkröte der Fernsehunterhaltung – ein Duz-Freund von Darwin sein. Rostentferner statt Seife empfiehlt Vollmer den Gepiercten,  die eine Vorliebe zeigen, sich perforieren zu lassen und, je nachdem, welche Körperteile sie piercen, dem Begriff Klingelbeutel eine neue Bedeutung geben.

Nordic-Walking straft er als optische Umweltverschmutzung ab, bei der Pseudosportler in Michelinmännchenformat mit ihren Schneckenstechern, meist im Kampfverband, andere Zeitgenossen verunsichern.  Sei’s drum,  da die Generation der heute Vierzigjährigen später von den Krankenkassen sowieso keine künstlichen Gelenke mehr finanziert bekommt, kann das Gehen am Stock gar nicht früh genug geübt werden, während die Alten von heute mit ihren getunten Herzschrittmachern biblisches Alter erreichen.

Dass selbst die knut-artigsten Kinder irgendwann ypsilantös werden sollte jeder bedenken, der sich mit der Aussicht auf Erziehungsgeld seinen Lebensunterhalt zusammen poppen will. Unbedingt sollte man berücksichtigen, dass Frauen mit ihrer ansprechenden Benutzeroberfläche vom Einkaufen-Gen, Männer jedoch vom Fremd-Gen geprägt sind.  Über den Bio-Tamagocchi "Hermann" – klebrige Kult-Teigmasse der 80er Jahre – spinnt Vollmer den Bogen zum Bioladen, in welchem bevorzugt naturbelassene, unbehandelte, naturtrübe Menschen mit sympathieabweisenden Textilien verkehren.

Zwischendurch gibt sich der blonde Smartie als Latino-Hasch-Experte, aber auch als Sänger und Gitarrist und bringt er das Publikum bei einem Medley bekannter Stimmungslieder mit skurrilen Texten eins ums andere Mal zum Toben, um am Ende zuzugeben, dass das Bonndorfer Folktreff-Publikum in der Kleinkunstszene als Schwarzwaldbrasilianer bekannt ist und er gleich ahnte, hier in einen Hexenkessel zu geraten.

 

 

Badische Zeitung 11.12.2008

Ironman oder Pflegefall?

Männer ab 40: Über diese Typen hat Peter Vollmer gern kabarettistisch hergezogen. Sie beweisen sich plötzlich als Marathonläufer oder todesmutige Rocker im Reihenhaus, die ein zweites Mal heiraten. Sie denken ernsthaft über eine Schönheitsoperation nach und rennen sich im Fitness-Studio die Füße platt. Dafür wollen sie dann natürlich auch noch bewundert werden. In seinem neuen Best- of-Programm "Wenn Männer zu sehr 40 werden" bilanziert er jetzt beim Folktreff Bonndorf seine erste Lebenshälfte und erkennt mit Schrecken, dass er selbst so ein Typ geworden ist: ein Punker mit Platzreife. Die Selbsteinschätzung schwankt dabei zwischen "Ironman und Pflegefall". Man darf jetzt alles – geht aber doch lieber früh ins Bett. Und er muss erkennen: Die wahren Freuden des Lebens lernt man erst dann zu schätzen, wenn sie einem der Arzt verboten hat. Nach 15 Jahren Solokabarett beweist Vollmer wieder viel Selbstironie und Komik.

Südkurier 02.12.2008

Punker mit Platzreife

Was passiert, „wenn Männer zu sehr 40 werden“, erfahren die Besucher im Best-of-Programm von dem mehrfach ausgezeichneten Kabarettisten Peter Vollmer am Freitag, 12. Dezember, auf der Folktreffbühne im Foyer der Bonndorfer Stadthalle.

Sie werden bei einer Weinprobe leidenschaftlicher als beim Sex: Männer um die 40. Sie rennen sich beim Marathon die Füße platt und wollen dafür auch noch bewundert werden. Sie pilgern ins Fitness-Studio oder denken ernsthaft über eine Schönheitsoperation nach; die Todesmutigsten heiraten ein zweites Mal. Über diese Typen ist Peter Vollmer gerne kabarettistisch hergezogen. Jetzt stellt er fest, dass er selbst so einer geworden ist: Ein Punker mit Platzreife. Ein Rocker im Reihenhaus. Immerhin: Er steht dazu und offenbart seinem Publikum das ganze Dilemma dieser Lebensphase. Die Selbsteinschätzung schwankt zwischen „Ironman“ und „Pflegefall“. Man darf jetzt alles – geht aber doch lieber früh ins Bett.

Vollmer zieht an diesem Abend eine Bilanz seiner ersten Lebenshälfte: Wie steht ein Mann heute da, wenn er seine Prägung in den Wohngemeinschaften der 80er Jahre erfahren hat? Er musste ja unbedingt für die Gleichberechtigung der Frau eintreten – jetzt macht er den Salat. Und er muss erkennen: Die wahren Freuden des Lebens lernt man erst dann zu schätzen, wenn sie einem der Arzt verboten hat.

 

Südkurier 19.11.2008 
Charme im kleinen Schwarzen
 
 
Auch so kann man Geige spielen – wie Angelika Bachmann (stehend) und Iris Siegfried vom Quartett „Salut Salon“ eindrucksvoll in Bonndorf unter Beweis stellten.
Foto: Friedrich

Sie traten im kleinen Schwarzen auf und ließen das Publikum „hautnah“ an ihrem Auftritt teilhaben. „Salut Salon“, ein weibliches Spitzen-Ensemble, begeisterte das Publikum im voll besetzten Festsaal von Schloss Bonndorf mit großer Musikalität und einzigartigen Kabarett- und Akrobatik-Einlagen.

„Salut Salon“ wurde im Jahr 2000 von den Geigerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried aus Hamburg gegründet. In Bonndorf spielte das Quartett mit der Besetzung Lara Jones aus Südafrika am Klavier und Anne-Christin Schwarz aus Thüringen am Cello. Allesamt sind die vier studierte und promovierte, mehrfach ausgezeichnete Musikerinnen. Der Folktreff Bonndorf und das Kreis-Kulturamt hatten das Quartett gemeinsam eingeladen.

Gleich mit dem ersten Stück, einer Mixtur aus Passagen von Michael Jacksons „Thriller“, „Goldfinger“ und der Titelmelodie von „Das Boot“ zogen die vier „Ladies in Black“ das Publikum in ihren Bann. „Mein Hut, der hat drei Ecken“ wurde ebenso eigenwillig wie gekonnt interpretiert und so sind hier neben dem Gesang des Publikums auch Sequenzen aus „Pink Panther“ und dem „Säbeltanz“ zu hören. Die vier Musikerinnen zeigten bei ihrer Vorstellung ungemein viel Temperament und Gefühl. Man kann geradezu sehen, wie viel Freude ihnen das Musizieren macht und dabei tun sie dies mit einer unglaublichen Perfektion und Hingabe. Stücke aus eigener Feder kommen genauso zum Einsatz, wie ein „Chanson für alle, die Französisch verstehen“, dazu auch Lieder von Kreisler und Tucholsky. Bei Mozarts Klavierkonzert gab „Oskar“, eine Pappmaché-Puppe, sein Piano-Debüt. Das nächste Stück vom rumänischen Komponisten Diniku hieß „Die Lerche“, hier wird nicht auf dem Klavier gespielt, sondern nur an den Saiten gezupft und die Geigen liefern sich einen Wettstreit, in dem sie das Vogelgezwitscher imitieren. Zwischendurch fließen Passagen aus Miklis Theodorakis „Sirtaki“ mit ein.

Der optische Höhepunkt wird erreicht beim achthändigen Klavierspiel, mit wechselnden Positionen – auch auf dem Klavier! Als Zugabe interpretieren „Salut Salon“ den Klassiker „Hit the road Jack“ und bauen hier ihre Dankesworte ein. Nach einem rassigen Czardas wird das Publikum mit dem gefühlvollen A-cappella-Lied „Now, fellows let's go home“ verabschiedet“. Die vier Musikerinnen, die übrigens immer „im kleinen Schwarzen“ auftreten, machten im Anschluss an das Konzert auf ihr Hilfsprojekt in Chile aufmerksam. In Kooperation mit der Kindernothilfe unterstützen „Salut Salon“ eine Musikschule im Elendsviertel von Achupallas. Annette Friedrich

 

Badische Zeitung 19.November 2008

Vier Damen begeistern ihr Publikum

BONNDORF. Kreiskulturchef Jürgen Glocker hatte es nicht leicht bei der jüngsten Folktreffveranstaltung im Bonndorfer Schloss: Zunächst überreichte ihm Gudrun Deinzer als Vorsitzende der Kleinkunstinitiative die "Rote Karte" – als Einladung für einen Kleinkunstbesuch im Foyer der Stadthalle. Für den weiteren Verlauf des Abends war Jürgen Glocker Zielscheibe des geballten Charmes von vier hübschen, jungen Damen, die ihn anschmachtend keine Sekunde mehr aus den Augen ließen und so manchen Schabernack mit ihm trieben.

Er wird es ihnen jedoch nicht übel genommen haben, wurde er doch ebenso wie all die weiteren Gäste im vollen Saal des Bonndorfer Schlosses mit einem Kleinkunstprogramm der Extraklasse belohnt. In ihrer "Herzenssache" präsentierten sich "Salut Salon" nämlich als exzellente Musikerinnen, begnadete Sängerinnen, herausragende Schauspieltalente und Komödiantinnen mit frappierendem Minenspiel, die mit einer perfekt abgestimmten Programmfolge höchsten Unterhaltungswert zeitigten. In Wildwestmanier startend war denn auch gleich Glocker gefordert: "Was hast du denn für heute vorbereitet?" Das Publikum ließ den Mann nicht im Stich und besang gemeinsam aus voller Brust den Hut mit drei Ecken, aus dem die kokettierenden Musikerinnen ein variantenreiches Medley sämtlicher Stilrichtungen zauberten.

Spätestens als die Hamburgerin Iris Siegfried nach einem Text von Georg Kreisler beklagte "Mein Mann will mich verlassen" oder nach der Frage "Was kann der Mensch dafür, wenn sich sein Herz verliebt?" wusste der Besucher, wie es um den Ernst dieses außergewöhnlichen Konzertabends bestellt war, wandelte sich doch die große Schwarze im kleinen schwarzen blitzschnell von der enttäuschten Gattin zur hämischen Furie, ehe sie schmachtend ihrem geliebtesten Jürgen einen musikalischen "Liebesbrief" vortrug.
 
Brillante Virtuosität und allerhöchste Konzentration
Nichts als Blödsinn im Kopf schien hingegen Geigerin Angelika Bachmann zu haben, blitzte ihr doch der Schalk unentwegt aus den Augen, wenn sie eins ums andere Mal in den unmöglichsten Situationen lachend losprustete. Dass Salut Salon im Kontext mit Anne-Sophie Mutter genannt werden, erstaunt keineswegs angesichts Bachmanns brillanter Virtuosität an der Geige, die sie bei Brahms Ungarischem Tanz ebenso bewies wie in allerhöchster Konzentration beim leidenschaftlichen "Oblivion" von Astor Piazzolla.

Die südafrikanische Pianistin Lara Jones stellte ihr außergewöhnliches Können unter anderem bei Schumanns Es-Dur-Klavierquartett in den Vordergrund, das sie gemeinsam mit Anne Christin Schwarz ("das ist unser Ossi") am Cello im gekonnten Dialog höchst beeindruckend interpretierte. Jede dieser vier Ausnahmekünstlerinnen zelebrierte gewissermaßen die andere, um mit viel Spaß die jeweiligen Instrumente immer wieder komödiantisch zusammen zu führen. Dazwischen ergänzten freche Chansons, etwa ein gurgelnd abgerundetes, italienisches Wein-Recycling-Lied oder das viersprachige "C’est une Chanson" das Spiel der Damen an ihren Instrumenten.

Zwischendurch setzten sie gekonnt "Oskar" am Konzertflügel oder am Cello in Szene, der selbst als Puppe höchste Würde ausstrahlte. Kurzum, hier wurden sämtliche Grenzen eines herkömmlichen Konzertes überschritten, bei dem auch schon mal ein Geigenbogen Richtung Publikum flog. Schauspielerisch schossen Salut Salon den Vogel im wahrsten Sinn des Wortes bei der rumänischen Komposition "Die Lerche" ab, als vier kugelrunde Augenpaare dem dramatischen Absturz und Wiederauferstehen dieses imaginären Piepmatzes folgten. Nachdem Iris Siegfried mit gebotenem Ernst "nach dem Warten auf den musikalischen, nun den optischen Höhepunkt des Abends" ankündigte, blieb nur noch Staunen darüber, was zwei Frauen bei hohem musikalischen Anspruch an zwei Geigen akrobatisch alles anstellen und wie vierzig Finger in atemberaubendem Tohuwabohu auf dem Bösendorfer-Flügel eine perfekte Melodie zum Besten geben können, bis Lara Jones am Ende bäuchlings auf diesem edlen Instrument landete.

Zu den sanften Klängen von Brahms konnte sich ein restlos begeistertes Publikum etwas beruhigen, ehe dieses audiovisuelle Highlight im ehrwürdigen Saal des Schlosses seinen Abschluss fand. 

 

 

Südkurier 08.11.2008   

Virtuos mit einem Hauch Erotik

 
Sie sind Musikerinnen mit Leib und Seele, die vier Damen des Quartetts Salon Salut. Nächste Woche treten sie im Kulturzentrum Schloss Bonndorf auf.

Anspruchsvolle Klassik, freche Chansons, mitreißendes Entertainment präsentiert Salut Salon bei der Veranstaltung des Folktreffs Bonndorf in Zusammenarbeit mit dem Landkreis am Samstag kommender Woche im Schloss.

Im kleinen Schwarzen, virtuos, auch akrobatisch, immer mit einem Hauch Erotik im Gepäck füllen die vier Musikerinnen mühelos große Konzertsäle – hier, aber auch in den USA, in Chile, Kanada, Italien, Tschechien, Skandinavien, Luxemburg, Österreich und der Schweiz.

Jüngst wurde Salut Salon vom „internationalen Musik Festival Shanghai“ neben Anne Sophie Mutter und Pinkas Zukerman für eine Chinatournee ausgewählt. Im Hamburger Thaliatheater beispielsweise waren sie in diesem Sommer sieben Mal hintereinander ausverkauft – mit jeweils 1000 Plätzen.

 

Südkurier  30.10.2008   

Salut Salon im Schloss

 
Eine außergewöhnliche Show aus Klassik, Chanson und Entertainment verspricht das Gastspiel des kessen Damenquartetts Salut Salon am Samstag, 15. November, im Schloss Bonndorf zu werden. Veranstaltet wird dieser Abend vom Folktreff in Zusammenarbeit mit dem Landkreis.

Das Quartett hat sich in wenigen Jahren eine große Fan-Gemeinde im In- und Ausland erobert. Nach ersten öffentlichen Auftritten – unter anderem im großen Saal der Hamburger Laeiszhalle – machte sich „das etwas andere Quartett“ bei Konzertveranstaltern schnell einen Namen. Auf ihrem Weg zum Publikumsliebling wurden die Damen von Künstlern wie dem weltbekannten Clown Dimitri und dem Thalia-Theater-Schauspieler Stefan Schad begleitet.

Im deutschsprachigen Raum sind die vier inzwischen in allen renommierten Spielstätten Garant für volle Häuser. Das Hamburger Thalia Theater, zum Beispiel (1000 Plätze, gerade zum dritten Mal ausgezeichnet als beste deutschsprachige Bühne) buchte die Musikerinnen im Juli 2008 für sieben Tage hintereinander, und alle Vorstellungen waren restlos ausverkauft.

 

Südkurier  22.10.2008

Elvis rockt im Folktreff

 
Mit ihrem Programm „Wir können auch Französisch!“ gastierte das Kölner Iris-Trio im Folktreff Bonndorf. Stimmgewaltig interpretierte Sängerin Iris Lamouyette zahlreiche Chansons, überwiegend aus den 20er und 30er Jahren im typischen Charleston-Stil.
 
Auch Elvis Presley alias Iris Lamouyette gab ein kurzes Gastspiel beim Folktreff. Bild: Friedrich
Foto: Friedrich

Mit ihrem Programm „Wir können auch Französisch!“ gastierte das Kölner Iris-Trio im Folktreff Bonndorf. Das Iris-Trio entführte das Publikum im gut besetzten Foyer der Bonndorfer Stadthalle in die Welt des Chansons. Stimmgewaltig interpretierte die in klassischem Gesang, Klavier und Schauspiel ausgebildete Iris Lamouyette zahlreiche Chansons, überwiegend aus den 20er und 30er Jahren im typischen Charleston-Stil. Darunter Songs von Kurt Weill, wie zum Beispiel „Youkali“, oder die beiden bekannten Titel „Milord“ und „La vie en rose“ von Edith Piaf.

Auch der im Original von Jacques Brel gesungene Titel „Ne me quitte pas“ oder „Chanson banalité“ von Francis Poulenc seien genannt als Hommage an die klangvolle Sprache unserer westlichen Nachbarn. Charmant und stimmgewaltig sowie unter vollem Einsatz ihres schauspielerischen Talentes vermochte Iris Lamouyette das Publikum zu verzaubern. Egal ob in französischer, englischer oder deutscher Sprache, Iris Lamouyette interpretiert die Lieder auf ihre ganz eigene Art. Als französische Chansonette – obwohl sie übrigens kein Französisch spricht – kommt sie dabei genau so authentisch rüber wie als Berlinerin, oder wenn sie den King of Rock'n'Roll, Elvis Presley, mit den Songs „Blue suede shoes“ und „One night with you“ gibt. Letztere Stücke natürlich dargeboten mit dem unverwechselbaren Hüftschwung, Glitzer-Outfit und Teil-Maske mit der typischen Elvis-Tolle.

Bei ihren Eigenkompositionen greift die Sängerin auch selbst zum Akkordeon und bringt das Publikum mit Textpassagen wie „Ich brauch‘ ne Tüte Chips, sonst nix!“ zum Lachen. Instrumentale Unterstützung an Klavier und Akkordeon erhielt Lamouyette von Jörg Fuhrländer, der, wenn er nicht mit dem Iris-Trio auf Tour ist, in mehreren Kölner Jazz-Ensembles spielt und Begleiter beim Improvisationstheater ist. Erst seit diesem Jahr mit von der Partie ist Alexandra Krings, die das ursprüngliche Duo am Bass verstärkt und zum Trio machte.

Einige kleine Patzer zum Ende der Veranstaltung konnten der Begeisterung keinen Abbruch tun und eine Zugabe war obligatorisch. Hierfür wählte die Entertainerin noch einmal zwei Klassiker mit dem Piaf-Chanson „Non, je ne regrette rien“ und dem nicht minder populären Fred-Astaire-Song „Puttin‘ on the Ritz“. Die offizielle Premiere des Programms „Wir können auch Französisch!“ findet eigentlich erst am 5. Dezember statt, somit hat das Bonndorfer Folktreff dem Rest der Bevölkerung etwas voraus. Wer noch mehr von der wandlungsfähigen Iris Lamouyette sehen möchte, sollte am 30. November nach Hüfingen gehen, wo sie zusammen mit Sousanna Dawtjan mit dem Kabarettprogramm „Die bösen Glamourösen im Weihnachtsrausch“ auftritt.

Annette Friedrich

 

Badische Zeitung Mittwoch, 22. Oktober 2008 

Wir können auch Französisch? 

Glanzloses Folktreff-Konzert mit dem "Iris-Trio" / Der Funke wollte nicht überspringen

Von unserem Mitarbeiter Gerhard Wiese

BONNDORF. Zusammen mit ihren Begleitmusikern Alexandra Krings (Bass) und Jörg Fuhrländer (Klavier und Akkordeon) bestritt Iris Lamouyette, Chansonette aus Marburg, das jüngste Konzert des Bonndorfer Folktreff, das sie unter das Motto "Wir können auch Französisch" gestellt hatte. Wiederum war das Foyer der Stadthalle fast voll besetzt, und wieder erwarteten die Zuhörer einen weiteren Höhepunkt in dieser ambitionierten Veranstaltungsreihe.

Doch so recht wollte der Funke nicht überspringen, als die Sängerin zunächst ein etwas holpriges Lied über eine Bahnfahrt vortrug, bei dem einer jungen Frau etwas abhanden kam, bei dem es sich offenbar um ihre Jungfräulichkeit handelte. Dass danach der Beifall freundlich, aber dezent ausfiel, mag auch an der starken Übersteuerung aller Mikrofone gelegen haben. Dieses Problem konnte allerdings rechtzeitig zum zweiten Song behoben werden. Rechtzeitig, denn schon hier wagte sich Iris Lamouyette an eines der ganz großen Chansons, mit dem die französische Sängerin Edith Piaf berühmt geworden war: "Padam padam padam" . Und gleich darauf präsentierte sie das noch berühmtere "La vie en rose" , eine poetische und musikalische Großtat in Sachen Liebeslied, ein Chanson, das andere Sängerinnen, wissend um die Gloriole, die Edith Piaf dem Lied verliehen hat, als Höhepunkt ans Ende ihres Programms setzen, sofern sie sich überhaupt daran wagen. Iris Lamouyette deklamierte es in schlechtem Französisch mit unangebracht rollendem "R" und bis zur Unverständlichkeit falsch artikulierten Silben. Und sie sang es ohne jedes Gefühl für die musikalische Eleganz und emotionale Tiefe dieses Lieds. Das wiederholte sich, um es hier vorwegzunehmen, nach der Pause in noch gröberer Weise mit Jaques Brels berühmtem "Ne me quitte pas" . Auch bei diesem höchst emotionalen, zwischen stiller Verzweiflung und heftigem Aufbegehren schwankenden Lied, das der belgische Chansonnier im Angesicht seines nahenden Todes geschrieben hatte, sang Iris Lamouyette beherzt drauflos, was das Zeug hielt, gestenreich die Arme schlenkernd und mit hochdramatischer, völlig unpassender Mimik.

Bei den vorher gegebenen Elvis-Presley-Songs wiederum verwandelte sich der poetische Liebesliederabend unvermittelt in einen Comedy-Auftritt mit schriller Plastikperücke und übergroßer Sonnenbrille. Gänzlich auf der Strecke blieb dabei allerdings der rockige Drive der Songs, aus denen jede Schüler-Band mehr Power herausgeholt hätte als diese drei Profimusiker. Erst recht bei den Songs von Kurt Weill: Hier war die Sängerin schon stimmlich restlos überfordert, wie auch bei den Chansons von Francis Poulenc, einem Freund von Eric Satie und Arthur Honegger, den die Sängerin als Komponist der Spätromantik vorstellte! Dazu reihte sich Panne an Panne, so dass man über weite Strecken den Verdacht hatte, hier würde das Publikum der "Provinz" für eine öffentliche Probe missbraucht. Vergessene Texte, verpatzte Einsätze, Uneinigkeit über die Programmabfolge bestimmten den Ablauf ebenso wie schlecht oder gar nicht vorbereitete Ansagen von der Art: "Das nächste Stück ist von mir geschrieben und hat einen deutschen Text" (Ende der Ansage). Da erinnert man sich wehmütig an glanzvolle Konzerte auf dieser Bühne, wie etwa die von Little Venus, Cécile Verny oder Sabine Fischmann. Doch da klang nach den einzelnen Stücken der Beifall auch wirklich nach Beifall und nicht nach hustenden Flöhen.

 

 

Südkurier  15.10.2008

Chansons im Folktreff

Das ?Iris-Trio? gastiert am Freitag im Folktreff. Bild: Hanna Lippmann
Foto: Hanna Lippmann

Mit ihrem Programm „Wir können auch französisch“ gastiert das „Iris-Trio“ am kommenden Freitag, 17. Oktober, im Folktreff Bonndorf. Das Konzert beginnt um 20.30 Uhr im Foyer der Stadthalle, Einlass ist bereits ab 19.30 Uhr. Karten gibt es bei der Touristinformation Bonndorf. Das „Iris-Trio“ nimmt das Publikum mit auf eine Reise durch die Welt des Chansons.

Edith Piafs „La vie en rose“ oder der „Chanson banalité“ von Francis Poulenc seien genannt als Hommage an die wunderschöne Sprache unserer Nachbarn. Aber auch Eigen-Kompositionen, Stücke von Dreigroschenoper-Komponisten, Kurt Weill oder auch Liebeslieder von Elvis Presley erweichen die Herzen der Zuhörer. Letztere Songs werden übrigens dargeboten mit dem unvermeidlichen Hüftschwung – hier jedoch von der weiblichen Diva, Sängerin Iris Lamouyette.

Iris Lamouyette singt stimmgewaltig und sensibel und präsentiert Chansons und Songs mit viel schauspielerischem Talent. Die virtuose Begleitung von Jörg Fuhrländers Akkordeonklängen ist das passende Pendant für diesen Abend. Mitunter greifen Iris Lamouyette und Jörg Fuhrländer beide zum Akkordeon und arrangieren die Chansons mit einem satten, nuancenreichen Sound. Für ein brillantes Fundament sorgt groovender Weise die Kontrabassistin Alexandra Krings.

 

Badische Zeitung vom Freitag, 10. Oktober 2008 

"Iris-Trio" im Folktreff 

"Wir können auch Französisch"

BONNDORF (BZ). Ab sofort sind die Eintrittskarten für die nächste Veranstaltung des Folktreff Bonndorf bei der Touristinformation in Bonndorf zu haben. Am 17. Oktober gastiert das "Iris-Trio" im Foyer der Stadthalle. Einlass ist wie immer ab 19.30, Beginn der Folktreff-Veranstaltung ist um 20.30 Uhr.

Das "Iris Trio" lädt ein zu einer Reise durch die Welt des Chansons. "Wir können auch Französisch" , heißt das Programm. Edith Piafs "La vie en rose" oder der "Chanson banalité" von Francis Poulenc seien genannt als Hommage an die wunderschöne Sprache unserer Nachbarn. Aber auch Eigenkompositionen, Stücke von Dreigroschenoper-Komponisten Kurt Weill, oder auch Liebeslieder von Elvis Presley erweichen die Herzen der Zuhörer. Letztere Songs werden übrigens dargeboten mit dem unvermeidlichen Hüftschwung — hier jedoch von der weiblichen Diva, Iris Lamouyette.

Iris Lamouyette singt stimmgewaltig und sensibel und präsentiert Chansons und Songs mit viel schauspielerischem Talent. Die virtuose Begleitung von Jörg Fuhrländers Akkordeonklängen ist das passende Pendant. Für ein brillantes Fundament sorgt groovender Weise die Kontrabassistin Alexandra Krings. Die drei Vollblutmusiker verzaubern ihr Publikum mit so viel Herz und Schmerz, als hätten sie die Geschichten der intonierten Chansons und Lieder selbst erlebt.

 

Badische Zeitung vom Donnerstag, 25. September 2008 

Zwischen Stammkneipe und Kochstudio Abo

Der Kabarettist Jochen Malmsheimer beim Folktreff in Bonndorf

Von unserem Mitarbeiter Gerhard Wiese

BONNDORF. Ein Kabarettist, der einen ganzen Abend übers Sprechen räsoniert? Wenn das mal gut geht. Immerhin verfügt Jochen Malmsheimer über das intellektuelle Rüstzeug: Gymnasium, Studium der Germanistik und Geschichte, Buchhändlerlehre, Kabarettist. Wenn es um Sprache geht, weiß er also, wovon er spricht. Und versöhnlich, wie er ist, verspricht er auch: "Kabarett hin oder her. Ab und zu muss man auch mal einen Witz machen." Das Lachen aber wird für die folgenden zwei Stunden die Hauptbeschäftigung des Publikums sein.

Kabarett über Sprache und Sprechen — da ist für das gestandene Mannsbild Malsheimer das Opfer schnell ausgemacht: der Mann. "Zusammenhängende Sätze gelingen dem Mann nur im Baumarkt" , weiß er und macht seine Geschlechtsgenossen zum Gegenstand des Spotts — die Damen im Saal genießen es sichtlich. Wo es um den Mann geht, ist auch die Stammkneipe nicht weit, jener Ort, wo der Sprechdurchfall zu Hause ist und jeder Satz mit "Pass mal auf" beginnt und mit "Kein Thema" endet.

Malmsheimer gelingt es mittels feinster Beobachtung und gnadenloser Übertreibung das Kneipengespräch zu karikieren, ein Gespräch "bei dem es völlig gleichgültig ist, ob man daran teilnimmt oder nicht. So gleichgültig, wie wenn draußen ein Wind geht und man beteiligt sich mit einem eigenem Wind" . Und während Malmsheimers Objekte sich vorwiegend "mental geschreddert" artikulieren, ist er selbst mit einer grenzenlosen Eloquenz gesegnet, die ihn ohne Punkt und Komma vom Hundertsten ins Tausendste bringt und dabei doch die eigentliche Szenerie nie aus den Augen verliert. Das ist im nächsten Sketch ein selbst gebasteltes Tonstudio, in dem der Erzähler einen Privatsender betreibt, um es den ringsum wuchernden Sendern mal zu zeigen: "Ab fünf Uhr wird zurückgesendet." Hier startet nun eine Kochsendung. Gastkoch Jean Pascal Schraube überzeugt durch gastronomische und sprachliche Einfachheit: "Ich kann nur Kartoffeln." Was er mit diesem beschränkten Können anstellt ("Vor dem Kochen musst du das Wasser in einen Topf tun" ) und wie das sprachlich umgesetzt wird, das ist unaussprechlich komisch und spottet buchstäblich jeder Beschreibung. Neben seiner sprachlichen Virtuosität verfügt Malmsheimer nämlich noch über große schauspielerische Fähigkeiten, die es ihm zusammen mit seiner sehr wandelbaren Stimme erlauben, selbst den blödesten Kalauer zum kabarettistischen Ereignis zu veredeln.

Das steigert sich nach der Pause ins Gigantische. Ein halbwüchsiger Junge wird in der Diskothek von einem Mädchen angesprochen. Es folgt nun (wir denken an die Kommandozentrale eines Raumschiffs ähnlich "Enterprise" ) aus der Sicht aller seiner für das Sprechen notwendigen Organe der komplizierte Versuch, dem Jungen einen vernünftigen Satz zu entlocken. Das könnte schließlich fast gelingen, wäre da nicht die Abteilung SAM (Sitte, Anstand und Moral), welche sich der Mahnung der Mutter verpflichtet weiß: "Geh nicht mit dem erstbesten Mädchen ins Bett." Im Ergebnis ihrer Sabotageakte und nachdem die "Oberste Verstandesleitung" nur noch einen Ausweg wusste, nämlich die logischen Filter zu deaktivieren, stammelt der Junge schließlich den Satz, der dem Abend zu seinem Titel verhalf: "Ich bin kein Tag für eine Nacht." Und macht im Schlafzimmer das Licht aus. Ende der Veranstaltung.

Südkurier    23.09.2008

"Mental geschreddert und subfontanell aufgeschraubt"

Mit Jochen Malmsheimer hatte der Folktreff zur Eröffnung eines anspruchsvollen Herbst-Winterprogramms einen der Stars der deutschen Kabarettszene auf der Bonndorfer Kleinkunstbühne, erfreut sich der Kabaretteur, wie er sich selbst nennt, doch weithin telemedialer Bekanntheit. Entsprechend voll besetzt waren denn auch die Zuschauerreihen mit Kleinkunstfreunden aus Nah und Fern, die sich diesen Spaßvogel, Mahner und Künder in original nicht entgehen lassen wollten. Derweil präsentiert sich der Fernseh-Malmsheimer im für die Kleinkunstszene typisch nahen Publikumskontakt als ein ganz Anderer und zeitigt damit am Ende entsprechend unterschiedliche Zuschauerreaktionen.

Souverän begeistert Malmsheimer mittels phänomenaler Sprachkunst, brillanter Wortwahl, skurrilen Wortkreationen, herausragender Wandelbarkeit der Stimme und verblüffend rasantem Themenwechsel. Demzufolge attestieren viele Besucher dem sympathischen Künstler einzigartige Kabarettkunst. Andere wiederum zeigen sich irritiert darüber, dass Malmsheimer teilweise ein Buch zu Hilfe nimmt, gemeinhin als "Spickzettel" bekannt. Hat der das nötig? Andererseits fällt es schwer zu glauben, dass derart verwinkelte Sprachgebilde in solch schnellem Tempo tatsächlich gelesen und gleichzeitig pointiert vorgetragen werden können. Nun, Malmsheimers Wurzeln liegen im Geschriebenen. Seine Texte haben zuweilen Prosa-, wenn nicht sogar lyrischen Charakter, und die kommen als geschriebenes Wort nun mal besser daher - meint Malmsheimer. Es bleibt also dem Einzelnen, zu bewerten, ob das Buch in Malmsheimers Hand eine gelungene Inszenierung oder schlicht unterm Niveau ist. Er sollte dabei bedenken, dass der Mann sieben (!) aktuelle Programme spielt.
 

Malmsheimer ist kein Kabarettist, der die Zustände in Gesellschaft und Politik geißelt. Wenn doch, gelingt ihm dies äußerst subtil. Er schildert vielmehr groteske Situationen aus dem täglichen Leben. Etwa die des pubertierenden, zahnspangengeschmückten Sascha in großvolumiger Textilhülle, in dessen Innern sich, kaum dass ein hübsches Mädchen ihn in der Disco anspricht, verheerende biochemische Katastrophen anbahnen. Seine Leitstelle jedenfalls hat allergrößte Schwierigkeiten, Sprechalarm für ein "boah eye" auszulösen, Einwände der Sitte auszuschalten und Adrenalin sowie Libidopioniere unter Kontrolle zu behalten.

Seinen intellektuellen Anspruch bringt Malmsheimer auf den Punkt: "Wieso soll ich wissen, was sich denke, ehe ich höre, was sich sage?" und lässt sich schon im nächsten Augenblick darüber aus, dass Männer nur in Baumärkten zusammenhängende Sätze sprechen können. Hier reden sie soviel wie beim Weltwirtschaftsgipfel, aber es wird weitaus mehr dabei gesagt.

"Mental geschreddert und subfontanell aufgeschraubt" sucht er nach einem Abend mit der Dachdeckerinnung Entspannung in der Kneipe, erzeugt doch deren Außenbeleuchtung erwiesenermaßen unmittelbaren, heftigsten Durst. Und entdeckt dabei, dass der rheinländische Kneipenbesucher zuweilen unter Logorrhoe (Sprechdurchfall) leidet, jede Einwendung mit "pass auf!" einleitet und für ihn am Ende alles "kein Thema" ist.

Fernseh- und Rundfunkköche bekommen beim Malmsheimer ihr Fett ab, derweil er sich über die Nachteile des legendären Zwiebelzerkleinerungsgerätes der 70er Jahre auslässt und am Ende von Kochen mit Jochen "pommes brulé im Spiegel einer Sauce Rotznaise" präsentiert. Nahezu übergangslos schildert er angesichts rektaler Ausgelassenheit seine verzweifelte Situation in der keramischen Abteilung des Flugzeugs, wo ihm seine rudimentären Englischkenntnisse, räumliche Enge und Unterdruck zum Verhängnis werden. Am Ende hat er jedenfalls eine verblüffende Erklärung für die weißen Streifen hinter Düsenjets parat.

Dass Karneval nichts anderes als Fremdgehen zu schlechter Musik ist, die Deutschen alljährlich ab dem Oktoberfest von geistiger Inkontinenz befallen sind und der Bayer das Essen am liebsten trinkt, spart Malmsheimer nicht aus. Zuvor gibt's noch ein Lob von ihm: "Aus Ihnen wird mal was!" - und liegt damit nur insofern daneben, dass er in Bonndorf vor einem klasse Publikum gastierte.

 

 

Südkurier   19.09.2008

Comedian und Kabarettist

 

Der Titel seines Programms ist typisch Jochen Malmsheimer: "Ich bin kein Tag für eine Nacht." Heute Abend tritt der Comedian und Kabarettist als Gast des Folktreffs im Foyer der Stadthalle auf. Einen Vorgeschmack auf den Abend liefert auch seine Selbstbeschreibung: Jochen Malmsheimer wurde unter diesem Namen an nur einem Tag im Juli 1961 in Essen geboren, als erstes in einer lockeren Folge ähnlicher Kinder. Die Mutter war Lehrerin, der Vater zweiunddreißig. Nach bereits sechs Jahren erfolgte der erste Schulbesuch Oder: Das Hochschulstudium der Germanistik und Geschichte wird bereits im achten Semester erfolgreich abgebrochen und durch eine Buchhändlerlehre ersetzt.

Jochen Malmsheimer absolviert zusammen mit F. Goesen etwa 800 kurzweilige Auftritte des "Tresenlesen". Darüber berichtet er: zu Recht Preise erhält, unter denen der Prix Pantheon 1997 und der Salzburger Stier 1998 nicht herausragen, weil es die einzigen sind sein segensreiches Wirken am 23. Juli 2000 gegen 22.47 Uhr in seitigem Vernehmen beendet. Seit 23 Uhr ist Malmsheimer nun solistisch im Einsatz. So weit Jochen Malmsheimer über Jochen Malmsheimer.

Südkurier  16.09.2008

Folktreff startet ins zweite Halbjahr

Es ist wieder so weit. Der Bonndorfer Folktreff legt ein vielseitiges Programm für die zweite Jahreshälfte vor. Den Auftakt macht der in Essen geborene Kabarettist Jochen Malmsheimer bereits in dieser Woche am Freitag, 19. September, im Foyer der Stadthalle mit seinem Programm "Ich bin kein Tag für eine Nacht". Malmsheimer, der bereits aus der ZDF-Kabarettreihe "Neues aus der Anstalt" bekannt ist, wird seinen Zuschauern mit wunderschönen Sprachbildern vor Augen führen, wie verrückt das ganz normale Leben ist.

Im nächsen Monat, am 17. Oktober, folgt ebenfalls im Foyer der Stadthalle das "IrisTrio", das die Zuschauer mit französischen Chansons, Schmachtfetzen von Elvis Presley und Jazz à la George Gershwin verzaubern wird. Das Trio besteht aus der Sängerin Iris Lamouyette, die von Kontrabassistin Alexandra Krings und dem Akkordeonspieler Jörg Fuhrländer begleitet wird. Die Sängerin besticht durch ihre unverkennbare, schräge und außergewöhnliche Stimme.

Am 15. November, ein Samstag, tritt im Schloss Bonndorf das Damenquartett "Salut Salon" auf. Zu dieser Gruppe gehören die beiden Geigerinnen Angelika Bachmann und Iris Siegfried, die Cellistin Gesa Riedel und die Pianistin Christine Schütze. Das illustre Quartett trat bereits im Bundestag auf und brachte sogar Bundespräsident Horst Köhler dazu, mitzusingen. Das Quartett bietet anspruchsvolle Klassik, freche Chansons und die Musik aus den Salons der zwanziger und dreißiger Jahre und haucht den angestaubten Stücken durch die Kombination mit Liedern wie "Biene Maja", neues Leben ein. Der Unterhaltungswert wird durch akrobatische Einlagen der Damen an und mit ihren Instrumenten noch verstärkt.

So kann es vorkommen, dass sie zu dritt an einem Cello spielen wird oder achthändig an einem Klavier. Am 12. Dezember tritt Peter Vollmer im Foyer der Stadthalle auf und beendet mit seinem Auftritt die Aufführungen des Folktreffs in diesem Jahr. Er sinniert über Männer, "die zu sehr 40 werden: Bei einer Weinprobe im Bett, beweisen sie sich plötzlich als Marathonläufer, Triathleten oder Canyon-Rafter. Die Todesmutigsten heiraten ein zweites Mal". Der Kabarettist Peter Vollmer hat ein feines Gespür für die Befindlichkeiten seiner deutschen Mitmenschen und Leidensgenossen und führt unterhaltsam und mit viel Selbstironie durch sein Programm. Thomas Wiggert

 

 

Badische Zeitung vom Montag, 15. September 2008 

Malmsheimer gastiert Abo

Kabarett im Folktreff

BONNDORF (BZ). Man kennt ihn bundesweit als häufigen Gast der Kabarettsendung "Neues aus der Anstalt" und wenn er in Düsseldorf, Köln, Mainz, Zürich oder auch in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft auftritt, tut der Kabarettist Jochen Malmsheimer das immer mehrere Abende hintereinander. Jetzt kommt er nach Bonndorf. "Ich bin kein Tag für eine Nacht" heißt es am Freitag, 19. September, von 20.30 Uhr an auf der Folktreffbühne im Foyer der Stadthalle.

In seinen Kabarettprogrammen hebt Malmsheimer lustvoll und in immer wieder neuen Formen die Grenzen zwischen Unsinn und Poesie auf. Und getreu dem Motto eines großen deutschen Dichters ("Sag nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst" ) ist das alles so gekonnt gemacht und vorgetragen, dass man sich vor Lachen kaum halten kann.

"Ich bin kein Tag für eine Nacht, oder: Ein Abend mit Holz" ist ein vor Sprachfreude strotzendes Kunstwerk über die funkelnden Seiten der Verblödung und des Wahns. Die Pforten der Wahrnehmung weit hinter sich lassend, wirft Jochen Malmsheimer einen mal spöttischen, mal versöhnlichen Blick auf einen ganzen Kosmos voller Grotesken, Abgründe und Absonderlichkeiten. Aus therapeutischen Gründen, versteht sich. Denn es sind vor allem die Fragen, auf die wir keine Antworten haben, denen der Bochumer Kabarettist auf der Spur ist.

In "wunderschönen Sätzen mit atemberaubenden Sprachbildern" führt Malmsheimer vor Augen, wie irr das ganz normale Leben ist. Er "jagt grammatische Granaten und literaturtheoretische Satiresalven ins Publikum, dass die Synapsen nur so klapsen" und lässt "Pointen wie Sektkorken knallen" , heißt es in Berichten über seine Auftritte. Und weiter: "Jochen Malmsheimer schlägt einem seine herrlich abseitigen Fantasien derart rasant, geschliffen und souverän um die Ohren, dass nach jedem einzelnen Satz ein donnernder Applaus angemessen wäre."

Südkurier  21.08.2008

Absurder Spaß

Er gilt als der König des absurden Spaßes, lässt Pointen wie Sektkorken knallen. Jochen Malmsheimer schlägt dem Publikum seine herrlich abseitigen Fantasien derart rasant, geschliffen und souverän um die Ohren, dass nach jedem Satz donnernder Applaus angemessen wäre. So urteilen Kritiker über dieses Ausnahmetalent. Und so beschreibt er sich selber: Jochen Malmsheimer wurde unter diesem Namen an nur einem Tag im Juli 1961 in Essen geboren, als erstes in einer lockeren Folge ähnlicher Kinder. Die Mutter war Lehrerin, der Vater zweiunddreißig. Am Freitag, 19. September, Beginn 20.30 Uhr, ist Jochen Malmsheimer Gast des Folktreff im Foyer der Stadthalle. Der Kartenvorverkauf beginnt bereits am kommenden Montag, 25. August, bei der Tourist-Information.

 

Südkurier 18.07.2008

Leidenschaftliche Rockballaden

Bonndorf - Für das diesjährige Schlossfest hat sich der Folktreff Bonndorf etwas Besonderes ausgedacht. Authentische Rockmusik aus der Region soll gleichermaßen junge und jung gebliebene Fans von den Stühlen reißen, als auch Nachwuchsmusiker bekannter machen. Zwei Bands heizen am Samstag, 26. Juli, ab 20 Uhr ein.

Das Rezept ist einfach: Beim Konzert am Stand der Pfadfinder im Schlosshof, das wie immer gratis ist, tritt eine bekannte Rockband aus der Region auf: Johnny on-the-spot. Die Vorband Educe - ebenfalls aus der Region -, gute Musiker, aber noch nicht so bekannt, heizt zunächst ein.

Johnny on-the-spot spielt ehrlichen, kernigen, schnörkellosen Rock'n'Roll. Mal schnelle, mal stampfende, aber jederzeit eingängige Songs, beeindruckende Bühnenpräsenz und fühlbare Leidenschaft lassen die Herzen der Fans des Rock'n'Roll höher schlagen. Die fünf Schwarzwälder Jungs, inzwischen weit über die badischen Grenzen bekannt, spielen in der Zusammensetzung erst seit 2006. Und gleich im ersten Jahr rockten sie sich beim Landesentscheid des "Battle of the Bands" in Stuttgart auf den 1. Platz. Bundesweit belegten sie immerhin den 3. Platz und seither feiern sie Erfolge in der Region, aber auch in Stuttgart, Heidelberg, Saarbrücken und anderswo.

Auch die Jungs von Educe kommen aus der Region, nämlich aus der Gegend um Blumberg, auch sie rocken und dürfen getrost als hoffnungsvolle Nachwuchsrockband betitelt werden. Sie spielen nach eigener Beschreibung "straight rock'n'roll songs" sowie "heavy stoner-rock riffs" und dann wieder herzerweichende Balladen. Viele Gitarrensoli unterstreichen ihre oft selbstironischen Texte.

Educe und Johnny on-the-spot spielen am Samstag, 26. Juli, ab 20 Uhr auf der Bühne im Bonndorfer Schlosshof. Der Eintritt ist jeweils frei.

Südkurier   18.06.2008
Zeitungsjungs lieben es international
Es gibt anscheinend nicht nur Fußballfans, denn trotz Europameisterschaft und Festen in der näheren Umgebung hatten etwa 200 Zuhörer den Weg zum Open-Air-Konzert des Folk-Treff im lauschigen Schloss-Garten gefunden. Bis kurz vor Beginn hatten sich die Verantwortlichen überlegt, das Konzert der kanadischen Band in das Foyer der Stadthalle zu verlegen. Doch die Entscheidung pro Schlossgarten war richtig, denn nirgendwo sonst hätte so eine tolle Atmosphäre entstehen können. Mit Hilfe der flexiblen Stadt-Arbeiter, denen Vorsitzende Gudrun Deinzer bei ihrer Begrüßung dankte, konnte das Konzert rechtzeitig beginnen.

Bereits seit sieben Jahren gehen die vier Paperboys und ein Papergirl immer wieder auf Deutschland-Tournee. Kein Wunder, denn sie lieben das deutsche Essen und vor allem das Bier. Der deutschen Haupstadt widmeten sie mit "Goodbye Berlin" sogar einen eigenen Song.

Wer sich unter der Beschreibung Celtic-Rock-Band nichts vorstellen konnte, war gleich beim ersten Song, dem Instrumental-Stück "String of Horses" begeistert von der Mischung verschiedenster Stilrichtungen. So fließt immer wieder spanische Folklore in die keltisch anmutenden Songs ein. Irische Melodien werden in Spanisch gesungen, oder Tangorhythmen in irische Reels umgewandelt. Die spanischen Einflüsse sind in der mexikanischen Abstammung des Bandgründers und Leadsängers Tom Landa begründet, der in Mexiko geboren wurde und dort seine Kindheit in Mexiko verbrachte. Er spielt bei den Paperboys die Rhythmusgitarre, oder die Jarana, eine mexikanische Gitarre mit acht Saiten, wie im gefühlvollen Coversong "Fragile", im Original von Sting gesungen.

Neben dem Bob Dylan Klassiker "All along the Watchtower" waren dies aber die einzigen Songs, die nicht aus der eigenen Feder stammten. Besonders die spanischen Songs, wie "El Baile del Puma" (Tanz des Puma), oder "La Primavera" (der Frühling) gingen durch die ausdrucksstarke Stimme und das authentische Gitarrenspiel Tom Landas besonders unter die Haut. Aber nicht umsonst wurden die Ausnahmemusiker schon mit vielen internationalen Auszeichnungen bedacht.

Als Soloinstrumente dienen bei den Paperboys nicht wie üblich Schlagzeug oder Gitarre, sondern Geige, eine hölzerne Querflöte und Irish Whistle. Flötist Geoffrey Kelly, als Ü50 der Oldie der Band, erinnerte mit seinen Kapriolen auf der Querflöte manchmal stark an Ian Anderson von der Gruppe Jethro Tull, wobei Kelly bei einem direkten Vergleich wahrscheinlich besser abgeschnitten hätte. Die einzige Frau bei den Paperboys, Ashley MacLeod, wußte das Publikum gleichfalls mit ihrer Virtuosität auf der Geige zu verzaubern. Doch damit nicht genug, die junge Frau war in der Lage enorm schnell zu geigen und parallel dazu zu steppen. Egal ob Geoffrey Kelly oder Ashley MacLeod, beide präsentierten ihre Soli immer im perfekten Zusammenspiel mit Akkustik-Gitarrist John Landa. Obwohl technisch so perfekt wie seine Bandkollegen, hielt sich der Bassist Brad Gillard eher im Hintergrund. Bei manchen Songs stellte er großes Können am Banjo unter Beweis. Für den richtigen Rhythmus sorgte Drummer Matt Brain. Er ist derjenige, der den Songs den speziellen Rhythmus und die passende Dynamik verleiht. Die fünf Vollblut-Musiker heizten den Zuhörern jedenfalls kräftig ein, was angesichts der kühlen Temperaturen allerdings auch dringend nötig war und spätestens nach der Pause hielt es die Tänzer nicht mehr auf den Bänken.

Die meisten Songs stammen aus der fünften und damit aktuellsten CD der Band, "The Road to Ellenside", welche 2005 im englischen Lake-District-Gebiet aufgenommen wurde. Die Band gibt auf ihrer laufenden Tournee nur drei Konzerte in Deutschland. Was für ein Glück, dass die Paperboys ausgerechnet im beschaulichen Bonndorf verpflichtet werden konnten. Schon im September touren die Paperboys wieder durch deutsche Lande und wer sie in Bonndorf verpasst hat, bekommt vielleicht noch einmal die Chance auf ein tolles Konzert einer wirklich einzigartigen Band. Annette Friedrich

Südkurier  13.06.2008

Bonndorf

Konzert im Schlossgarten

Bonndorf (hd) Nicht im Schwimmbad wie in den vergangenen Jahren veranstaltet der Folktreff am Samstag das Open-Air-Konzert mit der kanadischen Erfolgsband "The Paperboys". Aus technischen Gründen werden die Musiker stattdessen im Schlossgarten alles geben. Immerhin, die Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer begeistert sich für den Veranstaltungsort, verspricht dem Publikum: "Sie erwartet ein sehr schönes Ambiente mit historischem Flair und trotzdem mitten im Grünen." Und sie merkt an, dass neben der sehr eingängigen und doch so individuellen Musik der Gruppe die Fiddlerin Ashley Macloed für ein kleines Extrabonbon sorgen wird. "Sie überzeugt ebenso durch virtuoses Fiddeln wie durch furiosen Stepptanz, den sie in ganz außergewöhnlichen Duellen' mit dem Schlagzeuger austrägt", schwärmt Gudrun Deinzer.

Samstag, 14. Juni, Schlossgarten Bonndorf, Beginn 20.30 Uhr, Einlass aber 19.30 Uhr. Nur bei schlechtem Wetter in der Stadthalle. Vorverkauf in der Tourist-Information, Martinstraße 5, Telefon 7607.

Südkurier  07.06.2008
Die Nacht rückt näher
Zugegeben, noch ist es etwas kühl, vor allem, wenn es Abend wird. Aber nächste Woche wird es anders. Davon sind alle überzeugt. Alle die sich auf das Openair-Ereignis am kommenden Samstag, 14. Juni, im Schwimmbad freuen. Der Folktreff präsentiert bei diesem Konzert die kanadische Erfolgsband "The Paperboys".

Erfolgsband ist nicht hochgestapelt. Beispiele: Mit ihrem Song "Fall down with you" haben sich die Paperboys wochenlang ganz vorne in den kanadischen Charts gehalten. Sie sind Preisträger des kanadischen Grammys Juno, mehrfache Preisträger des West Coast Music Award, mit ihrem Album "Dilapidated Beauty" wurden sie für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert.

Ihr Name "Paperboys" - Zeitungsjungen - erinnern sie an ihre Anfänge, als sie als Zeitungsjungen ihre Probenräume und Musikinstrumente finanzierten. Das englische Folkroot Magazin schreibt über die Paperboys, sie seien "one of the most exciting bands coming out of the folk roots corner". Dabei ist ihr Sound gar nicht so leicht einzuordnen. Es ist eine Mischung aus Latin, Celtic, Soul, Bluegrass und Americano Country. Oder: Latin-Celtic-Rock mit einer guten Prise nordamerikanischen Lebensgefühls, angereichert durch die multikulturelle Umgebung der Heimatstadt Vancouver und Einflüsse auf ihren Tourneen.

Hartmut Dulling

 

Südkurier  27.05.2008
Paperboys im Schwimmbad
Ab sofort sind die Karten für das diesjährige Folktreff-Bonndorf-Open-Air im Schwimmbad zu haben. Es spielt die kanadische Band "The Paperboys" am Samstag, 14. Juni.

Erst im Februar hatte sich die Mitgliederversammlung des Vereins dafür ausgesprochen, nach den ersten beiden gelungenen Konzerten solche Open-Airs regelmäßig, am liebsten jährlich, zu veranstalten. Umso glücklicher ist der Vorstand, mit den Paperboys eine international beachtete Band gewonnen zu haben.

Mit dem Song "Fall down with you" sind die Musiker bis auf die Nummer sieben der kanadischen Videocharts vorgestoßen und hielten die Position ein paar Wochen inne. Schon mehrfach war die Band für den Juno - den kanadischen Grammy - nominiert und hat ihn auch gewonnen, dazu zweimal den "West Coast Music Award". Mit dem Album "Dilapidated Beauty" haben sie eine Nominierung für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhalten.

Das englische Folkroot-Magazin schreibt: "...one of the most exciting bands coming out of the folk roots corner". Dabei ist der Sound der Musiker nicht so leicht einzuordnen. Es ist eine Mischung aus Latin, Celtic, Soul, Bluegrass, Americano Country. Oder vielleicht etwas leichter verständlich Latin-Celtic-Rock mit einer guten Prise nordamerikanischen Lebensgefühls. "Latin" geht auf das Konto des Gründers und Lead-Sängers der Paperboys, Tom Landa. Er ist Sohn eines Mexikaners und einer Kanadierin und ist in Mexiko aufgewachsen. "Celtic" rührt aus der Herkunft anderer Bandmitglieder, deren Vorfahren schottische und irische Einwanderer waren.

Neben ihren Touren durch Kanada und die USA, wo beispielsweise die Seattle Weekly sie als "guaranteed club filler" bezeichnete, ist in den letzten Jahren ein großer Schwerpunkt Europa geworden.

The Paperboys, was nichts anderes als Zeitungsjungen heißt, haben ihren Namen übrigens von der Tätigkeit, mit der sie in ihren Anfängen Probenräume und Musikinstrumente finanziert haben.

Die Paperboys haben inzwischen ihre Fans in Irland, Schottland, England, Belgien, Frankreich, Österreich, der Schweiz und auch in Deutschland. Wenn sie im Juni nach Bonndorf kommen, waren sie vorher on Tour in Irland, England, den USA und kommen quasi direkt von dorther für gerade mal drei Auftritte nach Deutschland.

Die Paperboys sind in Bonndorf am 14 Juni zum Open-Air im Schwimmbad, bei schlechtem Wetter in der Stadthalle Bonndorf ab 20.30 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr. Kartenvorverkauf in der Tourist-Information Bonndorf, Martinstraße 5, Telefon 07703/7607.

 

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 letzte Änderung 21.12.2011